Im 8. Wiener Gemeindebezirk, auch bekannt als Josefstadt, herrscht derzeit ein akuter Betreuungsnotstand für Grundschulkinder. Besonders betroffen ist die Volksschule Lange Gasse, die als letzte Schule im Bezirk ohne Ganztagsbetreuung dasteht. Rund 200 Kinder besuchen diese Schule, deren Unterricht um 11:55 Uhr endet und somit eine erhebliche Betreuungslücke für berufstätige Eltern schafft. Der einzige öffentliche Hort im Bezirk wurde 2023 geschlossen, was die Situation weiter verschärft.

Die Eltern sind verständlicherweise verärgert und haben bereits eine Petition für den Umbau zur offenen Volksschule (OVS) gestartet. Ein Umstieg war ursprünglich für das Schuljahr 2026/27 geplant, doch im Oktober 2025 musste die Schule mitteilen, dass dies aufgrund fehlender Finanzierung und Personalmangel nicht möglich ist. Private Horte sind für viele Familien keine Option, da die Kosten von etwa 800 Euro pro Monat für zwei Kinder oft nicht tragbar sind. Zudem gibt es im Bezirk 16 private Horte, deren Gebühren ebenfalls hoch sind, und die städtischen Horte kosten mindestens 220 Euro plus Essensbeitrag.

Bundesweite Entwicklungen in der Ganztagsbetreuung

Im Kontext dieser lokalen Herausforderungen ist zu beachten, dass ab dem 1. August 2026 ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder in Kraft tritt. Dieser Anspruch beginnt zunächst für die erste Klassenstufe und wird bis zum Schuljahr 2029/30 auf alle Klassenstufen eins bis vier ausgeweitet. Obwohl in den letzten Jahren viele Plätze geschaffen wurden, ist der Bedarf an Ganztagsangeboten für Grundschulkinder noch nicht vollständig gedeckt. Im Schuljahr 2023/24 werden rund 1,9 Millionen Kinder ganztägig betreut, was etwa 57% entspricht.

Der Bund unterstützt den Ganztagsausbau mit einem Investitionsprogramm von insgesamt 3,5 Milliarden Euro bis Ende 2029. Diese Mittel sind für Ausstattungsinvestitionen sowie für Um- und Neubauten gedacht. Ab 2026 wird der Bund auch die Betriebskosten übernehmen, die bis 2030 auf bis zu 1,3 Milliarden Euro jährlich steigen sollen. Diese Entwicklungen sind entscheidend, um die Bildungs- und Betreuungschancen für Kinder zu verbessern und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern.

Die Situation in der Josefstadt

Bezirksvorsteher Martin Fabisch hat bestätigt, dass die Stadt Wien im September 2025 über die Verschiebung der Umstellung der VS Lange Gasse informierte. Ein parteiübergreifender Antrag zur Vorziehung dieser Umstellung auf Herbst 2027 wurde bereits angenommen. Die Stadt Wien plant, die Umstellung zur OVS für die VS Lange Gasse ab dem Schuljahr 2027/28 zu realisieren. Der Bezirk trägt den Hauptteil der Umbaukosten, die mit etwa 600.000 Euro veranschlagt sind, wobei 60% davon vom Bezirk getragen werden.

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Die geplanten Umbauten umfassen die Umgestaltung einer alten Schulwart-Wohnung in einen Aufenthaltsraum sowie die Schaffung eines Gartens, der den Kindern zur Verfügung stehen soll. Für die Freizeitgestaltung wird das Personal von der Bildung im Mittelpunkt GmbH bereitgestellt, die zu 100% der Stadt Wien gehört. Diese Maßnahmen sind dringend erforderlich, um den Bedürfnissen der Familien im Bezirk gerecht zu werden und die Betreuungslücken zu schließen.

Die Situation in der Josefstadt ist ein Spiegelbild der Herausforderungen, mit denen viele Eltern in Österreich konfrontiert sind, und zeigt deutlich, wie wichtig die Schaffung von Ganztagsbetreuungsplätzen für die Zukunft unserer Kinder ist. Es bleibt zu hoffen, dass die geplanten Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden und die Eltern in der Josefstadt bald aufatmen können.