Am 29. April 2026 wird ein bedeutendes Kapitel der Theatergeschichte in Wien-Josefstadt zu Ende gehen. Die beliebte Schauspielerin Marianne Nentwich, die seit 62 Jahren untrennbar mit dem renommierten Theater verbunden ist, nimmt mit der Uraufführung von Peter Turrinis „Was für ein schönes Ende“ Abschied. Diese Premiere markiert nicht nur das Ende ihrer beeindruckenden Karriere, sondern auch den Schlussstrich unter die Ära von Direktor Herbert Föttinger, der als einer der besten Chefs von Nentwich gilt. Nachfolgerin Marie Rötzer hat jedoch bereits angekündigt, dass sie für die Doyenne des Ensembles keine Verwendung mehr sieht, was zu ihrem endgültigen Abschied führt.
Geboren am 22. Juli 1942 in Wien, wuchs Nentwich unter schwierigen Bedingungen auf. Ihr Vater, ein Mittelschullehrer, kehrte nach dem Krieg erst 1945 aus amerikanischer Gefangenschaft zurück. Nentwichs Kindheit war geprägt von familiären Tragödien, die durch die Kriegszeit verstärkt wurden. Ihr Interesse an Literatur und Theater wurde stark von ihrem Vater gefördert, der sie bereits früh in diese Welt einführte. Nach ihrer Matura arbeitete sie zunächst als Stenotypistin beim Rundfunk, während sie abends die Schauspielschule besuchte. Ihr Einstieg ins Theater erfolgte 1964, als sie vom Theater in der Josefstadt engagiert wurde.
Ein Leben für das Theater
Marianne Nentwich wurde durch zahlreiche Fernsehserien und Theaterproduktionen bekannt. Zu ihren bekanntesten Rollen zählen Auftritte in „Das Ringstraßenpalais“ (1981) und „Schlosshotel Orth“, sowie in allen vier Teilen der „Bockerer“-Filmreihe und einem „Tatort“ aus dem Jahr 1972. Ihre schauspielerische Vielseitigkeit zeigte sich in verschiedenen Produktionen, darunter „Der gläserne Pantoffel“ und „Der Rosenkavalier“. Trotz ihrer Erfolge hatte sie auch mit Herausforderungen zu kämpfen, wie etwa ihrer schwierigen Beziehung zur Stiefmutter, die sie während ihrer frühen Karriere begleitete.
Die letzten Jahre ihrer Karriere waren von einer tiefen Verbundenheit mit dem Theater geprägt, aber auch von schmerzhaften Entscheidungen. Nentwich hat erklärt, dass sie die Josefstadt unwiderruflich nicht mehr betreten wird. Dieses endgültige Ende spiegelt sich nicht nur in ihrer persönlichen Geschichte wider, sondern auch in der sich wandelnden Landschaft des Theaters, das sich ständig neu erfinden muss, um relevant zu bleiben.
Theatergeschichte und kulturelle Einordnung
Das Theater in Wiener Josefstadt hat eine lange und bewegte Geschichte, die untrennbar mit der Kultur des Landes verbunden ist. In einem umfassenden Werk über die Theatergeschichte in Böhmen, Mähren und Schlesien bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wird die Entwicklung des Theaters in der Region dokumentiert. Dieses Lexikon bietet nicht-tschechischsprachigem Publikum erstmals konzentrierte Informationen über die Theatergeschichte und zeigt die Bedeutung von Persönlichkeiten und Werken, die das Theater geprägt haben. Die Veröffentlichung ist Open Access verfügbar und trägt zur weiteren Verbreitung und Wertschätzung der Theaterkunst bei (Theater in Böhmen, Mähren und Schlesien).
Mit dem Abschied von Marianne Nentwich endet nicht nur eine persönliche Ära, sondern auch ein Stück österreichischer Theatergeschichte, das künftigen Generationen als Inspiration dienen wird.