In Wien-Landstraße tut sich derzeit einiges in der Kunstszene. Unternehmen, wie die Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, haben erkannt, dass Kunstwerke nicht nur schmücken, sondern auch inspirieren und Gespräche anstoßen können. Carl Aigner, der seit 2023 an der Aufarbeitung der beeindruckenden Kunstsammlung arbeitet, hat tief in die Materie eingetaucht und Geschichten zu den Gemälden gesammelt. Diese Sammlung, die seit den 1950er-Jahren gewachsen ist, umfasst Hunderte Werke namhafter Künstler. Unter ihnen finden sich bedeutende Werke von Egon Schiele, Pablo Picasso und Josef Engelhart, dessen Schaffen besonders im Fokus steht. Aigner hat sich zum Ziel gesetzt, die Sammlung aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken und sie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Die Kunstwerke in der Sammlung erzählen nicht nur von ästhetischen Werten, sondern auch von menschlichen Schicksalen. So verbindet ein Gemälde einer „Spanischen Tänzerin“ von Josef Engelhart eine bewegte Geschichte mit einem Immobiliendeal, der die Villa der Mautner-Markhofs und Engelharts Atelier umfasst. Engelhart, ein Mitbegründer der Wiener Secession, heiratete 1895 Doris Mautner-Markhof, trotz aller Widerstände. Diese persönlichen Geschichten verleihen der Sammlung eine besondere Tiefe. Aigner ist sich aktuell keiner Raubkunst bewusst, jedoch bleibt die umfassende Aufarbeitung der Sammlung am Laufen.

Ein Blick auf die Kollektion

Die Raiffeisen-Kunstsammlung setzt ein Zeichen für gesellschaftliche Verantwortung. Mit einem jährlichen Budget im mittleren sechsstelligen Bereich wird die Weiterentwicklung der Sammlung vorangetrieben. Der Frauenanteil in der Sammlung beträgt etwa 15%, was auf die Herausforderungen hinweist, die Künstlerinnen in der Vergangenheit hatten. Kitty Goldmann, deren Vater Leopold Goldman, ein Modeunternehmer, im Holocaust ermordet wurde, floh nach Chile und starb 2002. Dies sind nur einige der Geschichten, die die Kunstwerke lebendig machen.

In der Sammlung wird auch ein Bild des Künstlers Rudolf Böttger gezeigt, das Mäher auf einem Kornfeld darstellt. Böttger, der später als NS-Kulturfunktionär bekannt wurde, wirft Fragen auf, die in der heutigen Zeit mehr denn je diskutiert werden müssen. Die Sammlung, die bis zum 27. September der Öffentlichkeit präsentiert wird, soll nicht nur zur Reflexion anregen, sondern auch einen Dialog über Kunst, Geschichte und Verantwortung eröffnen.

Die Zukunft der Raiffeisen-Kunstsammlung

Mit der Initiative von Obmann Erwin Hameseder und Generaldirektor Michael Höllerer wird die Sammlung nun strukturiert weiterentwickelt. Carl Aigner und die Kunsthistorikerin Lisa Kandlhofer sind mit der Herausforderung betraut, ein neues Sammlungsprofil zu erstellen, das den Fokus auf heimische Kunst aus Wien und Niederösterreich legt und gleichzeitig auch performative Kunst und Aktionismus einbezieht. Hermann Nitsch und Arnulf Rainer sollen dabei eine zentrale Rolle spielen, um neue Talente zu entdecken und zu fördern.

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Ein Bildband mit rund 200 abgebildeten Werken wurde bereits erstellt, und eine öffentliche Präsentation der ausgewählten Exponate ist für April im Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels geplant. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Raiffeisen-Holding nicht nur in der Finanzwelt aktiv ist, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Kunst- und Kulturförderung leistet.

Die Kunstsammlung ist mehr als nur eine Ansammlung von Bildern – sie ist ein lebendiges Zeugnis der Geschichte, der Gesellschaft und des menschlichen Schaffens. Wer sich die Zeit nimmt, die Geschichten hinter den Bildern zu erkunden, wird schnell feststellen, dass Kunst weit über das Visuelle hinausgeht. Sie ist ein Spiegel unserer Werte, unserer Fragen und unserer Träume.

Weitere Informationen über die Kunstsammlung der Raiffeisen-Holding finden Sie hier und die Annäherung an die Professionalisierung der Sammlung hier.

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