Schließung der Traditionsmetzgerei „Mein Berger Schinken“ in Wien-Landstraße und die Herausforderungen der Branche
In Wien-Landstraße hat die Traditionsmetzgerei „Mein Berger Schinken“ ihre einzige Filiale am Rennweg 56 geschlossen. Diese Entscheidung, die bereits Mitte Mai 2023 vollzogen wurde, kam nicht ganz überraschend. Aus wirtschaftlichen Gründen und aufgrund notwendiger Renovierungen sah sich das Unternehmen gezwungen, diesen Schritt zu gehen. Die Filiale, die seit 1976 in Betrieb war, war ein fester Bestandteil des Stadtbildes. Nun sind einige Mitarbeiter betroffen – eine „einstellige Anzahl“ – und es bleibt unklar, ob sie an anderen Standorten des Unternehmens unterkommen können. In individuellen Gesprächen hat man sich bereits um die betroffenen Angestellten gekümmert. Ein Aushang am ehemaligen Standort bedankt sich bei den treuen Kunden und verweist auf andere Standorte außerhalb Wiens. Das Unternehmen ist jedoch grundsätzlich offen für neue Standorte in Wien, vorausgesetzt, sie befinden sich in frequenzstarken Lagen mit guter Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten. Quelle.
Die Schließung von „Mein Berger Schinken“ ist kein Einzelfall. In Deutschland kämpfen viele Metzgereien und Fleischereien ums Überleben. Der Personalmangel, die Konkurrenz durch Discounter und veränderte Ernährungsgewohnheiten machen es den traditionellen Betrieben schwer. Ein Bericht des Deutschen Fleischer-Verbands zeigt, dass die Zahl der Meisterbetriebe in Deutschland von über 20.000 im Jahr 2002 auf derzeit noch über 10.000 gesunken ist. Besonders in ländlichen Regionen, wo kleine Landschlachtereien aus dem Dorfbild verschwinden, ist dies ein besorgniserregender Trend. In Städten schließen immer mehr inhabergeführte Fleischereien, da die großen Supermärkte mit ihren tiefen Preisen den kleinen Betrieben die Luft zum Atmen nehmen.
Veränderte Essgewohnheiten und Nachwuchsmangel
Ein weiterer Grund für den Rückgang der Metzgereien sind die veränderten Essgewohnheiten der Verbraucher. Immer mehr Menschen entscheiden sich für vegetarische oder vegane Alternativen, während der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland von über 60 kg im Jahr 2018 auf 51,6 kg gesunken ist. Qualität wird oft zugunsten des Preises vernachlässigt, was für viele traditionelle Metzgereien ein großes Problem darstellt. Zudem sehen sich die Betriebe mit der Herausforderung konfrontiert, dass die Zahl der Auszubildenden im Fleischerhandwerk stetig sinkt. 2023 waren es nur noch rund 2.300 Auszubildende – ein Rückgang von knapp 5% im Vergleich zum Vorjahr. Vor zwanzig Jahren waren es noch über 9.500. Ein Mangel an Fachkräften betrifft nicht nur die Fleischereien, sondern auch viele andere Handwerksberufe.
Es wird immer deutlicher, dass viele Betriebe in Deutschland ernsthaft in Betracht ziehen, ihre Türen zu schließen. Die Herausforderungen sind vielfältig: steigende Energie- und Produktionskosten, der Druck der Supermärkte und die Notwendigkeit, sich an die veränderten Kundenwünsche anzupassen. Einige Metzgereien setzen auf hochwertiges, lokal produziertes Fleisch und suchen den direkten Kontakt zu ihren Kunden, um ein individuelles Einkaufserlebnis zu bieten.
Ein Blick in die Zukunft
Was die Metzgerei-Branche in den kommenden Jahren betrifft, gibt es sowohl Licht als auch Schatten. Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Jörg Dittrich, spricht von einer „Über-Akademisierung“ und fordert mehr Anerkennung für Handwerksberufe. Die Verbraucher scheinen zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit und artgerechte Tierhaltung zu legen. Doch trotz dieser positiven Tendenzen bleibt die Frage, ob die traditionellen Metzgereien langfristig überleben können. Der Rückgang der Zahl der Fleischereien ist alarmierend, und viele Kunden wünschen sich den Erhalt der Metzgereien, vertrauen auf Qualität und regionale Herkunft. Ein staatliches Siegel zur besseren Orientierung beim Fleischkauf wurde zwar angekündigt, aber bislang verschoben. Bis dahin bleibt den kleinen Betrieben nur, sich anzupassen und neue Wege zu finden.
