Die Renovierung des Wiener Stadttempels schreitet mit großen Schritten voran. Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, hat kürzlich von einem Zeitplan berichtet, der eine feierliche Eröffnung zu den hohen Feiertagen im September vorsieht. Ein Anlass, der nicht nur die lange Geschichte des Stadttempels, sondern auch das Engagement der Gemeinde für die Zukunft widerspiegelt. Der Stadttempel, erbaut im Jahr 1826 von Josef Kornhäusl, ist nicht irgendeine Synagoge. Er überstand die Novemberpogrome 1938 als einzige Synagoge Wiens und hat somit eine besondere Bedeutung für die jüdische Gemeinschaft.
Die Gesamtkosten der Renovierung belaufen sich auf rund 10,5 Millionen Euro. Ein stolzes Sümmchen, das nicht ohne Unterstützung zu stemmen ist. Hier kommt der Maler Gottfried Helnwein ins Spiel. Er hat sich bereit erklärt, zur Finanzierung beizutragen, indem er ein Bild mit dem Titel „The Child Dreams“ am 16. Juni versteigert. Der Erlös dieser Versteigerung fließt vollständig in die Renovierung des Stadttempels. Helnweins Motiv zeigt ein Kind mit geschlossenen Augen, eine Hommage an das Theaterstück des israelischen Autors Hanoch Levin, das in den 1990er-Jahren uraufgeführt wurde und heute als Klassiker gilt.
Ein bedeutendes Kunstwerk für einen guten Zweck
Das Bild hat eine besondere Geschichte. Helnwein hat das Kind an der jüdischen Zwi-Perez-Chajes-Schule in Wien-Leopoldstadt fotografiert. In seiner Kunst thematisiert er das Potenzial junger Menschen und die Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Angesichts der über 1500 antisemitischen Vorfälle, die im Vorjahr in Wien registriert wurden, ist diese Thematik aktueller denn je. Deutsch betont die Entschlossenheit der Kultusgemeinde, sich nicht unterkriegen zu lassen – eine Botschaft, die in diesen schwierigen Zeiten besonders wichtig ist.
Die Versteigerung des Kunstwerks findet im „Auktionshaus im Kinsky“ statt, mit einem Erstgebot von 50.000 Euro. Eine stolze Summe, die aber angesichts der Bedeutung des Projekts und der Unterstützung, die der Stadttempel benötigt, gerechtfertigt ist. Es ist ein Zeichen des Zusammenhalts und der Hoffnung für die jüdische Gemeinschaft in Wien und darüber hinaus.
Die Renovierung des Stadttempels ist mehr als nur eine bauliche Maßnahme. Sie stellt einen Teil der jüdischen Identität und Kultur dar, die in Wien verankert ist. Das Engagement von Künstlern wie Helnwein zeigt, dass Kunst eine Brücke schlagen kann – zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Erinnerung und Hoffnung. Ein faszinierendes Projekt, das die Bedeutung des Stadttempels nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Gegenwart und Zukunft festigt.
Weitere Informationen finden Sie auf wien.orf.at.
