Heute ist der 27.04.2026 und die Biotech-Szene in Wien-Liesing steht vor einem herben Rückschlag. Die CarlLabs GmbH, ein innovatives Biotech-Unternehmen, hat am Handelsgericht Wien ein Konkursverfahren beantragt. Der Schritt wurde von der Schuldnerin selbst eingereicht, was die Ernsthaftigkeit der Situation unterstreicht. CarlLabs wurde 2021 gegründet und war zuvor als Abundance GmbH bekannt. Das Unternehmen hatte sich auf die Bereitstellung flexibler Laborinfrastruktur für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten spezialisiert und schuf am Standort in Wien-Liesing rund 1.200 Quadratmeter Laborfläche.
Die wirtschaftliche Lage von CarlLabs hat sich in den letzten Monaten dramatisch verschlechtert. Insolvenzen zweier Großkunden und ein schwieriges Marktumfeld haben der Firma stark zugesetzt. Ein geplantes größeres Laborprojekt mit der insolventen 6B47 Real Estate Investors AG, das 18.000 Quadratmeter Laborfläche und ein Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro umfassen sollte, konnte nicht realisiert werden. Derzeit beschäftigt CarlLabs nur noch drei Mitarbeiter und hat insgesamt 31 Gläubiger. Die Passiva belaufen sich auf 4.172.695,46 Euro, während das Anlagevermögen lediglich einen Buchwert von etwa 1,83 Millionen Euro aufweist. Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Erwin Senoner.
Herausforderungen für die Biotech-Branche
Die Probleme von CarlLabs sind symptomatisch für die Herausforderungen, vor denen viele Start-ups in der Biotech-Branche stehen. Das Unternehmen vermietete voll ausgestattete Laborarbeitsplätze an junge Biotech-Firmen, um Infrastrukturhürden zu senken und die Entwicklung zu beschleunigen. Trotz der anfänglichen Erfolge, bei denen das Pilotprojekt im Jahr 2023 schnell vermietet wurde, trugen die Insolvenz der zentralen Mieter und das verschärfte Marktumfeld zur aktuellen Krise bei. Ein geplanter Begleitfonds zur finanziellen Unterstützung von Start-ups ist ebenfalls gescheitert.
Die Erfahrung zeigt, dass großvolumige Immobilienprojekte in den Lebenswissenschaften nur mit finanzstarken Mietern nachhaltig funktionieren. Das risikobehaftete Vermietungsgeschäft mit Start-ups sollte idealerweise im öffentlich (teil-)finanzierten Bereich realisiert werden. Alternativ könnte eine Kofinanzierung durch große Pharmapartner in Betracht gezogen werden, da diese ein großes Interesse an Start-ups haben und bereit wären, in die notwendige Infrastruktur zu investieren.
Ausblick und weitere Entwicklungen
Die Anmeldefrist für Gläubigerforderungen endet am 16. Juni 2026, und die Prüfungs- und Berichtstagsatzung ist für den 30. Juni 2026 angesetzt. In der Zwischenzeit wird die Insolvenzverwaltung die Möglichkeiten zur Fortführung des Projekts prüfen. CarlLabs könnte damit möglicherweise eine zweite Chance erhalten, um die Weichen für die Zukunft neu zu stellen.
Die Situation von CarlLabs verdeutlicht die hohen Risiken, die mit der Gründung und dem Betrieb von Start-ups in der Biotech-Branche verbunden sind. Es bleibt zu hoffen, dass aus dieser Krise Lehren gezogen werden, um die Rahmenbedingungen für innovative Unternehmen in Österreich zu verbessern.