In Wien-Liesing lebt die 68-jährige Irene P., die an Multipler Sklerose leidet. Diese Krankheit macht ihr das Leben bei hohen Temperaturen besonders schwer. Nach mehreren Schüben hat sie das Gefühl, dass Hitze für sie wie ein ständiger Feind ist. Es ist nicht nur die Temperatur, die sie belastet, sondern auch die Kombination aus Luftfeuchtigkeit und fehlendem Wind, die das Schwitzen und damit die Abkühlung erschwert. Deshalb hat Irene einige Maßnahmen ergriffen, um dem Hitzeproblem in ihrer Wohnung entgegenzuwirken. Dazu gehören eine Kühlweste, eine Markise und Innen-Rollläden. Doch das alles reicht nicht aus.
Die Pensionistin wohnt im zweiten Stock einer südseitigen Wohnung der Genossenschaft Sozialbau, wo es so gut wie keinen Schatten gibt. Um ihre Lebensqualität zu verbessern, hat sie ein mobiles Klimagerät angeschafft, ist damit jedoch unzufrieden. Der Wunsch nach einem Split-Klimagerät auf ihrem Balkon ist stark. 2024 stellte sie einen Antrag bei der Sozialbau für die Installation des Geräts, doch die Antwort kam prompt und unerfreulich: eine Absage. Die Gründe? Das Gerät würde das Erscheinungsbild des Hauses stören, Lärmbelästigung verursachen und einen hohen Energieverbrauch mit sich bringen.
Ein ständiger Kampf gegen die Hitze
Ein weiterer Dämpfer kam von der MA 50, die feststellte, dass das gewünschte Klimagerät mit 39,7 Dezibel zu laut sei. Nur für den Fall, dass man die Nacht zum Tag macht, liegt die nächtliche Grenze bei 35 Dezibel. Irene schlug vor, das Gerät in der Nacht auszuschalten oder eine plombierte Zeitschaltuhr zu verwenden. Eine Idee, die auf taube Ohren fiel, denn eine Rückmeldung blieb aus. Das klingt frustrierend, oder? Aber die Geschichte geht weiter: Nach einer Anfrage einer ORF-Redakteurin wurde eine neue Überprüfung eingeleitet. Irene wurde aufgefordert, erneut konkret für ein Klimagerät mit plombierter Zeitschaltuhr anzufragen. Ein positiver Bescheid steht noch aus und die Hoffnung auf ein besseres Raumklima bleibt bestehen.
Das ist nicht nur ein persönliches Problem von Irene. Hitzewellen im Frühjahr und Sommer stellen für viele Menschen, insbesondere für Senioren und chronisch Kranke, eine erhebliche Belastung dar. Die subjektive Temperaturwahrnehmung ist auch von Faktoren wie Strahlungsbedingungen, Windgeschwindigkeit und Luftfeuchtigkeit abhängig. Fehlende nächtliche Abkühlung kann für diese Risikogruppen besonders belastend sein. Tipps für den Umgang mit Hitze beinhalten ausreichendes Trinken, leichte Kost und das Verdunkeln der Wohnung während des Tages. Ein Aufenthalt in schattigen, kühlen Orten wird ebenfalls empfohlen.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze
Die gesundheitlichen Folgen von extremer Hitze sind nicht zu unterschätzen. Laut dem Robert Koch-Institut wird mit einer Zunahme extremer Hitze aufgrund des Klimawandels gerechnet. Hitze kann bestehende Erkrankungen verstärken und stellt ein Gesundheitsrisiko für die gesamte Bevölkerung dar, wobei besonders vulnerable Gruppen wie Menschen mit chronischen Erkrankungen—insbesondere neurologischen Erkrankungen—einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. In Hitzeperioden beobachten Experten zudem einen Anstieg der Sterbefälle.
Ein effektiver Hitzeschutz ist also unerlässlich, um den gesundheitlichen Herausforderungen der Hitze entgegenzuwirken. Maßnahmen wie ein Hitzewarnsystem und Hitzeaktionspläne könnten helfen, besser auf solche Extrembedingungen vorbereitet zu sein. Insgesamt sind es die persönlichen Schicksale wie das von Irene P., die die Dringlichkeit von Hitzeschutzmaßnahmen verdeutlichen. Sie steht für viele, die im Sommer unter der Hitze leiden und sich nach einem kühleren, erträglicheren Lebensraum sehnen.