In Wien-Margareten ist ein echtes Traditionsunternehmen ansässig, das auf eine beeindruckende 140-jährige Geschichte zurückblickt. Christian Seidler, der das Familienunternehmen leitet, sieht sich Herausforderungen gegenüber, die nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart prägen. Die Firma „Seidler & Franzel“, die 1883 von seinem Urgroßvater Adolf gegründet wurde, hat sich ganz dem Bereich Wandfarben, Lacke, Tapeten und Grundierungen verschrieben. Heute ist die Marke unter dem Namen „Sefra“ bekannt, und das bunte Zebra ist das charmante Maskottchen des Unternehmens. Ein Leitsatz des Unternehmens klingt fast philosophisch: „Wandel ist konstant; persönliche Vorteile sind zweitrangig.“ Das ist nicht nur ein Spruch, sondern eine Lebenseinstellung, die sich durch die gesamte Geschichte des Unternehmens zieht.

Mit 15 Filialen in Österreich und einer jährlichen Produktion von 6.500 Tonnen Farben und Grundierungen in Oberwaltersdorf hat Sefra eine beachtliche Stellung im Markt. Das Unternehmen hat zwei Weltkriege und die Ölpreiskrise der 1970er Jahre überstanden – eine Zeit, in der Öl ein zentraler Bestandteil der Farbenindustrie war und wirtschaftliche Herausforderungen mit sich brachte. Christian Seidler hat in seinen 40 Jahren im Unternehmen viele Krisen bewältigt, darunter die aktuellen geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten, die die Rohstoffbeschaffung beeinträchtigen. Diese Konflikte führen zu steigenden Preisen auf dem Weltmarkt, was auch für die Kunden von Sefra Konsequenzen hat. In einem offenen Brief hat Seidler sie über die Kostenerhöhungen informiert und signalisiert, dass er die Preise senken will, sobald sich die Situation stabilisiert. Eine bemerkenswerte Priorität, die Seidler setzt, ist, die Unternehmensinteressen über sein persönliches Einkommen zu stellen.

Krisenmanagement in Familienunternehmen

In der heutigen Zeit ist es für Familienunternehmen wie Sefra besonders wichtig, gut auf Krisenszenarien vorbereitet zu sein. Ein neuer Praxisleitfaden zum Thema Krisenmanagement und Krisenresilienz, veröffentlicht von den Autoren Rüsen und Fröhlich, beleuchtet diese Herausforderungen. Der Leitfaden zeigt auf, dass existenzielle Krisen oft aus internen Entscheidungen und den Dynamiken zwischen Eigentum und familiären Beziehungen resultieren. Die COVID-19-Pandemie hat versteckte Probleme zusätzlich verschärft und Unternehmen zur sofortigen Anpassung gezwungen. Für Sefra bedeutet das, dass Christian Seidler nicht nur als Kapitän, sondern auch als Navigator in stürmischen Gewässern agieren muss.

Der Leitfaden bietet praxisnahe Anleitungen zur Krisenbewältigung und empfiehlt, externe Berater hinzuzuziehen, um objektive Einblicke zu gewinnen. Gerade in Familienunternehmen ist dies besonders wertvoll. Manchmal kann es eben hilfreich sein, eine neutrale Sichtweise zu bekommen, um festgefahrene Strukturen zu durchbrechen. Auch Seidler gibt seinem Sohn Rupert, der bereits aktiv im Unternehmen ist, Freiraum für eigene Entscheidungen. Das ist eine Herausforderung in einem Familienunternehmen, aber eine notwendige, um frischen Wind in die Tradition zu bringen.

Widerstandskraft durch ein starkes Fundament

Familienunternehmen wie Sefra zeigen in Krisenzeiten eine bemerkenswerte Widerstandskraft. Oft reagieren sie flexibler und schneller als Großkonzerne, die durch komplexe Entscheidungsstrukturen gelähmt werden können. Prinzipien wie langfristiges Denken, persönliche Verantwortung und eine enge Bindung zu Mitarbeitenden und Kunden sind die Pfeiler, auf denen solche Unternehmen stehen. Diese Nähe schafft Identifikation und Vertrauen, was in schwierigen Zeiten unbezahlbar ist. Eine flache Hierarchie ermöglicht schnelle Reaktionen auf Marktveränderungen, und die Verantwortung gegenüber der Region fördert nicht nur das eigene Geschäft, sondern auch die Gemeinschaft.

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Christian Seidler und sein Sohn sind also nicht nur in einem Familienunternehmen tätig; sie sind Teil einer Tradition, die sich immer wieder anpassen und neu erfinden muss. Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Herausforderungen größer denn je scheinen, wird deutlich, dass die Resilienz von Familienunternehmen eine wertvolle Ressource ist. Während die Welt sich um sie herum verändert, bleibt die Grundidee von Sefra dieselbe: Wandel ist konstant, und mit einem starken Fundament kann man so manchen Sturm überstehen.

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