Handwerk für alle Sinne: Ein Besuch im Taschnergeschäft von Alexander Rippka in Wien
Heute ist der 7.06.2026 und wir sind in Wien-Mariahilf. An einem Ort, wo die Geschichte des Handwerks lebendig ist, hat der sehbehinderte Journalist Dominic Schmid einen besonderen Besuch organisiert. Begleitet von seiner Freundin Elisabeth, erkunden sie das Taschnergeschäft von Alexander Rippka, das seit 1931 besteht und für seine handgemachten Taschen, Gürtel und Kleinlederwaren bekannt ist.
Schon beim Betreten des Geschäfts wird man von dem intensiven Geruch nach Leder und Klebstoff empfangen – ein Duft, der Handwerk und Tradition verspricht. Alexander begrüßt die beiden und beginnt, ihnen die Welt der Taschen näherzubringen. Hier wird nicht einfach nur genäht, hier wird mit Leidenschaft und Hingabe gearbeitet. Schmid und Elisabeth ertasten verschiedene Taschenarten, darunter eine Laptoptasche und eine Aktentasche. Es ist beeindruckend, wie sie durch Textur und Form die unterschiedlichen Modelle identifizieren.
Einblicke in die Taschenproduktion
Alexander führt die beiden durch sein Lederlager und zeigt ihnen die verschiedenen Lederarten. Veloursleder fühlt sich ganz anders an als Narbleder – das kann man fast nicht glauben, bis man es selbst in der Hand hält. Interessant ist, dass die Narben auf dem Leder von der Tierhaut stammen oder künstlich hinzugefügt werden. Währenddessen erklärt Alexander die Schritte der Taschenproduktion. „Wir fertigen alles von Hand nach Schablonen“, sagt er und reicht Schmid eine Kartonschablone. Da wird schnell klar, dass hier viel mehr steckt als nur eine einfache Tasche.
Die Verwendung von Dispersions- und Kontaktkleber ist ein weiterer spannender Punkt, den Alexander anspricht. „Ohne den richtigen Kleber geht hier gar nichts“, sagt er mit einem Schmunzeln. Auch das Zubehör, wie Zippverschlüsse und Gehänge, wird vorgestellt. Schmid ist fasziniert und lernt, dass eine spezielle Spaltmaschine das Leder auf die gewünschte Dicke bringt. Nach dem Besuch hat er nicht nur ein besseres Verständnis für die Herstellung von Taschen, sondern auch für die Materialien und deren Eigenschaften. Das ist wirklich beeindruckend, wie viel Wissen und Geschick in jedem Stück steckt.
Weitere Perspektiven für Sehbehinderte
In einer Zeit, in der Handwerk und Kreativität immer mehr an Bedeutung gewinnen, gibt es auch in anderen Städten Initiativen, die blinden und sehbehinderten Menschen eine Plattform bieten. Ein Beispiel dafür ist die Werkstatt-Galerie 37 in Frankfurt am Main. Diese wurde 1837 gegründet und öffnete 1991 ihre Türen. Hier können Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab 8 Jahren kreativ werden, ohne dass eine künstlerische Vorbildung erforderlich ist. Das Hauptmaterial, das dort verwendet wird, ist Speckstein – leicht zu bearbeiten und ideal für die ersten Schritte in die Welt der Kunst.
Die Galerie fördert nicht nur die Kreativität, sondern auch den Tastsinn, die Motorik und das räumliche Vorstellungsvermögen. Es ist spannend zu sehen, dass auch sehende Angehörige und Freunde teilnehmen können. Wer neugierig ist, kann die Galerie sogar vier Wochen lang kostenlos testen. Es gibt immer einen Raum für kreative Entfaltung, und das ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je – besonders in einer Welt, die oft zu schnelllebig ist.
Insgesamt zeigt sich, dass Handwerk und Kreativität für alle zugänglich sein sollten. Ob bei einem Taschner in Wien oder in einer Werkstatt in Frankfurt – die Möglichkeiten sind vielfältig und laden ein, die Welt mit anderen Augen zu sehen.
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