Heute ist der 16.05.2026 und in Wien-Mariahilf brodelt es. Vor dem großen Finale des Eurovision Song Contest (ESC) versammeln sich zahlreiche Aktivisten, um gegen die Teilnahme eines israelischen Vertreters zu demonstrieren. Die Atmosphäre ist angespannt, aber irgendwie auch entspannt – viele der Demonstranten konsumieren Bier und tragen Palästinensertücher, während sie Slogans wie „Freiheit für Palästina“ und „Keine Bühne für den Völkermord“ rufen. Die Demo hat um 14 Uhr gegenüber vom Westbahnhof auf der Mariahilfer Straße begonnen und der Protestzug hat sich inzwischen in Bewegung gesetzt. Die Veranstalter erwarten bis zu 3.000 Teilnehmer, auch wenn die Zahl aufgrund des schlechten Wetters, Wind und Regen, möglicherweise darunter liegt. Trotzdem – mehrere Tausend Menschen sind es, die sich zusammengefunden haben, um ihren Unmut auszudrücken. Laut heute.at sollen die Lautsprecher der Demo bis zur Stadthalle hörbar sein.

Unter den Demonstranten sind viele aus den Bundesländern und dem Ausland. Plakate mit Aufschriften wie „Block Eurovision“ und „Don’t celebrate Genocide“ werden hochgehalten. Die Stimmung ist nicht aggressiv, was vielleicht daran liegt, dass es auch eine gewisse Vorfreude auf das ESC-Finale gibt, das um 21:00 Uhr beginnt. Schwedische ESC-Teilnehmerin Felicia hatte zuvor einen Kreislaufkollaps, aber sie hat sich schnell erholt und ist bereit für den Wettbewerb. Die Polizei ist in großer Zahl vor Ort – Dutzende Polizeibusse und über hundert Polizisten, die die Situation im Griff behalten sollen. Die Sicherheitsvorkehrungen werden als massiv beschrieben; Insider vergleichen die Sicherheit der Stadthalle sogar mit der des Weißen Hauses. Täglich sind mehrere Hundert Polizisten im Einsatz, unterstützt von Cobra-Beamten und Sprengstoff-Spürhunden.

Protest gegen Israel

Die Demonstration richtet sich klar gegen die Teilnahme Israels am ESC, was in der internationalen Gemeinschaft umstritten ist. Fünf Länder boykottieren den Wettbewerb aus Solidarität mit Palästina. Der palästinensische Botschafter in Wien, Salah Abdel Shafi, hat die israelische Teilnahme scharf kritisiert und als „Beleidigung für die Kunst, für die Kultur, für die Musik und für die Menschheit“ bezeichnet. Er hat Israel Völkermord und ethnische Säuberungen vorgeworfen und Deutschland für einen unkritischen Umgang mit Israel scharf angeprangert.

Die größte ESC-Demonstration hat unter dem Motto „Keine Bühne für den Völkermord“ begonnen. Kritiker der israelischen Teilnahme ziehen Vergleiche mit der Suspendierung Russlands durch die Europäische Rundfunkunion. Unterstützer Israels argumentieren, dass die Umstände nicht miteinander vergleichbar seien. Währenddessen protestiert die Gruppe „Artists against Antisemitism“ in der Nähe des großen Protestes. Aktivistin Sonja hat die Proteste als antisemitisch und bedrohlich bezeichnet. Bisher gab es keine Ausschreitungen, was die Lage etwas beruhigt.

Sicherheit und Kosten

Die enormen Zusatzkosten für die Sicherheitsmaßnahmen übersteigen eine Million Euro. Die Wiener Polizei beschreibt die Lage vor dem Finale als „sehr ruhig“, trotz der angespannten Situation. Der Protest wird die Polizei bis etwa 22 Uhr beschäftigen, da die Demonstration insgesamt acht Stunden dauert. Man könnte fast sagen, dass das ganze Geschehen ein wenig an das große Spektakel, das der ESC darstellt, erinnert – eine Mischung aus Feiern, Gesang und Protest. Während die einen jubeln und feiern, drücken die anderen ihren Unmut aus. Es ist ein Bild, das in der heutigen Welt nicht unüblich scheint, aber dennoch zum Nachdenken anregt.

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Gerade in solch bewegten Zeiten wird die Kunst oft zum Spiegel gesellschaftlicher Konflikte. Der ESC, der um 21:00 Uhr mit 25 Liedern und Interpreten an den Start geht, ist an sich ein Fest der Musik und der Vielfalt. Doch wie so oft, wird das Fest von politischen Spannungen überschattet. Deutschland wird von Sarah Engels mit der Dance-Nummer „Fire“ vertreten – eine fröhliche Melodie, die in diesem Kontext fast surreal wirkt.