Wien, die Stadt der Fußgänger? Anlässlich des „Tag des Zu-Fuß-Gehens“ hat der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) erneut auf die Defizite in der Verkehrsplanung hingewiesen. Laut den aktuellen Forderungen des VCÖ ist es an der Zeit, Wien zu einer fußgängerfreundlicheren Stadt zu entwickeln. Besonders gefordert werden breite Gehsteige, sichere und übersichtliche Straßenübergänge sowie längere Grünphasen bei Fußgängerampeln. Diese Maßnahmen würden nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener verbessern.
Im Bundesländer-Vergleich sind die Wienerinnen und Wiener am häufigsten zu Fuß unterwegs. Für 2024 wird prognostiziert, dass 30% der Alltagswege in Wien zu Fuß zurückgelegt werden, während nur 25% mit dem Auto gefahren werden. Berücksichtigt man die Teilstrecken zu Haltestellen, erhöht sich dieser Anteil sogar auf 58%. Dennoch zeigt eine Analyse, dass Fußgänger oft vernachlässigt werden. Der Platz auf den Straßen wird häufig mehr für parkende Autos als für Fußgänger genutzt.
Besondere Zielgruppen im Fokus
Besonders auffällig ist, dass Kinder und ältere Menschen die häufigsten Nutzer der Fußwege sind. So gehen 46% der 7- bis 13-Jährigen und 37% der über 70-Jährigen zu Fuß. Auch der Fußverkehrsanteil variiert je nach Autofahrverhalten der Haushalte: In autofreien Haushalten liegt er bei 38%, während Haushalte mit einem Auto nur 33% und Haushalte mit zwei oder mehr Autos lediglich 26% ihrer Wege zu Fuß zurücklegen.
Die Bedeutung des Zufußgehens wird auch durch gesundheitliche Aspekte untermauert. Gehen senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und stärkt Muskeln, Knochen und Gelenke. Der tägliche Einkauf ist mit 59% der häufigste Grund für Fußwege, gefolgt vom Schulweg. Im Durchschnitt beträgt der Fußweg zu Haltestellen 300 Meter, was die Notwendigkeit sicherer und attraktiver Fußwege unterstreicht.
Politische Forderungen und Strategien
Die Wiener Grünen setzen sich ebenfalls für eine Umverteilung des Straßenraums ein und planen, im kommenden Gemeinderat einen Antrag auf eine Begegnungszone in jedem Bezirk zu stellen. Dies könnte eine grundlegende Änderung in der Verkehrsplanung in Wien einläuten. Die Tendenz des Zu-Fuß-Gehens in Wien ist jedoch rückläufig: von 35% im Jahr 2022 auf 30% im Jahr 2024.
Auf einer größeren Ebene hat das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Februar 2025 eine Fußverkehrsstrategie veröffentlicht. Das Ziel dieser Strategie ist es, das Zufußgehen als gleichberechtigte Mobilitätsform zu stärken und gleichzeitig die Lebensqualität in Städten und Gemeinden zu steigern. Die Strategie beinhaltet gesetzliche Anpassungen, die gezielte Fördermaßnahmen zur Verbesserung des Fußverkehrs und die Schaffung sicherer, barrierefreier Fußwege umfassen.
Mit einem Budget von 2,5 Millionen Euro für die Fußverkehrsinfrastruktur im Jahr 2024 zeigt die Regierung, dass sie die Belange der Fußgänger ernst nimmt. Kommunen erhalten zudem mehr Handlungsspielraum für die Gestaltung des Fußverkehrs, was in der Praxis zu einer deutlichen Verbesserung der Situation für Fußgänger führen könnte. Es bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen auch in Wien schnell umgesetzt werden, um die Stadt für alle Bewohner und Besucher sicherer und lebenswerter zu machen.
Für weitere Informationen zu den Forderungen des VCÖ und den aktuellen Entwicklungen in der Wiener Verkehrsplanung, lesen Sie hier.