Im Herzen von Wien-Meidling gibt es eine spannende Neuerung, die den Friedhof nicht nur zu einem Ort der Trauer, sondern auch zu einem Raum für Begegnung und Erholung transformiert. Friedhöfe, so sagt man, sind Orte, die oft mit schweren Gedanken und Traurigkeit verbunden werden. Doch die 46 von den Friedhöfen Wien betreuten Grabanlagen, die sich über eine beeindruckende Fläche von 5,2 Quadratkilometern erstrecken, zeigen, dass es auch anders geht. Ein frischer Wind weht durch den Friedhof Meidling, denn hier wurde ein neues Nutzungskonzept vorgestellt, das den Besuchern viel mehr bietet als nur stille Andacht.

Eine der Hauptattraktionen ist der Silent-Walk-Rundweg, eine 800 Meter lange Spazierstrecke, die durch den neuen Teil des Friedhofs führt. Der Rundweg wurde so gestaltet, dass er die Störungen für Besucher minimiert – ein Konzept, das sich bereits am Zentralfriedhof bewährt hat. Besondere Aufmerksamkeit wurde dabei auf die älteren Besucher gelegt, die im Durchschnitt 68 Jahre alt sind. Entlang des Weges finden sich zahlreiche kleine „Plauderbankerl“, die nicht nur zum Rasten einladen, sondern auch dazu, neue Kontakte zu knüpfen. Das ist doch mal eine nette Idee!

Fitness und Naturschutz

Das innovative Nutzungskonzept geht jedoch noch weiter. Ein kleiner Fitnessbereich mit inklusiven Trainingsgeräten, darunter ein Balanceboard, wurde eingerichtet. Hier können die Besucher, ganz ohne Druck, ein bisschen Bewegung in den Alltag bringen. Und das ist noch nicht alles: Fünf Hamsterinseln wurden angelegt, um Rückzugsräume für die geschützte Population des Europäischen Feldhamsters zu schaffen. Das Wildbienenhaus, das ebenfalls auf dem Gelände steht, zeigt, wie wichtig ökologische Maßnahmen sind.

In zwei neuen Friedhofswäldchen wurden zudem 140 neue Bäume gepflanzt, die nicht nur das Mikroklima verbessern, sondern auch den Friedhof in eine grüne Oase verwandeln. Die Strauchgrabanlage, die Platz für bis zu 120 Urnen bietet, ist die zehnte in Wien mit einem Naturgrabangebot. Um die Ruhe und den Charakter des Friedhofs zu bewahren, werden im neuen Friedhofsteil keine weiteren Gräber mehr vergeben. Das schafft Raum für zusätzliche Nutzungen und ökologische Maßnahmen, was besonders in Zeiten des Klimawandels von Bedeutung ist.

Ein Blick in die Zukunft

Das Nutzungskonzept ist Teil der Kampagne „Gemeinsam. Sorgsam. Ins Leben“, die darauf abzielt, Umwelt- und Klimaschutz zu fördern. Studien haben gezeigt, dass die Friedhofsareale ein Versickerungspotenzial von bis zu 70 Prozent haben und die Umgebungstemperatur um bis zu drei Grad senken können. Diese Erkenntnisse bringen die Bedeutung von Friedhöfen als Teil der städtischen Grüninfrastruktur zur Sprache.

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Eine aktuelle Studie zum Friedhofswesen in deutschen Städten, die für 2024 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Auftrag gegeben wurde, zeigt, dass demografische und gesellschaftliche Veränderungen auch in Wien spürbar sind. Es gibt einen Anstieg pflegeleichter Bestattungsformen und einen wachsenden Bedarf an nicht-christlichen Bestattungen. Diese Trends führen zu einem verringerten Flächenbedarf für Friedhöfe, was die Friedhofsträger vor neue Herausforderungen stellt – sowohl wirtschaftlich als auch hinsichtlich des Erhalts historischer und grüner Funktionen.

Die Strategien zur Weiterentwicklung von Friedhöfen müssen flexibel und kreativ sein. Dazu gehören die Schaffung pflegearmer Grabstätten, die Öffnung für multireligiöse Bestattungen und die Umnutzung von Friedhofsflächen für kulturelle oder soziale Zwecke. Der Friedhof Meidling könnte hier als Vorbild dienen und zeigen, wie man den Spagat zwischen Tradition und Moderne gelingt. Ein spannendes Thema, das auch in Zukunft viele Diskussionen anstoßen wird.

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