Wien-Meidling, ein Stadtteil mit Geschichte! Der Meidlinger Friedhof zählt zu den ältesten noch genutzten Friedhöfen der Stadt und ist ein wahrer Rückzugsort für viele Pflanzen- und Tierarten. Das beschauliche Areal hat sich über die Jahre zu einem ökologisch wertvollen Lebensraum entwickelt, und das nicht nur für die Verstorbenen. Hier, zwischen alten Bäumen und naturbelassenen Wiesen, finden auch die lebenden Bewohner der Stadt einen Platz – darunter der stark gefährdete Feldhamster.
Was viele nicht wissen: Friedhöfe werden in Städten oft weniger intensiv genutzt, umgebaut und kontrolliert als Parks. Dies macht sie zu wichtigen Korridoren für verschiedene Arten, die in urbanen Gebieten gefährdet sind. Thomas Filek, ein engagierter Biologie- und Deutschlehrer aus dem 17. Wiener Gemeindebezirk, ist seit 2021 aktiv daran beteiligt, das Leben im Meidlinger Friedhof zu dokumentieren. Seine Initiative „Biodiversität am Friedhof“ zeigt, dass dieser Ort nicht nur ein Platz zum Trauern ist, sondern auch ein Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Ein Schutz für den Feldhamster und mehr
Die Hamsterpopulationen im Meidlinger Friedhof sind besonders bemerkenswert. Eine Straße trennt diese von anderen Populationen, und Citizen-Scientists haben die Aufgabe übernommen, den Überblick über die Bestände zu behalten. Es gibt zwar keine institutionelle Forschung, doch die Hobbyforscher berichten von gesundheitlichen Problemen bei den Hamstern und einem Mangel an Versteckmöglichkeiten. Das klingt nicht gut. Aber die Friedhofsverwaltung hat bereits Vorschläge zur Verbesserung des Lebensraums der Hamster positiv angenommen.
Der Lebensraum des Feldhamsters wird durch die fortschreitende Flächenversiegelung in der Stadt bedroht. Diese kleinen, pelzigen Gesellen sind nicht nur süß, sie sind auch Teil eines größeren ökologischen Gleichgewichts. Ihr Schutz kommt auch anderen Tieren, Insekten und Pflanzen zugute. Tatsächlich hat eine BBC-Dokumentation über diese Wiener Friedhofshamster über zehn Millionen Views auf YouTube erzielt – beeindruckend, oder? Die Menschen sind offensichtlich fasziniert von diesen kleinen Lebewesen.
Die Vielfalt der Wiener Friedhöfe
Der Meidlinger Friedhof ist jedoch nicht alleine in seiner ökologischen Bedeutung. Über 500 Insektenarten, 80 Vogelarten und zahlreiche andere Tiere leben in den verschiedenen Friedhöfen Wiens. Friedhöfe bieten Rückzugsorte für viele Arten, darunter auch niedere Wirbeltiere, Insekten und Weichtiere. In der Erfassung oft übersehener Lebewesen, wie Pilzen, liegt ein weiterer Schatz der biologischen Vielfalt. Die Wiener Friedhöfe fungieren als Brücken zwischen städtischen Mikrohabitaten und sind ein wichtiger Teil des urbanen Ökosystems.
Die offizielle Führung „Die Stadt der Toten auf Hamsterpfoten“ bietet Interessierten die Möglichkeit, die verschiedenen Sehenswürdigkeiten des Friedhofs und die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt zu entdecken. Dabei werden nicht nur die Hamster, sondern auch andere faszinierende Lebensformen betrachtet. Das Projekt zielt darauf ab, einen Überblick über die biologische Vielfalt der Wiener Friedhöfe zu erhalten und zu verstehen, wie diese als Rückzugsräume für viele Tierarten fungieren.
Wien-Meidling zeigt uns, dass selbst in einem urbanen Umfeld, wo alles hektisch und laut ist, Orte der Stille und der Natur existieren. Diese Rückzugsorte sind nicht nur für die Lebenden von Bedeutung, sondern auch für die, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben. Ein Besuch im Meidlinger Friedhof könnte vielleicht nicht nur zur Trauerbewältigung beitragen, sondern auch zur Wertschätzung der Vielfalt, die uns umgibt.
