Inmitten des lebhaften Treibens der Mariahilfer Straße 4 in Wien-Neubau befindet sich eine wahre Schatztruhe des Handwerks – die Hutmacherwerkstatt von Shmuel Shapira. Diese Werkstatt ist eine der letzten ihrer Art in Wien und blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1858 reicht, als der Gründer Michael Szászy das Unternehmen ins Leben rief. Fast 170 Jahre später ist die Tradition des Hutmacherhandwerks immer noch lebendig, obwohl die Zukunft ungewiss ist.

Shmuel Shapira, der aktuelle Inhaber, ist ein 66-jähriger Mann, der seit 1991 in der Werkstatt tätig ist. Fünf Jahre lang hat er das Handwerk erlernt – eine Zeit, in der er nicht nur Techniken, sondern auch die Seele des Hutmachens aufsog. Der Produktionsprozess ist ein wahrhaft handwerkliches Meisterwerk: Alte Maschinen werden genutzt, keine technischen Hilfsmittel stören die Magie des Schaffens. Kunden können sich auf eine umfassende Beratung freuen, die mindestens eine Stunde dauert, um ihren individuellen Hut zu gestalten. Rohmaterialien wie Filz werden von einer Fabrik geliefert, und der Herstellungsprozess ist ebenso traditionell wie faszinierend. Der Rohling wird unter Dampf geformt, gehärtet mit Schellack und anschließend mit Gusseisenformen und Holzmodellen bearbeitet.

Hüte mit Geschichte und Zukunftsfragen

Die Preise für die Hüte sind entsprechend der Qualität und der Handarbeit hoch: Konfektionierte Modelle kosten mehrere Hundert Euro, während Maßanfertigungen bei etwa 3.000 Euro beginnen. Es ist kein Wunder, dass Shapira viele Stammkunden hat – darunter zunehmend auch junge Männer, die das Besondere schätzen. Dennoch spürt er die Schwierigkeiten des Handwerks. Die Übertragung des Wissens an die nächste Generation ist eine große Herausforderung. Anfragen aus dem Ausland gibt es zwar, aber die Kunst des Hutmachens erfordert jahrelange Erfahrung und Hingabe.

Die Faszination für den Beruf des Hutmachers sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Shapira empfiehlt jungen Menschen, diesen Beruf zu ergreifen, wenn das Interesse an Handarbeit besteht. Es ist ein Handwerk von großer Bedeutung, das nicht nur die Handwerkskunst selbst, sondern auch die Kultur und die Geschichte des Hutes umfasst. Denkt man an die Wurzeln des Hutmacherhandwerks zurück, so reicht dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert, als Hutmacher in Paris tätig waren. In Deutschland wurde die erste Handwerksordnung für Hutmacher bereits im Jahr 1400 in Wien erlassen.

Eine lange Tradition

Die Hutmacher sind aus der Tuchmacherei und Wollschlägerei hervorgegangen und haben sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu erfunden. So waren sie bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts in Straßburg sogar für das Wollschlagen zuständig. In Hamburg bildeten Hutmacher bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts ein Amt mit Tuchmachern. Der kegelförmige Filzhut erfreute sich großer Beliebtheit und wurde vom Adel bereits im 11. Jahrhundert getragen. Die Entwicklung des Hutmacherhandwerks ist eine spannende Reise durch die Zeit, die von Mode und Gesellschaft geprägt ist.

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Die Materialien, die für die Hüte verwendet werden, sind vielfältig und reichen von Wolle über Haare von Bibern, Waschbären und Kaninchen bis hin zu speziellen Beizverfahren, die auch zur sogenannten Hutmacherkrankheit führten. Diese Krankheit äußerte sich in Zittern und geistigen Störungen, was die Herausforderungen des Hutmacherhandwerks unterstreicht. Auch wenn die Fertigung wollener Filzhüte zeitaufwändiger ist als bei Haarhüten, bleibt die Faszination für die Kunst des Hutmachens ungebrochen.

Besuche die Hutmacherwerkstatt von Shmuel Shapira und erlebe ein Stück Tradition, das in einer Welt der Schnelllebigkeit oft verloren geht. Es ist eine Gelegenheit, nicht nur ein einzigartiges Stück Handwerkskunst zu erwerben, sondern auch die Geschichte und das Handwerk hinter jedem Hut zu entdecken. Weitere Informationen zur Geschichte des Hutmacherhandwerks findest du im Heimatlexikon – Unser Österreich.

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