Wien-Simmering, 18. Mai 2026 – In einem ruhigen Wohngebiet der österreichischen Hauptstadt lebt Zvezdelina, eine junge Mutter, die trotz ihrer schwierigen Umstände nicht aufgibt. Hochschwanger zieht sie ins Mutter-Kind-Haus Collegialität der St. Elisabeth Stiftung. Nur zwei Tage nach ihrem Einzug wird ihr Sohn Kristian geboren. Er trägt den Namen, den sie sich auf ihrem rechten Arm tätowieren ließ, eine ständige Erinnerung an die Hoffnung, die er für sie bedeutet. Auf ihrem linken Arm prangt ein Tattoo eines Liebespaares mit Pistolen – eine Metapher für die Kämpfe, die sie in ihrem Leben durchgestanden hat.
Zvezdelina ist erst 24 Jahre alt, hat jedoch bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Mit nur 19 Jahren flüchtete sie aus Bulgarien, auf der Suche nach einer besseren Zukunft für sich und ihre beste Freundin. In Österreich angekommen, versucht sie, sich durch schlecht bezahlte Jobs über Wasser zu halten – sei es im türkischen Café oder in verschiedenen Reinigungsunternehmen. Doch als sie schwanger wird, muss sie ihren Job aufgeben. Schädliche Putzmittel sind eine Gefahr für ihr ungeborenes Kind. Damit wird die finanzielle Lage prekär. Ohne Einkommen kann sie die Miete nicht mehr bezahlen und muss schließlich aus ihrer Wohnung ausziehen.
Herausforderung Wohnungsnot
In Österreich gibt es fast 7000 wohnungslose Frauen. Zvezdelina ist eine von ihnen. Ihre Bekannte bietet ihr vorübergehend Unterschlupf, während sie selbst nicht gerne um Hilfe bittet. „Ich schaffe alles allein“, sagt sie oft, doch die Realität sieht anders aus. Schließlich findet sie einen Platz im Mutter-Kind-Haus, das für Frauen mit befristetem Aufenthaltsstatus ein vorübergehendes Zuhause bietet. Hier kann sie sich um Kristian kümmern und gleichzeitig einen Schritt in eine stabilere Zukunft wagen.
Die Situation für wohnungslose Frauen und ihre Kinder ist nicht nur in Österreich besorgniserregend. Auch in Deutschland leben rund 51 % der Wohnungslosen in Unterkünften, darunter viele Alleinerziehende. Die Bedingungen dort sind oft belastend. Kinder müssen sich mit betrunkenen Bewohnern und Platzmangel auseinandersetzen, während Spielmöglichkeiten fehlen. Die Diakonie Frankfurt und Offenbach hat jedoch die Maßnahme „Housing First“ ins Leben gerufen, um Müttern wie Aysan Rajabi, die zuvor in einer Notunterkunft lebte, neue Perspektiven zu bieten. Sie beschreibt den Umzug in eine der 28 Wohnungen als „neues Leben“, in dem ihr Sohn nun in der Nähe seiner Grundschule wohnen kann.
Unterstützung für die Zukunft
Das Leben in Notunterkünften ist für viele Frauen und Kinder eine große Herausforderung. Aysan Rajabi, die vier Jahre in einer solchen Unterkunft lebte, fühlte sich dort unsicher und konnte ihren Sohn nicht bei sich haben. Im Rahmen von „Housing First“ erlebt sie nun ein Gefühl der Sicherheit und plant, die Zeit mit ihrem Kind zu genießen. Auch die Unterstützung durch Fachkräfte, wie Mehri Farzan von der Diakonie, ist eine große Hilfe – sie zeigt, dass es Alternativen gibt und dass niemand allein ist.
Die Zahlen sind alarmierend: Stand November 2025 waren in Deutschland 1.029.000 Menschen wohnungslos, davon lebten rund 56.000 ohne festen Schlafplatz auf der Straße. Projekte wie der „Obdachlosenwegweiser“ bieten kostenlose Hilfe an, um Menschen in Not zu unterstützen. Sie umfassen Notunterkünfte, Beratungsstellen, medizinische Hilfe und die Verteilung von Kleiderspenden. Die Werte dieses Projekts basieren auf Würde, Respekt und Solidarität, mit dem Ziel, den Betroffenen langfristig zu helfen.
In Wien-Simmering kämpft Zvezdelina weiterhin für eine bessere Zukunft für sich und ihren Sohn. Ihre Geschichte ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie wichtig es ist, dass Frauen und Kinder in prekären Situationen Unterstützung erhalten. Es gibt Wege, die aus der Not herausführen können, wenn man bereit ist, Hilfe anzunehmen. Und manchmal ist es das kleine Stückchen Hoffnung – wie der Name Kristian auf ihrem Arm – das einem den Mut gibt, weiterzumachen.