Villa Rezek: Eine Geschichte der Rekonstruktion und Erinnerung in Währing
In Währing, einem charmanten Stadtteil von Wien, steht die rekonstruiert Villa Rezek, die wieder in einem zarten Beige erstrahlt. Ursprünglich war das Gebäude, ein hervorragendes Beispiel des Neuen Bauens, für den Abriss vorgesehen. Die letzten Bewohner hatten alle Einbauten entfernt, sodass am Ende nur noch der Rohbau übrig blieb. Doch das Schicksal der Villa nahm eine Wendung: Eine Stiftung erwarb die Ruine, die daraufhin unter Denkmalschutz gestellt wurde. Die Rekonstruktion dauerte mehrere Jahre und wurde von Denkmalschützern durchweg positiv bewertet.
Die Geschichte der Villa ist eng verbunden mit der Familie Rezek, einem jüdischen Ärztepaar, das 1934 in das Haus einzog und 1938 aufgrund der zunehmenden Repressionen emigrieren musste. Während Anna und Philipp Rezek in die USA gingen, zog es den Architekten Hans Glas nach Kalkutta. Diese Emigration war Teil einer umfassenden Abwanderungswelle jüdischer Intellektueller aus Österreich, die das Land in dieser Zeit verließen. Kunsthistorikerin Caroline Wohlgemuth beschreibt das Phänomen des Vergessens, das die Geschichte der Villa und ihrer Bewohner umgibt, und betont die wichtige Rolle, die solche historischen Gebäude in der Erinnerungskultur spielen.
Die Rekonstruktion der Villa Rezek
Die Rekonstruktion selbst war ein aufwändiger Prozess. Sechs Jahre lang arbeitete Max Eisenköck, der Restaurator, an dem Projekt. Er bezeichnet sich als „detailverliebter Fährtenleser und Zeitreisender“. Historische Dokumente und Fotos wurden akribisch ausgewertet, um die Villa so originalgetreu wie möglich wiederherzustellen. Kontakt wurde sogar zu den Enkeln der Familie Rezek in den USA aufgenommen, um mehr über die ursprüngliche Einrichtung zu erfahren.
Originalteile wurden in Archiven, Online-Marktplätzen und Antiquitätenläden gesucht. Unterstützung kam von verschiedenen Handwerksbetrieben und Restaurator:innen. Eine Kärntner Weberei stellte neue Vorhänge nach alten Mustern her, während eine Wiener Hinterhoftischlerei die „Nikolaus Patentschiebefenster“ rekonstruierte. Dazu wurden Türgriffe, Rosetten und Fensteroliven aus Neusilber gefertigt. Maßgefertigte grüne Möbel und rot lackierte Bugholzstühle von Thonet schmücken nun das Zimmer der jüngeren Tochter. Ein Rest des originalen Linoleums erleichterte die Farbbestimmung des neuen Belages.
Ein Ort der Erinnerung
Die Inneneinrichtung der Villa ist gediegen und farbenfroh, mit rekonstruierten Möbeln in sonnigem Gelb und Mintgrün. Besonders die Ankleide im ersten Stock zieht die Blicke auf sich – sie hat ein fröhliches, zitronengelbes Design. Die Pendelleuchte, gefertigt von der Wiener Manufaktur Kalmar, erinnert an die Zeit der Erbauung des Hauses. Ein emotionaler Aspekt der Restaurierung ist die Erinnerung an die jüdischen Beiträge zur Moderne der Zwischenkriegszeit, die Wohlgemuth in ihrer Forschung beleuchtet. Im November wird ein Buch von ihr und Eisenköck erscheinen, das die Transformation des Hauses dokumentiert und historische sowie aktuelle Fotos beinhaltet.
Die Villa Rezek soll künftig als Museumsvilla fungieren und wird zweimal im Monat Führungen anbieten. Dies wird nicht nur den Bewohnern der Umgebung, sondern auch den zahlreichen Besuchern der Stadt die Möglichkeit geben, in die Geschichte, die hinter den Wänden steckt, einzutauchen. Die Villa verbindet die Geschichte des Hauses mit dem Schicksal der Familie Rezek und der Vertreibung vieler Nachbarn. Ein ähnliches Gebäude, das Haus Lewin in Zehlendorf, könnte ebenfalls rekonstruiert werden, steht jedoch derzeit zum Verkauf.
Die Restaurierung der Villa Rezek stellt ein hervorragendes Beispiel für die wichtige Arbeit im Bereich Denkmalschutz dar. Das Bundesdenkmalamt hat die Restaurierung als Kernaufgabe in der Denkmalpflege anerkannt. Die Abteilung für Konservierung und Restaurierung erarbeitet Restaurierungsziele und -methoden, die auf materialkundlichen und technologischen Untersuchungen basieren. Bei der Restaurierung der Villa wurde auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit gesetzt, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
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