In Währing, einem Stadtteil von Wien, wurde kürzlich ein bedeutender Schritt zur Wiederbelebung des ältesten Teils des Jüdischen Friedhofs gefeiert. Ein Festakt anlässlich der Sanierung markierte die Vollendung von „Etappe 1“, in der sage und schreibe 2.287 Grabsteine auf einer Fläche von etwa 6.500 Quadratmetern instandgesetzt wurden. Diese Maßnahme ist Teil eines größeren Projekts, das der 2017 gegründete Verein „Rettet den Jüdischen Friedhof Währing“ initiiert hat. Die Zielsetzung? Den Friedhof wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und die Erinnerung an die hier ruhenden Verstorbenen lebendig zu halten.

Vereinsobmann Günther Havranek berichtete stolz über die Fertigstellung des Sektors links der Hauptallee, wo viele Gräber freigelegt wurden, darunter die der bekannten Familien Arnstein, Ephrussi und Epstein. Erhielten diese Namen durch die Sanierung neuen Glanz, so ist der Friedhof selbst ein Ort, an dem die Geschichte Österreichs, insbesondere der jüdischen Gemeinschaft, greifbar wird. Allerdings ist die Situation auf dem Friedhof alles andere als einfach: Auf den rund 6.500 Quadratmetern liegen insgesamt viermal so viele Verstorbene wie Grabsteine. Ein Teil des Areals wurde nach dem Zweiten Weltkrieg für den Bau eines Hochhauses genutzt, was den Erhalt der Erinnerungen zusätzlich erschwerte.

Gemeinschaftliche Anstrengungen und politische Herausforderungen

Die Sanierung erforderte nicht nur die Hingabe von Ehrenamtlichen, sondern auch Unterstützung durch das Bundesheer und zahlreiche Freiwillige. Sylvia Schönolt vom Bundesdenkmalamt lobte die Sorgfalt und den Einsatz, die in die Arbeiten geflossen sind. Auch Bischofsvikar Dariusz Schutzki unterstrich während des Festakts die Bedeutung der Erinnerung an die Vergangenheit. Ein wichtiges Zeichen, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten sollte. Immerhin wird der Friedhof an jedem zweiten Sonntag im Monat (außer an jüdischen Feiertagen) von 10 bis 16 Uhr für interessierte Besucher geöffnet.

Im Rahmen der Sanierungsarbeiten wird im Tahara-Raum des Friedhofs in der Schrottenbachgasse 3 eine neue Ausstellung eröffnet, die historische Gegenstände zeigt und sogar ein Drohnen-Video des Friedhofsareals beinhaltet. Führungen werden in deutscher und englischer Sprache angeboten, wobei ein Kostenbeitrag von 8 Euro für die Teilnahme fällig ist.

Ein neuer Wegweiser für jüdische Friedhöfe in Österreich

Die Anstrengungen, jüdische Friedhöfe in Österreich zu erhalten und zugänglich zu machen, gehen jedoch über den Währinger Friedhof hinaus. Eine aktuelle Publikation, die 2024 erscheint, bietet einen umfassenden „Wegweiser für den Besuch der jüdischen Friedhöfe in Österreich“. Erarbeitet in Zusammenarbeit mit den Israelitischen Kultusgemeinden und zivilgesellschaftlichen Initiativen, umfasst dieser Wegweiser erstmals alle bekannten jüdischen Friedhöfe sowie deren israelitische Abteilungen. QR-Codes ermöglichen den Zugriff auf Daten zu über 60 Friedhöfen und Sanierungsprojekten, was die Erkundung der Geschichte erheblich erleichtert.

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Darüber hinaus stellt das Geo-Informationsportal FOGIS interaktive Karten zur Verfügung, die eine Erkundung der Friedhöfe via GPS ermöglichen. Mit historischen Eckdaten, Informationen zum Besuch und Kontaktdaten für Führungen wird dieser Wegweiser zu einem unverzichtbaren Begleiter für Interessierte. Und das Beste: Die Publikation kann kostenlos beim Nationalfonds bestellt werden, wobei lediglich die Portokosten zu übernehmen sind. So wird nicht nur die Erinnerung an die Verstorbenen gewahrt, sondern auch das Wissen über die jüdische Geschichte in Österreich lebendig gehalten.