Der Eurovision Song Contest (ESC) ist mehr als nur ein Wettbewerb – er ist ein kulturelles Phänomen, das seit seiner Gründung im Jahr 1955 Nachkriegseuropa durch glitzernde Unterhaltung zu vereinen versucht. Österreich hat in dieser bunten Geschichte dreimal gewonnen: 1966 mit Udo Jürgens, 2014 mit Conchita Wurst und 2025 mit JJ. Das große Finale wird 2025 in der Wiener Stadthalle stattfinden, und die Vorfreude ist bereits spürbar. Neben dem Wettbewerb selbst wird es zahlreiche Side-Events geben – Eurovision Village, Public Viewings und Club Nights, die die Stadt in ein Fest verwandeln werden.
Ein ganz besonderes Highlight wird die ESC-Sonderausstellung „United by Queerness“ im Qwien sein, dem Zentrum für queere Kultur und Geschichte in Wien. Kuratiert von Marco Schreuder und Alkis Vlassakakis, die auch den Podcast „Merci Cherie“ betreiben, wird die Ausstellung den ESC aus drei Perspektiven beleuchten: Wohnzimmer, Arena und Bühne. Dabei wird die enge Verbindung der queeren Community zur Entwicklung des Wettbewerbs eindrucksvoll dargestellt. Originalfotos prominenter ESC-Teilnehmer wie Lys Assia, Udo Jürgens und Conchita Wurst werden die Wände schmücken, während Anekdoten und geschichtliche Rückblicke die Besucher mit auf eine Zeitreise nehmen.
Queerness und der ESC
Die queere Community hat den ESC maßgeblich geprägt. Schon 1961 gewann Jean Claude Pascal mit „Nous les amoureux“, einem Lied über gesellschaftlich abgelehnte Liebe. Ein Wendepunkt war sicherlich 1998, als Dana International, eine Transfrau, für Israel den Sieg holte und zur Galionsfigur der queeren Bewegung wurde. Die Camp-Ästhetik, die beim ESC eine große Rolle spielt, hat nicht nur die Zuschauer gefesselt, sondern auch queeren Fans einen Raum geboten, um ihre Identitäten zu feiern und sichtbar zu machen. Camp wird oft als eine Form der queeren Kommunikation angesehen, die sich nicht so leicht in andere Kulturen übersetzen lässt.
Die ESC-Fans sind besonders aktiv in sozialen Medien. Plattformen wie TikTok bieten ihnen die Möglichkeit, in kreativen Video-Editings ihre Favoriten zu zelebrieren und die Geschichte des queeren ESC weiterzuerzählen. Christine Lötscher, Professorin für Populäre Literaturen und Medien an der Universität Zürich, hat sich intensiv mit diesen Fankulturen beschäftigt. Sie plant sogar, den ESC bei einem Public Viewing in Basel zu verfolgen.
Politik im ESC
Der ESC ist nicht nur eine Plattform für Musik und Performance; er hat auch eine politische Dimension. Politische Botschaften sind zwar im Regelwerk untersagt, doch viele Songs verschlüsseln diese in ihren Texten. Die Ausschlüsse von Ländern, wie Russland 2022 nach dem Ukraine-Krieg, zeigen, wie eng der Wettbewerb mit geopolitischen Themen verwoben ist. Fünf Staaten – Spanien, Irland, die Niederlande, Slowenien und Island – haben bereits ihren Boykott für 2025 angekündigt. In der Ausstellung wird auch eine interaktive Pin-Wand zu finden sein, die die Frage der Disqualifikation von Ländern thematisiert.
Der ESC bleibt ein jährliches Ereignis, das kulturelle Diskussionen fördert und ein breites Publikum anspricht. Die Sichtbarkeit der queeren Community ist dabei von großer Bedeutung. Der Wettbewerb bietet einen Raum, in dem Diversität gefeiert werden kann und der nicht so leicht von queerfeindlicher Politik beeinflusst wird. Obwohl die Herausforderungen groß sind, bleibt die Faszination für den ESC ungebrochen – eine Mischung aus musikalischer Unterhaltung, Kitsch und Camp, die das Publikum begeistert.