Wiener Hotellerie stemmt sich gegen Ortstaxen-Sprung auf 8 Prozent
Wiens Hotellerie kommt bei der Ortstaxe zunehmend unter Druck. Alexander Ipp von der Österreichischen Hotelvereinigung und Felix Neutatz von der Wirtschaftskammer Wien berichten von sinkenden Zimmerpreisen – obwohl diese ihrer Ansicht nach eigentlich steigen müssten. Am Markt seien höhere Preise derzeit nicht durchsetzbar.
Seit dem Landtagsbeschluss zur Erhöhung der Ortstaxe vor einem Jahr habe sich die Marktlage zum Nachteil der Wiener Hotellerie verändert. Die Nachfrage zieht zwar bis zum Jahresende an, im Jänner und Februar soll sie aber wieder deutlich zurückgehen. Viel Spielraum bleibt da nicht.
Wien verliert den Anschluss
Die STR-Benchmarks der vergangenen drei Monate zeigen eine klare Lücke zu den übrigen österreichischen Städten. Der Erlös pro verfügbarem Zimmer, der sogenannte RevPAR, sank in Wien im September um 2,7 Prozent, im August um 2,8 Prozent und im Juli um 3,3 Prozent. In den österreichischen Städten insgesamt stieg er dagegen im September um 4,0 Prozent, im August um 3,9 Prozent und im Juli um 3,8 Prozent. Wien lag damit in allen drei Monaten rund sieben Prozentpunkte hinter der Entwicklung der übrigen Städte.
Auch beim Preis pro Zimmer zeigt sich der Abstand: Im Juli lag der durchschnittliche Zimmerpreis in Wien um 16 Euro, im August sogar um 25 Euro unter dem Durchschnitt der österreichischen Städte. Dabei hat Wien laut Artikel besonders viele Luxushotels. Gleichzeitig müssen die Betriebe neben dem regulären Aufwand den höchsten Wohnbaubeitrag, eine U-Bahn-Steuer und erhöhte Ortstaxen finanzieren.
Die geplante nächste Erhöhung sorgt deshalb für Ärger. Anfang Juli 2026 wurde die Ortstaxe bereits von 3,2 auf 5 Prozent angehoben. Zusätzlich fiel ein Pauschalabzug von der Berechnungsbasis weg, wodurch die tatsächliche Mehrbelastung laut Wirtschaftskammer noch höher ausfiel. Im Juli 2027 soll die Abgabe auf 8 Prozent steigen – genau das lehnt die Wiener Hotellerie ab.
Schwächer als im Vorjahr
Wie angespannt die Lage ist, zeigen die Daten des STR-Hotelbenchmarks für 183 Wiener Hotels mit 32.087 Zimmern. Im August 2026 lag die durchschnittliche Auslastung bei 74,1 Prozent, nach 75,3 Prozent im August 2025. Der durchschnittliche Zimmerpreis, kurz ADR, sank von 115,6 auf 114,1 Euro. Beim RevPAR ging es von 87,0 auf 84,6 Euro hinunter – ein Minus von 2,8 Prozent.
Von Jänner bis August 2026 lag der RevPAR um 2,1 Prozent unter dem Vorjahreswert, der durchschnittliche Zimmerpreis um 1,9 Prozent. Allein im August betrug der Rückgang beim Zimmerpreis gegenüber dem Vorjahr 1,3 Prozent. Hohe Nächtigungszahlen führen also nicht automatisch zu höheren Einnahmen, argumentieren die Vertreter der Wirtschaftskammer Wien und der Österreichischen Hotelvereinigung. Die Kosten steigen, der wirtschaftliche Spielraum der Betriebe schrumpft.
„Die Ortstaxe zahlt doch der Gast“ – dieses Argument greife zu kurz, sagen die Branchenvertreter. Wird der Preis tatsächlich erhöht, könnte Wien für Reisende teurer werden. Ist eine Erhöhung am Markt nicht durchsetzbar, sinkt stattdessen die Marge der Hotels. Beides tut weh, nur auf unterschiedliche Weise.
Forderung nach einem Aussetzen
Nach Einschätzung der ÖHV können die Preise bis zur geplanten Anhebung auf 8 Prozent im Juli nicht ausreichend steigen, um die zusätzliche Belastung auszugleichen. Ipp und Neutatz fordern daher, alle Szenarien zu prüfen und Lösungen zu erarbeiten. Sie sprechen sich für Gespräche mit Vizebürgermeisterin Barbara Novak und einen Austausch zwischen allen Beteiligten aus.
Die zentrale Forderung lautet, die Erhöhung von 5 auf 8 Prozent im Juli 2027 auszusetzen. Zusätzlich soll die Ortstaxe stärker für touristische Zwecke zweckgewidmet werden. Ein Teil der Einnahmen könnte etwa die Klima-Anpassung von Hotels und Gastronomiebetrieben unterstützen. Gewünscht ist außerdem die Möglichkeit, die Ortstaxe auf Rechnungen separat auszuweisen.
Alexander Ipp, Vizepräsident der Österreichischen Hotelvereinigung und Wiener Landesvorsitzender, verweist auf sinkende Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Kosten. Felix Neutatz, Obmann der Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Wien, betont wiederum die zusätzliche Belastung durch den weggefallenen Pauschalabzug. Beide Verbände erklären, den Tourismusstandort Wien langfristig sichern, die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten, in die Betriebe investieren und Arbeitsplätze in der Hotellerie bewahren zu wollen.
Bis dahin bleibt die Branche zwischen voller Lobby, leeren Kalenderlücken und einer Rechnung, die irgendwo bezahlt werden muss. Entweder von den Gästen – oder von den Hotels selbst.
