Wien im Wohnraummangel: Bauprojekte stagnieren trotz steigender Nachfrage
Heute ist der 22.09.2026 und in Wien brodelt es gewaltig auf dem Wohnungsmarkt. Die Situation ist angespannt, und es ist kein Ende in Sicht. Der Druck auf den Wohnbausektor ist enorm, da die Nachfrage an leistbarem Wohnraum das Angebot weit übersteigt. Laut dem Neubaubericht für 2026 sind in Wien 12.600 neue Wohneinheiten geplant, aber die Prognosen deuten darauf hin, dass tatsächlich nur rund 9.600 fertiggestellt werden – möglicherweise sogar nur 8.000. Das bedeutet, dass jede vierte geplante Wohnung nicht gebaut wird und die Stadt weiterhin mit einem akuten Mangel an Wohnraum kämpfen muss.
Michael Pisecky, der Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Wien, bringt es auf den Punkt: Es fehlt an realem Wohnraum. Er spricht von einem „Negativtrend“, der sich in den kommenden Jahren fortsetzen wird. Die Bau- und Immobilienwirtschaft leidet nicht nur unter globalen Krisen, sondern auch unter hausgemachten Problemen wie der Zinswende und steigenden Baukosten. Regulatorische Hürden und fehlende Planungssicherheit tragen ebenfalls zur Misere bei.
Aktuelle Herausforderungen im Wohnbau
Die Statistiken sind alarmierend: Der Bau schrumpfte von 2022 bis 2025 vier Jahre in Folge, und im Jahr 2024 wird ein Minus von 5,9 Prozent erwartet. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) hat die Wachstumserwartung für 2023 von plus 0,1 auf minus 0,2 Prozent revidiert. Und das, obwohl die öffentliche Hand zahlreiche Projekte im Rahmen der Budgetsanierung gestoppt oder verschoben hat. In den letzten Jahren sind die Baubewilligungen dramatisch zurückgegangen – von 21.400 im Jahr 2019 auf nur 5.772 im Vorjahr. Für 2023 werden lediglich 8.630 Fertigstellungen erwartet, was nur 60% des Niveaus von 2023 entspricht.
Die Bauträger berichten von einem massiven Rückgang. Viele Projekte sind aufgrund der Krisen der letzten Jahre nicht fertiggestellt worden. Auch die Zahl der Bauträger ist stark gesunken, und stabile Unternehmen geraten unter Druck. Die Neubauleistung konzentriert sich zunehmend auf die äußeren Bezirke, während das innerstädtische Angebot immer knapper wird. Georg Bursik, Vorstandsvorsitzender des Forschungsverbands der österreichischen Baustoffindustrie, sieht in der Immobilien- und Bauwirtschaft große Potenziale – allerdings nur, wenn die richtigen regulatorischen Impulse gesetzt werden.
Der Bedarf an Wohnraum bleibt hoch
Die Herausforderung ist klar: Um die Nachfrage zu stabilisieren, wären in den nächsten drei Jahren etwa 40.000 zusätzliche Wohnungen nötig. Bis 2040 wird ein Bevölkerungswachstum von 9% auf etwa 2,2 Millionen Menschen in Wien prognostiziert, was einen zusätzlichen Bedarf von 95.000 bis 100.000 Wohnungen bedeutet. Pisecky fordert daher eine gemeinsame Taskforce zur Wiederbelebung der Projekte und hebt die Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen hervor. Es ist wichtig, dass die Entwicklung im Bestand vorangetrieben wird, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Nur durch geeignete Maßnahmen wie die Gleichstellung von Generalsanierungen mit Neubauten und die Überarbeitung des Abbruchverbots kann der Wohnungsbau wieder in Schwung kommen.
Die aktuelle Lage zeigt, dass die Branche dringend Unterstützung benötigt. Andreas Fetter, Vizepräsident des Verbands der Baubranche (VBÖ), betont die Rolle von kleinen und mittelständischen Betrieben, die ein Viertel der Beschäftigten in der Bauwirtschaft stellen. Eine Rückkehr zum Niveau der Baufertigstellungen von 2021/22 erfordert zusätzliche Investitionen von 7,8 Milliarden Euro jährlich und könnte eine Bruttowertschöpfung von 4,6 Milliarden Euro in Österreich generieren. Doch die Frage bleibt: Woher soll dieses Geld kommen? Fehlt es an der nötigen Planungssicherheit, werden private Investoren weiterhin zögern.
Die Lage der Projektentwickler ist angespannt. Hohe Grundstückspreise und das Fehlen großer Investoren erschweren neue Projekte. Die Mietpreise sollen bis 2026 um 7 bis 8 Prozent steigen, während Eigentumswohnungen um etwa 3 Prozent teurer werden. Es wird also spannend bleiben, wie sich die Situation in Wien weiterentwickelt. Die Stadt braucht dringend Lösungen, um den Wohnungsmarkt zu entlasten und den Wienerinnen und Wienern ein Zuhause zu bieten.
