Inmitten der grünen Weiden von Löhne, Ostwestfalen, sorgt Michael Stücke für Aufsehen mit seiner einzigartigen Schafherde. Aber nicht irgendeine! Die erste schwule Schafherde Deutschlands, vielleicht sogar der Welt, grast auf seinem Hof. Der Schäfer, der lieber nicht verrät, wie viele Tiere er besitzt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, homosexuelle Widder zu retten – Tiere, die Züchter oft uninteressant finden, da sie sich nur für ihre Artgenossen interessieren und damit häufig beim Schlachter landen.

Diese Widder tragen nun stolz zu einer außergewöhnlichen Modekollektion bei: Kleidung aus ihrer Wolle, deren Erlöse komplett in Projekte zur Stärkung queerer Rechte fließen. Unterstützt wird Stücke von der Organisation Verband Queere Vielfalt und einer Werbeagentur aus Köln, die ehrenamtlich Kampagnen für die „Rainbow-Wool“-Kollektion ins Leben ruft. Denn, wie etwa Studien zeigen, sind ca. 9 Prozent aller Schafböcke homosexuell, und Sexualität dient bei Ihnen eben auch als Stressabbau.

Schillernde Unterstützung aus der Promiwelt

Der Hype um das Projekt stieg ins Unermessliche, als Tokio Hotel-Star Bill Kaulitz gleich zwei der charmanten Böcke adoptiert hat. Stückes Email-Postfach explodierte förmlich mit Medienanfragen, und sein Hof verwandelte sich für einige Zeit in ein regelrechtes Filmset – ein Spannungszustand zwischen Landidyll und Promi-Rummel, den der sympathische Landwirt nur zu gern erlebt. „Unser Projekt zeigt, dass auch das Landleben bunt und aufgeschlossen ist“, erklärt er mit einem Schmunzeln.

Wolle für den Wandel

Das Abenteuer begann, als eine Freundin fragte, ob es schwule Schafe gebe, woraufhin Stücke nachforschend und schließlich selbst aktiv wurde. Auf seinem Hof werden die Wollfäden schließlich zu bunten Schirmmützen und Regenbogen-Schnürsenkeln. Noch reichen die Erträge von 21 Widdern nicht für größere Kollektionen, aber die Herde wächst beständig – mit Platz für über 100 weitere Böcke! Stücke hofft, dass dieses Projekt nicht nur seine Schafzucht, sondern auch die gebeutelte Branche innovativ voranbringt. Schließlich, trotz einer Zukunft ungewisser Nachwuchsaussichten, verspricht er seinen Schützlingen ein Leben in Frieden bis ans Lebensende.