Am 12. Mai 2026 brodelt es im deutschen Fußball. Eine hitzige Diskussion über ein einheitliches Ligen-System nimmt Fahrt auf. Was seit 2012 als Regelung gilt, ist nicht mehr tragbar. Viele Traditionsklubs leiden unter den aktuellen Aufstiegsbedingungen, die nur den Staffelsiegern aus Südwest und West den direkten Aufstieg in die 3. Liga ermöglichen. Die Erstplatzierten der anderen Regionen müssen sich in einer nervenaufreibenden Relegation beweisen. Das sorgt für Unmut, und das zu Recht!
In den nächsten Wochen stehen entscheidende Abstimmungen der Vereine an. Ulf Kirsten, die Bundesliga-Legende und Rekordtorschütze von Bayer Leverkusen, fordert einen klaren Schnitt. Er hat die Nase voll von dem, was viele als „Schwachsinn“ bezeichnen. Beispiele wie Lok Leipzig und die Würzburger Kickers zeigen, wie problematisch die Aufstiegsentscheidungen in der Vergangenheit waren. Kirsten hat das Kompassmodell ins Spiel gebracht, das mithilfe von KI die 80 Viertligisten nach der kürzesten Fahrtstrecke in vier Ligen einteilen soll. Das Ziel: mehr Derbys, eine traditionelle Verwurzelung und vor allem, keine starren Bundesländergrenzen mehr.
Das Kompassmodell und seine Kritiker
Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Einige befürchten, dass die KI eigenmächtig Entscheidungen treffen könnte. Die Verantwortung – so argumentieren sie – sollte besser bei einer Träger-GmbH oder dem DFB liegen. Kirsten selbst hat klar gemacht, dass Fairplay und Gerechtigkeit im Ligensystem essenziell sind. Als Alternative wird ein Regionenmodell vorgeschlagen, das Südwest und West bevorzugt. Doch auch dieses Konzept lehnt Kirsten ab. Er plädiert für eine gleichmäßige Verteilung der Startplätze und eine echte Reform.
Wie geht es nun weiter? Am 14. Mai 2026 tagen die Verbandspräsidenten in Köln. Auf der Agenda steht die Diskussion über die Reformvorschläge des DFB, die für die Regionalligen von großer Bedeutung sind. Die Situation ist seit 14 Jahren angespannt. Ein erster Reformversuch im Jahr 2017 scheiterte, und die Unzufriedenheit wächst. Eine Reforminitiative, unterstützt von 70 Vereinen, hat das Unverständnis über die bestehende Regelung nur verstärkt. Der DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat sich aus der Diskussion zurückgezogen und die Verantwortung an eine 13-köpfige Arbeitsgruppe delegiert, die aus Vertretern aller Regionalligen, des DFB und der Bundesliga besteht.
Die Zeit drängt
Die Arbeitsgruppe, unter der Leitung von Michael Vesper, hat die Aufgabe, einen Vorschlag zu erarbeiten, der es ermöglichen soll, dass alle Meister aufsteigen können. Doch der Weg dahin ist steinig. Ein kompliziertes Modell steht im Raum, bei dem die Meister der Staffeln West und Südwest fix aufsteigen, während es in den anderen Staffeln variabel bleibt. Das Kompassmodell wird dabei priorisiert behandelt. Ziel ist es, die fünf Staffeln in vier Staffeln mit je 20 Mannschaften umzuwandeln, unabhängig von Bundesländern oder Regionalverbänden. Doch die Kontrolle der Regionalverbände könnte gefährdet sein, und Widerstand regt sich.
Der DFB hat bereits klargestellt, dass es derzeit kein präferiertes Modell gibt und man auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppe warten möchte. Die Zeit drängt, denn das neue Format soll zur Saison 2027/28 in Kraft treten. Klarheit muss vor Beginn der Qualifikationsrunde im Juli 2024 geschaffen werden. Es bleibt spannend, wie die Entscheidungsträger letztendlich verfahren werden.