Japanischer Bürgermeisterin nimmt als Erste Elternzeit
Die jüngste gewählte Bürgermeisterin Japans, Shoko Kawata, 35 Jahre alt, schreibt Geschichte – sie nimmt sich Zeit für ihre Mutterschaft.
Shoko Kawata und ihr mutiger Schritt
Kawata, die Bürgermeisterin von Yawata in der Präfektur Kyoto, hat bekanntgegeben, dass sie rund um die bevorstehende Geburt ihres Kindes Mutterschaftsurlaub nehmen wird. Dies bringt sie in den Mittelpunkt einer nationalen Debatte und beleuchtet große Lücken in Japans traditionell patriarchalischen Arbeits- und politischen Systemen.
Ein historischer Mutterschaftsurlaub
Kawata, die 2023 gewählt wurde, wird Mitte September ihr Kind zur Welt bringen und plant, 16 Wochen Mutterschaftsurlaub zu nehmen – acht Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt. Dies wird als Premiere für eine amtierende Bürgermeisterin in Japan angesehen.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen
Obwohl Mutterschaftsurlaub für Beschäftigte im öffentlichen Sektor verfügbar ist, gibt es keinen gesetzlichen Rahmen, der diesen Urlaub für gewählte Amtsträger garantiert.
Ein Aufruf zur Systemänderung
Kawata hofft, dass ihr Schritt als „Katalysator für eine Veränderung des Systems“ dienen kann, während Japan mit einer schnell sinkenden Geburtenrate und anhaltenden Geschlechterungleichheiten in politischen Führungsfunktionen zu kämpfen hat. Im letzten Jahr wählte das Land seine erste Premierministerin, und Frauen machen derzeit weniger als 15% des Repräsentantenhauses aus, wie die IPU Parline erfasst.
E-Mail-Kontakt während des Urlaubs
Kawata plant, einen Stellvertreter zu ernennen, der während ihrer Abwesenheit die Stadt mit fast 70.000 Einwohnern, etwa 460 Kilometer südwestlich von Tokio, führen wird. Sie hat jedoch vor, während ihrer Mutterschaft ihr E-Mails regelmäßig zu überprüfen.
Öffentliche Reaktionen und Kritik
Auf sozialen Medien in Japan gab es nach der Bekanntgabe von Kawatas Mutterschaftsurlaub Kritik, wobei einige argumentieren, dass die Abwesenheit eines öffentlichen Amtsträgers Steuergelder verschwenden würde. Kawata erklärte jedoch, dass diejenigen, mit denen sie persönlich gesprochen habe, „unglaublich verständnisvoll“ seien.
Langsame Veränderungen in der Gesellschaft
Die Vielzahl der Einstellungen in Japans Regierung basiert auf „sehr altmodischen Annahmen“, die nicht mit den Bedürfnissen heutiger Frauen in der Arbeitswelt Schritt halten, erklärt Sawako Shirahase, Professorin für Soziologie an der Universität Tokio.
Schrittweise Veränderungen in der Politik
Shirahase hofft, dass zukünftige Führungspersönlichkeiten Japans an Kawata anknüpfen und eine Kultur des besseren Gleichgewichts zwischen Beruf und Privatleben sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor fördern.
Der Hintergrund der Debatte
Die Debatte über den Mutterschaftsurlaub der Bürgermeisterin aus Yawata findet auch vor dem Hintergrund des jahrzehntelangen Kampfes der japanischen Regierung gegen die sinkende Geburtenrate statt. Im Jahr 2025 gab es nur 671.236 Geburten in Japan, was einen neuen Rekordtiefstand darstellt und den zehnten Jahr in Folge einen Rückgang bedeutet.
