Im Bodenseekreis ist die Stimmung angespannt. Am 13. Mai hat der Kreistag mit einer knappen Mehrheit von 30 zu 27 Stimmen beschlossen, den insolventen Medizin Campus Bodensee (MCB) an den Schweizer Klinikkonzern AMEOS zu übertragen. Diese Entscheidung hat in der Region für viel Aufregung gesorgt, insbesondere unter den Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen im Bodenseekreis und im Landkreis Ravensburg, die die Entwicklung bedauern und als unklug ansehen. Die Grünen im Kreistag Ravensburg hatten erst am 12. Mai für eine regionale Lösung unter der Oberschwabenklinik (OSK plädiert und waren von dem Ergebnis entsprechend enttäuscht. Mehr Details zur Abstimmung sind hier zu finden.
Der Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bodenseekreis, Silvia Queri, ist klar, dass die Entscheidung keine zukunftsfähige Lösung für die Gesundheitsversorgung darstellt. Sie betont die Dringlichkeit eines landkreisübergreifenden Gesundheitsverbunds, um eine optimale medizinische Versorgung zu gewährleisten. Ihre Kollegin, Elke Müller aus Ravensburg, kritisiert die Verwendung öffentlicher Mittel für private Interessen und appelliert an die Verantwortlichen, mehr Transparenz in Bezug auf die finanziellen Mittel zu schaffen. Es sind bis 2033 über 60 Millionen Euro an öffentlichen Geldern eingeplant, die für die Krankenhausversorgung aufgebracht werden sollen.
Finanzielle Auswirkungen und medizinische Fachrichtungen
Mit der Entscheidung, AMEOS den Betrieb des MCB-Standorts in Friedrichshafen zu übertragen, sind erhebliche finanzielle Verpflichtungen verbunden. Der Bodenseekreis wird nicht nur Defizitausgleiche in Millionenhöhe aus der Kreiskasse stemmen müssen, sondern auch weitere laufende Unterstützungsleistungen bis 2033 in Höhe von insgesamt etwa 46 Millionen Euro. Diese Gelder sind für die Sicherstellung der Krankenhausversorgung und mögliche Aufwendungen für Brandschutz und Hygiene gedacht.
Die geplanten medizinischen Fachrichtungen am Standort Friedrichshafen sind umfangreich und sollen ein breites medizinisches Angebot abdecken. Dazu gehören unter anderem Allgemein- und Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie, Orthopädie und Onkologie. Auch ein Zentrum für robotergestützte Chirurgie ist in Planung. Die zukünftige Klinik wird über etwa 340 Betten verfügen, und die Gesamtinvestition für den Neubau beläuft sich auf ca. 230 Millionen Euro. Die Stadt Friedrichshafen leistet zudem finanzielle Beiträge von insgesamt 44 Millionen Euro.
Reaktionen und Bedenken
Die Entscheidung, den MCB nicht an die Oberschwabenkliniken zu vergeben, hat viele in der Region schockiert. Rund 300 Zuschauer waren bei der Abstimmung anwesend und konnten die hitzigen Diskussionen mitverfolgen. Landrat Luca Wilhelm Prayon hat die Bedeutung der Entscheidung für die Krankenhausversorgung hervorgehoben, doch die Bedenken vieler Bürger bleiben. Landtagsabgeordnete Anna Wiech äußert ihre Sorgen über die medizinische Versorgung und die Konkurrenzsituation, die durch AMEOS entstehen könnte.
Die Grünen-Fraktionen fordern zudem verbindliche Qualitäts- und Versorgungsstandards, um sicherzustellen, dass die Bürger im Bodenseekreis auch in Zukunft gut versorgt sind. Ein Jahr intensiver Verhandlungen und Prüfungen der Konzepte hat dieser Entscheidungsprozess vorangetrieben. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich die Situation bis zum operativen Übergang an AMEOS, der frühestens im Juli 2026 erfolgen könnte, entwickeln wird. Ein Gläubigerausschuss wird voraussichtlich Anfang Juni über die nächsten Schritte entscheiden.
