In Karlsruhe ist die Situation mit invasiven Ameisenarten ernst geworden. Die Stadt hat nun entschieden, aktiv gegen die Arten Tapinoma magnum und Lasius neglectus vorzugehen. Diese kleinen Krabbler sind nicht nur eine Plage, sondern können auch Superkolonien bilden, die sich blitzschnell ausbreiten. In der Stadt gibt es bereits acht große Ameisenkolonien, darunter drei Superkolonien in Oststadt, Knielingen und Neureut. Besonders in Neureut hat Tapinoma magnum ein Gebiet von etwa 70 Hektar besetzt, mit Millionen von Ameisen und sogar tausenden Königinnen. Das klingt fast wie ein Horrorfilm, oder?
Um dem Herr zu werden, hat die Stadt ein mobiles Heißwasserdampfgerät angeschafft, das ganz ohne Insektizide oder Biozide funktioniert. Die ersten Erfolge sind bereits sichtbar: Kleinere Vorkommen dieser invasiven Ameisen wurden erfolgreich beseitigt. Aber die Bekämpfung wird sich über mehrere Jahre ziehen, besonders in Neureut. Hier hängt alles von den Anwohnern ab, die sich bereit erklären müssen, ihre privaten Grundstücke zu behandeln – die Stadt kann nur im öffentlichen Raum aktiv werden. Inzwischen haben sich einige Nachbarn sogar zusammengeschlossen, um gemeinsam ein Heißwasserdampfgerät anzuschaffen. Das Gerät der Stadt kostet rund 30.000 Euro und muss vor Ort transportiert werden – das ist kein Pappenstiel!
Bewusstsein schaffen
Um die Anwohner über die Problematik zu informieren, plant das Gartenbauamt von Karlsruhe eine „Ameisen-weg-Woche“. Hier sollen die Bürger sensibilisiert und über mögliche Maßnahmen aufgeklärt werden. Wissenschaftler von der PH Karlsruhe forschen zudem an einfacheren Methoden zur Bekämpfung der Ameisen. Ein Vorfall mit einem externen Schädlingsbekämpfer hat jedoch bereits hohe Kosten verursacht und zu Problemen für Anwohner geführt, die ihre Gärten nicht mehr betreten können. Das bringt natürlich noch mehr Unruhe in die Nachbarschaft.
Die Herausforderung der invasiven Arten
Tapinoma magnum, ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, breitet sich in Deutschland zunehmend aus, insbesondere in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Köln und Hannover. Die ersten Nachweise stammen aus dem Jahr 2009, und die Vermutung ist, dass die Ameisen durch Pflanzentransporte eingeschleppt wurden. Diese kleinen Biester sind nicht nur ein Ärgernis, sie dringen auch in Häuser ein und können zu Strom- und Internetausfällen führen – kein Spaß, wenn man gerade einen wichtigen Videoanruf hat. Außerdem unterhöhlen sie Böden, was besonders auf Spielplätzen gefährlich werden kann.
Das Bundesamt für Naturschutz sieht die Ökosysteme zwar nicht als gefährdet an, dennoch warnt Umweltstaatssekretär Andre Baumann vor diesen „Schädlingen“. Eine Bekämpfung gestaltet sich schwierig, da Tapinoma magnum den heimischen Arten zum Verwechseln ähnlich sieht. Es gibt noch kein bekanntes Mittel zur Bekämpfung, was die Situation nicht gerade erleichtert. Und auch wenn sie keine Krankheiten übertragen, können sie kurzfristige Allergien auslösen, was für viele ein zusätzliches Problem darstellt. Die typischen Erkennungsmerkmale sind kleine Sandhügel an Bordsteinen und Gehwegen sowie der Geruch nach ranziger Butter, wenn man sie zerdrückt. Das ist nicht gerade ein Duft, den man in der Nachbarschaft haben möchte!
Die Situation in Karlsruhe zeigt, wie wichtig es ist, sich mit solchen invasiven Arten auseinanderzusetzen und die Bevölkerung aktiv einzubeziehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Maßnahmen entwickeln und ob die Anwohner bereit sind, gemeinsam gegen die Ameisen vorzugehen. Für die Stadt und ihre Bürger wird es sicherlich eine Herausforderung, aber vielleicht auch eine Chance, zusammenzuwachsen und ein Bewusstsein für ökologische Probleme zu schaffen.
