In Tübingen gibt es derzeit besorgniserregende Meldungen aus dem Neckar. Immer mehr Menschen berichten von juckenden Ausschlägen, die sie nach dem Schwimmen im Wasser erlitten haben. Das klingt schon unangenehm, oder? Die Expertin Sandra Bergmann, eine Biologin, hat eine Vermutung: Die Ursache könnten Zerkarien sein, die Larven des Saugwurms. Diese kleinen Biester sind etwa einen Millimeter groß und leben normalerweise in Stauseen. Im Neckar, der durch Stauwehre wie eine Aneinanderreihung von Seen wirkt, könnten sie sich jedoch ebenfalls tummeln. Das aktuelle warme Wetter und die langsame Strömung des Flusses begünstigen die Ausbreitung der Zerkarien zusätzlich.

Die Ämter haben bereits vor dem Schwimmen im Neckar gewarnt. Das Landesgesundheitsamt und das Landratsamt Tübingen empfehlen, die Finger vom Wasser zu lassen. In den letzten Jahren gab es immer wieder Beschwerden von Schwimmern. Vor zwei Jahren klagten sogar Teilnehmer des Tübingen-Triathlons über Magen-Darm-Beschwerden, und zwei Teilnehmer des Heidelberg Triathlons infizierten sich nach dem Schwimmen im Neckar mit Leptospirose – einer von Ratten übertragenen Infektionskrankheit. Das klingt nicht gerade nach einem entspannenden Badevergnügen.

Die Gefahren der Zerkarien

Zerkarien gelangen über den Kot von Wasservögeln ins Wasser und können sich bei Badenden in die Haut bohren. Der erste Kontakt führt häufig zu juckenden roten Pusteln, während ein zweiter Kontakt schmerzhafte Quaddeln hervorrufen kann. Die Hautreaktion, die man Badedermatitis nennt, ist zwar unangenehm, aber normalerweise nicht gefährlich. Die Symptome klingen in der Regel innerhalb von 10 bis 20 Tagen ab, auch ohne Behandlung. Das ist doch ein kleiner Trost, oder? Dennoch sollte man sich nach dem Kontakt mit Wasser unbedingt abtrocknen, die Badesachen wechseln und sich heiß abduschen, um das Risiko zu minimieren.

Die Situation wird noch komplizierter, wenn man bedenkt, dass der Neckar nicht regelmäßig auf die Wasserqualität kontrolliert wird, da er nicht als Badegewässer gilt. Im Gegensatz dazu werden viele Seen überwacht und das Gesundheitsamt gibt Empfehlungen für sichere Badestellen. Bei niedrigem Wasserstand ist die Belastung mit Fäkalbakterien durch Klärwasser hoch, was die Gefahrenlage zusätzlich verschärft. Wer länger im Neckar verweilt, erhöht sein Risiko, eine Badedermatitis zu entwickeln. Interessanterweise ist es ratsam, Badestellen am frühen Morgen zu meiden, da Zerkarien zu dieser Zeit vermehrt freigesetzt werden.

Vorsichtsmaßnahmen und Behandlung

Um sich vor den lästigen Zerkarien zu schützen, gibt es einige einfache Maßnahmen. Man sollte längere Aufenthalte im flachen, warmen Uferbereich vermeiden und nach dem Schwimmen schnell die Badekleidung ausziehen sowie gründlich abtrocknen. Antihistaminika und antiallergische Hautgele können die Symptome lindern, und bei starkem Juckreiz helfen corticoidhaltige Cremes. Ein Aufkratzen der Quaddeln sollte man unbedingt vermeiden, um Infektionen vorzubeugen. Manchmal sind die einfachsten Tipps die besten – und das gilt auch hier!

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Die Berichte über die Zerkarien im Neckar sind ein gutes Beispiel dafür, dass auch heimische Parasiten oft vernachlässigt werden. Der Parasitologe Alfons Renz, der seit Jahrzehnten zu Saugwurmlarven forscht, hebt hervor, dass diese kleinen Kreaturen nicht unterschätzt werden sollten. Auch wenn die Hautreaktionen in der Regel harmlos sind, kann ein unangenehmer Juckreiz den Aufenthalt am Wasser ganz schön trüben. Wenn man nach einem erfrischenden Bad im Neckar mit juckenden Pusteln nach Hause kommt, ist das wirklich kein Spaß.

Für alle, die dennoch bei diesen warmen Temperaturen eine Abkühlung suchen, bleibt nur eines zu sagen: Vorsicht ist besser als Nachsicht! Und vielleicht doch lieber wieder die Badesachen einpacken und an einen der überwachten Seen fahren, wo man sicherer baden kann. Man weiß ja nie, welche kleinen Ungeziefer im Wasser lauern…

Wer mehr über die Gefahren von Zerkarien und Badedermatitis erfahren möchte, kann sich auch auf der Seite der Apotheken Umschau informieren.

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