In Altötting sorgt ein Urteil für Aufregung, das weitreichende Folgen für die lokale Landwirtschaft haben könnte. Am 25. Juni 2026 entschied das Amtsgericht Altötting, dass ein 62-jähriger Landwirt wegen vorsätzlicher Tiertötung zu einer Geldstrafe von 4.000 Euro verurteilt wurde. Der Vorfall, der sich im Juni 2025 ereignet hatte, handelte von einem übersehenen Rehkitz, das bei der Mahd einer 35 Hektar großen Wiese ums Leben kam. Der Landwirt hatte angegeben, unter Zeitdruck gestanden zu haben, und informierte die örtlichen Jäger nicht vorab. Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich solche Dinge zuspitzen können!

Die akustischen Warnmelder, auf die der Landwirt setzte, waren defekt, was dazu führte, dass ein Jäger später die Überreste des Kitzes fand. Das Gericht stellte klar, dass Landwirte in waldnahen Gebieten die Anwesenheit von Rehkitzen während der Mahd unbedingt berücksichtigen müssen. Das Urteil hat emotionale Reaktionen ausgelöst und Spannungen zwischen Landwirten, Jägern und Tierschützern verstärkt. Melanie Rochner, die Justizsprecherin, merkte an, dass es einen Ansturm an Interessensbekundungen gab, was die Notwendigkeit einer Pressemitteilung zur Folge hatte.

Reaktionen und Forderungen

Die Reaktionen auf das Urteil sind gemischt. Stephanie Hill von der Rehkitzrettung Neuötting bezeichnete das Urteil als faires Signal, äußerte jedoch Bedenken hinsichtlich der verhärteten Fronten zwischen den Beteiligten. Dr. Christine Miller vom Verein Wildes Bayern kritisierte den Widerstand gegen gesetzliche Regelungen für Drohneneinsätze, während Josef Baumann vom Bayerischen Bauernverband klare Rahmenbedingungen für Landwirte vor der Mahd forderte. „Der Mäh-Knigge“ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft gibt bereits Handlungsempfehlungen, doch die Praxis sieht oft anders aus.

Besonders brisant ist, dass der Fall noch nicht rechtskräftig ist. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung haben Rechtsmittel eingelegt. Ein ähnlicher Fall im Nachbarlandkreis Mühldorf zeigt, dass solche Rechtsstreitigkeiten langwierig sein können. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird.

Die Problematik der Mahd und Wildtiere

Rehkitze sind besonders in den Monaten Mai und Juni gefährdet, da sie in hohem Gras liegen und für Fressfeinde nahezu unsichtbar sind. Die Mahd fällt oft genau in die Brut- und Setzzeit, was die Gefahr für die Tiere noch erhöht. Landwirte sind sich der Problematik bewusst und unternehmen Anstrengungen, um die Tiere während der Mahd zu schützen. Tipps für eine wildtierschonende Mahd beinhalten das Mähen von innen nach außen oder entlang von Wegen, angepasste Mähtermine und eine verringerte Mähgeschwindigkeit.

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Vergrämungsmaßnahmen, wie akustische und optische Geräte, sind ebenfalls wichtig. Es ist jedoch bemerkenswert, dass viele dieser alten Techniken nicht mehr ausreichen. Der Einsatz von Drohnen mit Wärmebildkameras oder die manuelle Durchsuchung der Wiesen durch Menschen sind effektivere Methoden, die jedoch oft von Tierschutzgruppen unterstützt werden müssen. Ein Bundesförderprogramm für Drohnen aus dem Jahr 2023 könnte hier neue Möglichkeiten bieten.

Rechtslage und Verantwortung

Die rechtliche Verantwortung für den Schutz junger Wildtiere liegt in erster Linie bei den Landwirten. Artikel 20a des Grundgesetzes und § 1 des Tierschutzgesetzes verpflichten den Staat und die Landwirte zu Schutzmaßnahmen. Verstöße gegen diese Gesetze können zu erheblichen Strafen führen, einschließlich Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen. Gerichtsurteile aus anderen Regionen zeigen, dass die Haftung der Landwirte für den Tod von Wildtieren während der Mahd ernst genommen wird.

In einer Zeit, in der Landwirtschaft und Tierschutz oft in Konflikt stehen, ist es entscheidend, dass alle Beteiligten zusammenarbeiten. Nur durch Kooperation zwischen Landwirten, Jägern und Tierschützern können Lösungen gefunden werden, die sowohl den rechtlichen Anforderungen als auch den Bedürfnissen der Wildtiere gerecht werden. Die Herausforderungen sind groß – aber die Möglichkeiten zur Verbesserung sind es ebenfalls.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden sich in einem Artikel über die Rechtslage der Rehkitzrettung.

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