Das Landratsamt Altötting hat eine eindringliche Warnung ausgesprochen: Fische aus der Alz und dem Inn bei der Alzmündung sollten nicht verzehrt werden. Die Gründe für diese Warnung sind frisch veröffentlichte Untersuchungsergebnisse zur Schadstoffbelastung, die große Besorgnis hervorrufen. Diese neuen Erkenntnisse sind das Ergebnis eines Monitorings, das seit dem 25. Juni 2024 zur Abwassereinleitung aus dem Chemiepark Gendorf durchgeführt wird. Der aktuelle Sachverständigenbericht zum Alzmonitoring 2024 zeigt, dass sich die Belastung in den Fischen im Vergleich zu 2021 nicht signifikant verändert hat, jedoch sind die Fische unterhalb der Abwassereinleitung deutlich stärker betroffen.

Besonders alarmierend sind die nachgewiesenen Werte von Schadstoffen wie Triphenyl- und Tetraphenylzinn, PFAS-Verbindungen (PFUDA und PFTrDA) sowie bromierten und polybromierten Diphenylethern (BDE). Auch die Sedimente und Schwebstoffe der Alz weisen Unterschiede auf: Unterhalb der Abwassereinleitung wurden erhöhte Werte bei Quecksilber, Triphenyl- und Tetraphenylzinn festgestellt. Während in Schwebstoffen keine Belastungsanstiege zu verzeichnen sind, zeigen einige Parameter in den Sedimenten Zunahmen. Die Rückstandsuntersuchungen des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) bewerten die möglichen Gesundheitsschäden durch Organozinnverbindungen und BDE im Fischverzehr als unwahrscheinlich. Allerdings könnte der Verzehr von Fischen ein erhöhtes Risiko durch langkettige PFAS mit sich bringen. Seit dem 9. Januar 2023 wird daher von einem Fischverzehr aus Alz und Inn abgeraten.

Die Gefahren der Schadstoffe

Die Situation ist nicht nur für Angler und Fischliebhaber bedenklich, sondern wirft auch grundlegende Fragen zur Gewässerqualität auf. Wie kann es sein, dass trotz Überwachung und Rückstandsuntersuchungen solche Schadstoffe in den Fischen und Sedimenten nachgewiesen werden? Hierbei wird schnell klar, dass die Problematik weit über die Alz und den Inn hinausreicht. Die Gefahren durch Schadstoffe aus Abwassereinleitungen sind ein europaweites Phänomen, das in vielen Gewässern zu beobachten ist. Besonders die Gefährdung durch Chemikalien wie PFAS, die oft als „ewige Chemikalien“ bezeichnet werden, ist besorgniserregend.

Diese Verunreinigungen der Gewässer stehen im Zusammenhang mit einer Vielzahl von industriellen Prozessen, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern stattfinden. Beispielsweise untersucht eine Studie die chemische Komplexität von Kunststoffen und identifiziert über 4.200 Chemikalien, die besorgniserregend sind und potenziell in unsere Gewässer gelangen. Es ist ein Teufelskreis, der nicht nur die Aquakultur und die Fischereiwirtschaft bedroht, sondern auch das gesamte Ökosystem. Die Erkenntnisse aus solchen Studien zeigen, dass wir uns ernsthaft mit den Ursachen und den langfristigen Auswirkungen der Schadstoffbelastung auseinandersetzen müssen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Dringlichkeit, diese Themen anzugehen, wird von verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten unterstützt, die sich mit Schadstoffen in Gewässern und deren Auswirkungen befassen. Es ist klar, dass die Überwachung und Analyse von Schadstoffen in unseren Gewässern eine zentrale Rolle für die Gesundheit der Bevölkerung und die Erhaltung der Umwelt spielen muss. Der Schutz unserer Gewässer ist nicht nur eine lokale Angelegenheit, sondern erfordert ein gemeinsames europäisches Bewusstsein.

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In Summe zeigt sich, dass die Problematik von Schadstoffen in Gewässern ein komplexes und vielschichtiges Thema ist, das uns alle angeht. Die Warnungen des Landratsamts Altötting sind also nicht nur ein Signal für die Region, sondern ein Appell an alle, sich der Gefahren bewusst zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Letztlich geht es um die Qualität unserer Lebensmittel und die Gesundheit der kommenden Generationen.