Im Christian Schad Museum in Aschaffenburg gibt es derzeit eine ganz besondere Ausstellung zu sehen: „A European Collection – Meisterwerke aus dem Khanenko Museum in Kyjiw“. Diese Schau umfasst 73 beeindruckende Gemälde und Skulpturen, die von spanischer bis ukrainischer Kunst reichen. Ein wahres Fest für die Sinne, könnte man sagen! Die Werke stammen aus dem Khanenko Nationalmuseum in Kiew, das 1919 gegründet wurde und auf der Sammlung von Bohdan und Varvara Khanenko basiert. Das Museum beherbergt den bedeutendsten Bestand europäischer Kunst in der Ukraine.

Die Sammlung wurde vor der drohenden Zerstörung des Museums im Jahr 2022 ausgelagert. Thomas Schauerte, der Direktor des Christian Schad Museums, bot dem Khanenko Museum Obdach bis ins nächste Jahr. So kann ein Teil dieser wertvollen Sammlung nun in Aschaffenburg präsentiert werden. Darunter sind Meisterwerke von Rembrandt, Bosch, Rubens und Tizian, die oft als „Werkstatt“ oder „Umkreis“ klassifiziert werden. Ein Beispiel ist das Triptychon „Die Versuchung des heiligen Antonius“ von Bosch, datiert zwischen 1520 und 1550. Diese Kunstwerke erzählen nicht nur von einer anderen Zeit, sondern auch von der bedrohlichen Gegenwart.

Einblicke in die Sammlung

Zu den weiteren Highlights der Ausstellung zählt eine seltene Prozessionsfahne aus Seide, die dem „Umkreis Pietro Peruginos“ zugeschrieben wird, sowie die „Kreuzigung“ aus etwa 1430, die in gotischer Stilsprache gehalten ist. Wer die Florentiner Madonna von „Pseudo-Pier Francesco Fiorentino“ betrachtet, der sieht Renaissanceformen in ihrer Pracht. Auch die Stillleben, wie das mit dem Schokoladenservice von Juan de Zurbarán aus dem Jahr 1640, sind eine Augenweide. Die lebensechte Skulptur „Shot Figure“ von Maria Kulikowska thematisiert hingegen den aktuellen Krieg und bringt eine bedrückende, aber wichtige Perspektive in die Ausstellung.

Die laufende Ausstellung wird bis zum 10. Februar 2027 in Aschaffenburg zu sehen sein. Dies gibt vielen die Gelegenheit, sich mit der beeindruckenden Sammlung auseinanderzusetzen und die Kunstwerke in einem Sicherheitsrahmen zu erleben, den viele in der Ukraine derzeit vermissen.

Die Situation in der Ukraine

Die Situation in der Ukraine bleibt angespannt. Im Mai 2024, kurz bevor die Ausstellung eröffnet wurde, erlebte die Ukraine intensivere Angriffe durch Russland. Trotz dieser Bedrohung blicken viele Ukrainer optimistisch in die Zukunft. Im selben Monat fand eine zweitägige Konferenz in Berlin statt, die von OBMIN, einer Stiftung für über 100 ukrainische Museen, organisiert wurde. Der Titel der Konferenz lautete: „Von der Krise in die Zukunft: Neue Aufgaben für Museen in der Ukraine“. Es war die größte Zusammenkunft ukrainischer Museumsfachleute seit Beginn der vollständigen russischen Invasion im Februar 2022.

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Die Experten diskutierten die Restaurierung des Kulturerbes und erarbeiteten zehn konkrete Vorschläge zur Unterstützung des Wiederaufbaus und zur Stärkung der Zivilgesellschaft. Diese Vorschläge sollen auf der Ukraine Recovery Conference, die im Juni in Berlin stattfindet, vorgestellt werden. Seit Beginn der Invasion wurden 102 ukrainische Museen und Galerien beschädigt, 12 davon vollständig zerstört. Angriffe auf das kulturelle Erbe sind Teil einer Strategie, die darauf abzielt, die ukrainische Identität zu zerstören. Museumsmitarbeiter in besetzten Gebieten wurden entführt, und tragischerweise wurden sogar zwei Museumsdirektoren bei Angriffen getötet.

Die Museen sollen nicht nur als Orte der Kunst fungieren, sondern auch als „dritte Orte“ für Begegnungen und Diskussionen. Yuliia Vaganova berichtete, dass das Khanenko-Museum in Kiew während des Krieges als Treffpunkt diente. Die Herausforderungen sind groß, aber die Vision für die Zukunft ist klar: eine moderne, zugängliche und besucherfreundliche Museumslandschaft, die die ukrainische Kultur auch in schweren Zeiten bewahrt.

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