Fahrraddemo in Dachau: Radwege verbessern und Sicherheit erhöhen
Ein lauer Frühlingstag in Dachau, die Sonne blitzt durch die Wolken und die Luft riecht nach frischem Gras. Ein kleiner, aber lebhafter Haufen von etwa 25 Radfahrenden hat sich am Bahnhof versammelt. Die Fahrraddemo des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hat begonnen. Norbert Bandt, ein 60-jähriger Systemberater und passioniertes ADFC-Mitglied, steht vorne und spricht voller Überzeugung. Er ist der Initiator dieser Demo und hat ein klares Ziel: die Verbesserung der Radwege in Dachau.
„Wir haben hier keinen richtigen Fahrradweg, und das muss sich ändern!“, ruft Bandt in die Runde. Er kritisiert die Situation in Dachau, wo viele Radwege einfach Gehwege sind mit einem kleinen Schild „Fahrrad frei“. Das führt zu ständigen Wechseln zwischen Straße und Gehweg, was für die Radfahrenden einfach nur nervig ist. „Wir brauchen durchgehende Fahrradwege!“, fordert er vehement. Der Stadtrat und Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) hat das Radkonzept auf dem Tisch, erkennt den Nachholbedarf, hat aber mit baulichen und finanziellen Problemen zu kämpfen. Die Mittermayerstraße ist ein Beispiel für die baulichen Herausforderungen, die eine echte Verbesserung der Infrastruktur behindern.
Forderungen und Bedenken
Die Radldemonstranten sind nicht nur unzufrieden, sie sind auch besorgt. Kristina Schüngel erzählt von gefährlichen Begegnungen mit Autofahrern – besonders Busfahrern. „Es gibt oft keine Rücksichtnahme. Man fühlt sich einfach nicht sicher!“, berichtet sie. Ironischerweise sind viele der Demonstrierenden auch Autofahrer, die in Dachau oft das Fahrrad nutzen, weil es schneller ist. Das ist ein kleiner Paradoxon: Das Auto ist oft nicht die beste Wahl, aber die Sicherheit auf dem Fahrrad ist fraglich. Die Teilnehmer fordern ein besseres Nebeneinander von Fahrrad- und Autoverkehr, denn auch das ist wichtig für mehr Radfahrende.
Der ADFC hat bereits 2019 ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Berücksichtigung der Belange des Radverkehrs bei städtebaulichen Planungen empfiehlt. Doch die Umsetzung zieht sich hin. „Schritt für Schritt“, sagt Koch, aber Bandt fordert pragmatische Lösungen – auch wenn das bedeutet, Parkplätze aufzugeben. Wie lange kann das noch so weitergehen?
Die Rolle der Fahrradstraßen
In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, den Radverkehr zu fördern, und Fahrradstraßen sind eine davon. Diese Straßen sind speziell für Radfahrende reserviert, andere Fahrzeuge dürfen sie nur benutzen, wenn es Zusatzzeichen erlauben. Sie ermöglichen es Radfahrenden, nebeneinander zu fahren und haben eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. In den letzten Jahren gab es Fortschritte, wie die Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) von 2021, die die Schaffung solcher Straßen erleichtert hat. Viele Tempo-30-Zonen könnten sich gut als Fahrradstraßen eignen.
Die Vorteile sind klar: Breitere Fahrbahnen, kein Kfz-Verkehr, der zu schnell an Radfahrenden vorbeirauscht, und die Sicherheit der Radfahrenden wird in den Mittelpunkt gerückt. Laut dem Fahrrad-Monitor 2023 empfinden 83% der Radfahrenden Fahrradstraßen als sicher und 39% fordern mehr davon. Aber der Weg dahin ist noch lang. Aktuell gibt es in Deutschland rund 1.669 Kilometer Fahrradstraßen – das macht nur 0,2% aller öffentlichen Straßen aus! Eine systematische Erfassung fehlt, was die Planung erschwert.
Es gibt jedoch positive Beispiele, wie das Konzept Fahrradstraßen 2.0 in Münster oder die Umwandlung des Kölner Friesenwalls zur Fahrradstraße. Diese Projekte zeigen, dass es möglich ist, Radverkehr in den urbanen Raum zu integrieren und die Sicherheit für Radfahrende zu erhöhen. Bund und Länder bieten zudem Förderungen für solche Projekte an. Doch auf lokaler Ebene in Dachau bleibt es abzuwarten, ob die politischen Entscheider bereit sind, den notwendigen Schritt zu gehen.
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