Heute ist der 27.04.2026. In der Gemeinde Karlsfeld, die in der Nähe von Dachau liegt, sorgt eine Entscheidung für Aufsehen, die die Geschichte ihrer ehemaligen Ehrenbürgerin Edeltraut Klapproth betrifft. Klapproth, die von 1909 bis 2005 lebte, war eine bekannte Künstlerin, deren romantisierende Werke von Karlsfeld und Allach im Rathaus und im Heimatmuseum ausgestellt sind. Für ihre künstlerischen Verdienste erhielt sie 1998 die Bürgermedaille der Gemeinde und 2008 wurde eine Straße nach ihr benannt. Doch nun hat die Gemeinde beschlossen, diese Ehrungen posthum abzuerkennen.
Der Grund für diese Distanzierung sind neue Erkenntnisse über Klapproths Verstrickung im Nationalsozialismus. Nach Recherchen für eine geplante Ausstellung in Muro Lucano stellte sich heraus, dass sie bereits 1930 der NSDAP beigetreten war. Ihr Ehemann, Erich Klapproth, war ein überzeugter Nationalsozialist und war in den 1920er-Jahren an Fememorden beteiligt. Er wurde zunächst zum Tod verurteilt, aber später begnadigt und machte Karriere in der SA. 1939 zog die Familie in die von der Wehrmacht besetzte Stadt Sejny, wo sie ein enteignetes Landgut bewirtschafteten, vermutlich mit polnischen Zwangsarbeitern. 1944 trat Edeltraut Klapproth der NS-Frauenorganisation bei, bevor die Familie Anfang 1945 vor der Roten Armee nach Allach floh. Ihr Ehemann wurde am 3. Mai 1945 erschossen, und nach dem Krieg verschleierte sie ihre Vergangenheit, indem sie sich als „Soldatenwitwe“ darstellte.
Die künstlerische Hinterlassenschaft
Trotz dieser belastenden Vergangenheit erkennen die Gemeinderäte Klapproths künstlerische Leistungen an, sehen jedoch die Ansprüche an Träger kommunaler Ehrungen als nicht erfüllt an. Die Gemeinde betont, dass Klapproth und ihre Bilder Teil der Gemeindegeschichte bleiben werden. Der Kunstkreis Karlsfeld, in dem Klapproth Gründungs- und Ehrenmitglied war, wird sich ebenfalls mit dem Thema befassen. Von 1972 an erlangte sie auch überregional Bekanntheit durch zahlreiche Ausstellungen in Süddeutschland und veröffentlichte sogar drei selbst illustrierte Bücher, die mittlerweile vergriffen sind.
Die Entscheidung, die Bürgermedaille abzuerkennen und die Straße zum 1. Januar 2027 in „Am Prinzenpark“ umzubenennen, ist nicht nur eine Auseinandersetzung mit Klapproths Vergangenheit, sondern auch mit der Frage, wie die Gesellschaft mit der Erinnerung an historische Figuren umgeht, die in ihrer Zeit sowohl positive als auch negative Spuren hinterlassen haben. Diese Thematik wird in vielen Gemeinden immer relevanter, da viele Städte und Orte ihre eigene Geschichte und die der Menschen, die dort lebten, kritisch hinterfragen.
Ein Blick auf die Familie Klapproth
Die Familie Klapproth war in vielerlei Hinsicht geprägt von den politischen Wirren ihrer Zeit. Edeltraut heiratete 1931 Erich Klapproth, der nicht nur Angehöriger der Schwarzen Reichswehr war, sondern auch während seiner Haftzeit wegen Fememorden in den 1920er Jahren verurteilt wurde. Nach seiner Entlassung suchte er Edeltraut auf und hielt um ihre Hand an. Die Klapproths hatten insgesamt acht Kinder, von denen einige in den Wirren des Krieges verloren gingen. Der älteste Sohn Hartmut starb 1953 bei einem Bergunfall, was die Familie zusätzlich belastete.
Nach dem Krieg kehrte Edeltraut Klapproth zur Malerei zurück, angeregt durch einen Malkasten ihrer Tochter. Sie malte Hunderte von Bildern und gab mehrere Fernsehinterviews, unter anderem mit dem Bayerischen Rundfunk. Ihre künstlerische Laufbahn erstreckte sich bis in die 1980er Jahre, und sie blieb bis zu ihrem Tod in 2005 aktiv.