Gestaltung der Innenstadt in Erding: Herausforderungen und Lösungen gegen den Trading-Down-Effekt
In Erding, einer Stadt, die bekannt ist für ihre bunten Fassaden in der Langen Zeile, gibt es auch einige architektonische „Bausünden“. Hier äußerte Oberbürgermeister Max Gotz ernsthafte Bedenken über die jüngeren Bauanträge in der Innenstadt. Besonders besorgt ist er über einen möglichen „Trading-Down-Effekt“, der die Attraktivität der Stadt gefährden könnte. Dieser Begriff beschreibt einen besorgniserregenden Trend, bei dem lebendige Stadtzentren langsam zu Geisterorten mit vielen Leerständen und ausbleibender Kundschaft werden. Es ist ein schleichender Prozess, der oft durch unpassende Gewerbenutzungen und mangelnde Modernisierungen verstärkt wird.
Gotz kritisierte auch die Modernisierungsgesetze der Bayerischen Staatsregierung, die seiner Meinung nach die Gestaltung von Innenstädten gefährden. Um dem entgegenzuwirken, hat die Stadt Erding einen Plan entwickelt: eine Gestaltungssatzung und einen Leitfaden zur Verbesserung der baukulturellen Gestaltung. Diese Satzung soll das baukulturelle Erbe der Stadt nicht nur schützen, sondern auch weiterentwickeln. So soll Rechtssicherheit gefördert werden, und die Maßnahmen für Bau und Unterhalt beschleunigt werden. Laut der Bayerischen Bauordnung haben Gemeinden das Recht, örtliche Bauvorschriften zu erlassen – und genau das könnte für Erding von zentraler Bedeutung sein.
Die Herausforderungen der Gestaltungssatzung
In der Altstadt von Erding gibt es derzeit 39 Einzeldenkmäler und zahlreiche Gebäude, die das Stadtbild prägen. Der neue Leitfaden wird Positivbeispiele für Dachformen, Gauben und Fassadengestaltungen enthalten. Ein Beispiel aus der Nachbarstadt Freising wurde den Ausschussmitgliedern vorgelegt. Doch nicht alle Stadträte sind begeistert. Stadtrat Hans Egger fürchtet, dass die Satzung ein „Bürokratiemonster“ schaffen könnte, das Eigentümer eher abschreckt als zur Mitgestaltung einlädt. Auch Georg Bauernfeind äußerte Zweifel an der Notwendigkeit der Satzung, während Stadtjustiziar Andreas Erhard die Vorteile einer klaren Satzung für mehr Planbarkeit betonte.
Der Stadtentwicklungsausschuss hat dennoch einstimmig beschlossen, eine „Lebendige-Zentren“-Satzung sowie einen entsprechenden Leitfaden zu erarbeiten. Die Verwaltung wurde beauftragt, einen Entwurf vorzubereiten, der dann im Stadtrat beraten wird. Ein zusätzlicher Anreiz ist, dass der Leitfaden mit bis zu 60 Prozent von der Regierung von Oberbayern bezuschusst wird. Diese finanzielle Unterstützung könnte entscheidend sein, um die Herausforderungen, die mit der Gestaltung von Innenstädten verbunden sind, zu meistern.
Die Auswirkungen des Trading-Down-Effekts
Der Trading-Down-Effekt bringt eine Reihe von negativen Folgen mit sich: Der Standort verliert an Image, Eigentümer leer stehender Immobilien kämpfen mit Umsatzeinbußen, und die Investitionsfähigkeit sinkt. Dazu kommt, dass potenzielle Investoren abwandern, was die Situation weiter verschärft. Um diesem Teufelskreis zu entkommen, sind gezielte stadtplanerische Maßnahmen und kontinuierliche Standortbeobachtungen notwendig. Ein Beispiel dafür ist das Programm „Soziale Stadt“, das dabei hilft, diese Herausforderungen anzugehen.
Interessanterweise spielt auch die Digitalisierung eine Rolle in dieser Thematik. Aktives Leerstandsmanagement könnte durch digitale Lösungen in den Kommunen umgesetzt werden. Eine lebendige Innenstadt, die sowohl als Ort für Wirtschaft als auch für Kultur und Bildung fungiert, benötigt gute Aufenthaltsqualität. Das Ziel ist, eine ausgewogene Nutzungsmischung zu schaffen, die auf den Strukturwandel reagiert. Innovative Konzepte, gefördert im Rahmen des Programms „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“, könnten der Schlüssel sein, um die Attraktivität der Innenstädte langfristig zu sichern.
In Erding zeigt sich, wie wichtig es ist, die Gestaltung der Innenstadt aktiv zu steuern, um den Ansprüchen der Bürger und der Wirtschaft gerecht zu werden. Der Weg ist zwar steinig und von Herausforderungen geprägt, aber die Stadt hat bereits erste Schritte in die richtige Richtung unternommen. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Pläne entwickeln und welche positiven Veränderungen sie vielleicht mit sich bringen werden.
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