Die Stimme der Jugend in Friedrichshain-Kreuzberg
In Friedrichshain-Kreuzberg sind die Stimmen der Jugend lauter denn je. Am Parklet an der Modersohn-Grundschule, unweit des Boxhagener Platzes, haben sich die Jugendlichen Emma (15), Mika (12) und Shaun (19) versammelt, um ihre Anliegen zu besprechen. Mit einem klaren Wunsch nach mehr Farbe im Kiez durch Blumenkübel, der von Emma als notwendig erachtet wird, wird deutlich, dass der Zustand des Platzes nicht gerade zu den schönsten gehört. „Es ist wenig grün und vermüllt“, beschreibt sie die aktuelle Lage. Die drei sind Teil des neu gegründeten Jugend- und Kinder-Gremiums Friedrichshain-Kreuzberg (JuKG), das seit Februar 2023 aktiv ist und als Sprachrohr für die Bedürfnisse junger Menschen fungiert.
Im JuKG diskutieren die Jugendlichen verschiedene Probleme und arbeiten an Lösungsvorschlägen. Ein aktuelles Thema in der Arbeitsgruppe „Umwelt“ ist der Antrag auf Blumenkübel an Bezirksstadträtin Annika Gerold. Auch die Mobilitätswende liegt den jungen Leuten am Herzen. Ein Zebrastreifen vor der Modersohn-Grundschule wird als Fortschritt wahrgenommen, doch Emma warnt vor den Gefahren großer Straßen. „Das ist ein Sicherheitsproblem“, sagt sie. Am 22. September 2023 stehen die Wahlen für das Berliner Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) an, und die Jugendlichen sind gespannt, wie ihre Anliegen in die politische Diskussion einfließen werden.
Die Stimme der Jugend
Die Wahlen könnten entscheidend für die Zukunft des Bezirks sein. Friedrichshain-Kreuzberg wird seit 2006 von den Grünen regiert. Clara Herrmann, die Bezirksbürgermeisterin, tritt jedoch nicht zur Wahl an, und Thomas Weigelt wird als möglicher Nachfolger gehandelt. Die bisherigen Wahlergebnisse zeigen eine interessante Verteilung: Die Grünen kommen auf 34,5%, gefolgt von der Linken mit 20,6% und der SPD mit 13,5%. Für Shaun ist es frustrierend zu sehen, wie oft Politik für Senioren gemacht wird, während die Stimmen der Jugend oft untergehen. „Wir müssen gehört werden“, fordert er vehement.
Doch nicht alles ist düster. Das JuKG bietet den Jugendlichen eine Plattform, um ihre Anliegen sichtbar zu machen. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann hat sich bereits bei den engagierten Kindern und Jugendlichen bedankt und ermutigt weitere Anmeldungen. Werner Heck von den Grünen hebt hervor, wie wichtig es ist, dass alle Altersgruppen in der BVV repräsentiert sind. Er fordert mehr Kommunikation mit der Bevölkerung, um deren Bedürfnisse besser zu verstehen. Joschka von Polenz (SPD) lobt die innovativen Ideen, die während der Plena entstehen, und berichtet von Workshops, in denen Maßnahmen für sozialen Klimaschutz diskutiert werden. Es ist inspirierend zu sehen, wie die Jugend aktiv mitgestaltet.
Herausforderungen und Lösungen
Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Die Diskussion über die Nutzung des RAW-Geländes, wo kulturelle Angebote und Jugendclubs existieren, ist ein heißes Eisen. Eine Investorengruppe plant den Bau von Büros und Wohnungen, was die Jugendlichen kritisch betrachten. Viele Jugendclubs sind unterfinanziert und müssen Programme kürzen. Emma wünscht sich mehr Orte ohne Konsumdruck, wie gemütliche Cafés, wo man einfach mal abhängen kann. Das eingezäunte Görlitzer Park (Görli) ist ein weiteres Beispiel für den Widerstand gegen die Schließung von Freiräumen, die für viele Jugendliche von großer Bedeutung sind. Die Initiative „Görli zaunfrei“ setzt sich aktiv für eine Öffnung ein.
Die Zusammenarbeit mit dem wannseeFORUM und der Servicestelle Jugendbeteiligung hat im Jahr 2023 an Bedeutung gewonnen. Es gibt neue Impulse und Initiativen zur Gründung weiterer Kinder- und Jugendgremien. Höhepunkte des Jahresprogramms umfassen Reisen und Workshops für die Beteiligung junger Menschen. Ein Thementag, den Jugendliche selbst gestalten, ist für 2024 geplant. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.
Insgesamt zeigt sich, dass die Jugend in Friedrichshain-Kreuzberg trotz aller Herausforderungen bereit ist, aktiv zu werden und ihre Stimme zu erheben. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich die Situation nach den Wahlen entwickeln wird. Vielleicht wird das JuKG auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen, um die Anliegen der jungen Menschen in die politischen Entscheidungsprozesse einzubringen. Für viele ist es ein erster Schritt in die politische Beteiligung – und das macht Hoffnung!
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