In Berlin gibt es eine Rentnerin, die sich auf ein ganz besonderen Abenteuer eingelassen hat. Renate Zimmermann, 66 Jahre alt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das gesamte Straßennetz der Hauptstadt zu erkunden. Ihre Mission ist nichts weniger als das Abwandern aller 11.500 Straßen, was eine Strecke von etwa 5.400 Kilometern umfasst. Seit 1989 lebt sie in Marzahn-Hellersdorf und scheint fest entschlossen, Berlin aus einer völlig neuen Perspektive kennenzulernen. Inspiriert von einem Artikel über einen Mann, der alle Straßen in New York abgelaufen ist, startete sie ihr eigenes Projekt. In ihrem Blog dokumentiert sie ihre Erlebnisse und hat bereits über 600 Straßen gesammelt. Das klingt nach einer richtig spannenden Herausforderung!
Zimmermann geht zweimal pro Woche – dienstags und donnerstags – spazieren und nutzt dabei eine App, die ihre zurückgelegte Strecke festhält. Auf ihren Erkundungstouren hat sie nicht nur die Möglichkeit, die Stadt besser kennenzulernen, sondern auch mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. Sie ist nicht allein mit ihrem Vorhaben; es gibt eine weltweite Gemeinschaft von Menschen, die ähnliche Projekte verfolgen. Vielleicht wird sie sogar ihre gesammelten Erfahrungen in einem Buch festhalten. Und das ist noch nicht alles – sie war 35 Jahre lang Bibliothekarin und hat in den Bibliotheken von Marzahn und Hellersdorf zahlreiche Veranstaltungen organisiert. Nach ihrer Pensionierung suchte sie nach einer neuen Beschäftigung und fand das Wandern als ihre Leidenschaft.
Urban Hiking in Berlin
Das, was Renate Zimmermann tut, passt perfekt in den Trend des Urban Hiking. Diese Form des Wanderns verbindet sportliche Betätigung mit der Erkundung von Stadtvierteln und Sehenswürdigkeiten. Das Besondere daran? Man entdeckt die Städte abseits der üblichen Touristenpfade. In Berlin hat man die Möglichkeit, auf über 160 Kilometern den Verlauf der ehemaligen Mauer in 14 Etappen zu erkunden oder auch über die 20 „Grünen Hauptwege“ zu wandern. Diese Wanderungen bieten nicht nur eine sportliche Betätigung, sondern auch überraschende Perspektiven auf die Stadt.
In anderen deutschen Städten hat das Urban Hiking ebenfalls Einzug gehalten. Der Regionalpark RheinMain ist hier ein Vorreiter mit einem Wanderguide, der acht Touren zwischen 11 und 15 Kilometern anbietet. In Nordrhein-Westfalen gibt es neue Routen, die durch ehemalige Fabrikareale führen – zum Beispiel im Duisburger Landschaftspark-Nord. In Paderborn wurde sogar eine 12-Kilometer lange Strecke als erste „Qualitäts-Stadtwanderung“ zertifiziert. Das zeigt, dass das Wandern in der Stadt immer beliebter wird und auch eine tolle Möglichkeit ist, die Umgebung zu erkunden.
Insgesamt ist das Projekt von Renate Zimmermann nicht nur ein persönliches Abenteuer, sondern auch ein kleiner Beitrag zu einem größeren Trend, der auch bei uns in Österreich immer mehr Menschen begeistert. Urban Hiking könnte der Schlüssel sein, um Städte neu zu entdecken, und wer weiß, vielleicht inspiriert Renate Zimmermann ja auch andere, ihre eigene Umgebung näher zu erkunden. Ihre Begeisterung für das Wandern und das Entdecken von Berlin könnte der Anstoß für viele sein, sich selbst auf die Socken zu machen und die Straßen ihrer Stadt zu erkunden.