Heute ist der 29.05.2026, und die Vorfreude auf die offizielle Übergabe des neuen Mahnmals für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas wächst in Berlin-Mitte. Im Juni 2023 beschloss der Deutsche Bundestag die Schaffung dieses Gedenkortes, das im malerischen Großen Tiergarten seinen Platz gefunden hat. Die Bronzestele, die erst kürzlich aufgestellt wurde, hat eine beeindruckende Höhe von fast fünf Metern und wiegt etwa 12,4 Tonnen. Der Künstler Matthias Leeck, der seit sechs Jahren in Berlin lebt und selbst Zeuge Jehovas ist, hat die Stele entworfen. Es ist interessant zu bemerken, dass seine Vorfahren nicht von Verfolgung betroffen waren. Die Stele, die von einer Spezial-Metallbau-Firma aus dem Sauerland produziert wurde, wird durch ihre Bronzelegierung, die anfänglich rötlich schimmert, mit der Zeit eine Patina entwickeln.
Der Standort des Mahnmals, umgeben von der Natur des Tiergartens, wurde bewusst gewählt. Leeck wollte, dass sich die Stele harmonisch in die Umgebung einfügt und sie als „Zeitstempel“ und „Fußspuren der Geschichte“ verstanden wird. In der Tat ist der Kontext dieser Errichtung tiefgründig. Die Zeugen Jehovas wurden in Deutschland seit 1933 und ab 1938 in ganz Europa systematisch verfolgt. Ihre Weigerung, den Hitler-Gruß zu zeigen, sich in staatliche Organisationen einzugliedern oder Kriegsdienst zu leisten, führte zu ihrer Stigmatisierung. Fast 14.000 Zeugen Jehovas wurden inhaftiert – darunter 4.200 in Konzentrationslagern, wo sie mit einem „lila Winkel“ gekennzeichnet wurden. Unfassbare 1.750 von ihnen verloren ihr Leben.
Ein bewegendes Gedenken
Die offizielle Übergabe des Mahnmals ist für den 24. Juni 2026 geplant, und es wird erwartet, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner und Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, anwesend sein werden. Die Erklärtafel, die das Mahnmal näher erläutern soll, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angebracht. Dennoch hat die Stele bereits viele Passanten angezogen und gibt Anlass zu wichtigen Gesprächen über die dunkle Geschichte, die hinter der Verfolgung der Zeugen Jehovas steht. Besonders denkwürdig ist, dass am 22. August 1936 eine Verhaftungsaktion der Gestapo am Goldfischteich im Berliner Tiergarten stattfand, bei der führende Zeugen Jehovas inhaftiert wurden. Dieses Mahnmal ist somit nicht nur ein Kunstwerk, sondern auch ein Ort des Gedenkens und des Lernens über die Vergangenheit.
Die Stele selbst ist ein eindrucksvolles Symbol für die Opfer und die Überlebenden der Verfolgung. Sie wird zum stillen Zeugen einer Geschichte, die nicht in Vergessenheit geraten darf. Man kann nur hoffen, dass dieses Mahnmal viele Menschen dazu inspiriert, sich mit den Lehren der Geschichte auseinanderzusetzen und die Werte von Toleranz und Respekt zu fördern. Es ist eine Erinnerung daran, dass Freiheit und Menschenrechte nicht selbstverständlich sind und dass wir stets wachsam sein müssen, um ähnliche Gräueltaten in der Zukunft zu verhindern.
