Am 1. Mai wurde die Görlitzer Brücke in Berlin von der Polizei gesperrt. Das geschah keineswegs ohne Grund. Die Situation rund um den Görlitzer Park in Kreuzberg hat sich zugespitzt. Überfüllte Wiesen und ein unkontrollierter Zustrom von Menschen aus Alt-Treptow haben die Behörden alarmiert. Es könnte sein, dass diese Sperrung bald zum Dauerzustand wird. Und das stellt nicht nur die Verkehrssicherheit auf den Prüfstand, sondern wirft auch Fragen nach den Erholungsmöglichkeiten der Bevölkerung auf.
Ein ganz entscheidender Faktor in dieser Geschichte ist die Kündigung des Pachtvertrags durch die Deutsche Bahn zum 30. Juni. Dieser Vertrag, der seit 1993 – oder laut Bezirk seit August 1994 – die öffentliche Nutzung der Görlitzer Brücke und drei weiterer Brücken regelt, wurde aufgrund von Korrosionsschäden beendet. Diese Schäden sind nicht unerheblich. Feuchtigkeit und der Radweg des Bezirks haben die Korrosion der Brücken noch beschleunigt, was zur Sperrung führte. Bürgermeister Oliver Igel hat sich besorgt über die Erholungsmöglichkeiten geäußert, während Verkehrsstadträtin Claudia Leistner eine Zwischenlösung fordert und die Übernahme der Flächen durch das Land Berlin möchte.
Die Brücken und ihre Bedeutung für die Stadtteile
Die Görlitzer Brücke und die anderen drei Brücken sind Überbleibsel der stillgelegten Görlitzer Bahn, die 1967 abgerissen wurde. Politische Vertreter befürchten, dass die Schließung der Brücken nicht nur die Verkehrssicherheit gefährdet, sondern auch zu einer sozialen und städtebaulichen Trennung zwischen Kreuzberg und Treptow führen könnte. Es haben bereits Gespräche über eine mögliche Übernahme durch das Land Berlin stattgefunden, doch bisher waren diese erfolglos. Die Deutsche Bahn hat sogar angeboten, die Brücken kostenlos abzugeben, aber das hat sich als schwieriger herausgestellt als gedacht.
Die Sorgen um den Görlitzer Park sind nicht unbegründet. Ab Juli 2026 soll er wegen Sicherheitsbedenken geschlossen werden, was die Situation weiter zuspitzt. Politische Vertreter befürchten, dass diese Schließung zu einem Anstieg der Kriminalität im Park führen könnte. Viele Berliner könnten sich schlichtweg nicht an die Sperrung halten – das ist ehrlich gesagt ein berechtigter Punkt. Die Klärung der Zuständigkeit und die Finanzierung der Instandhaltung der Brücken stehen im Fokus der Diskussionen. Wie also soll es weitergehen?
Ein landesweites Problem
Die Situation im Görlitzer Park spiegelt ein weit größeres Problem wider: bundesweit gelten zehntausende Brücken als sanierungsbedürftig. Schätzungen zufolge gibt es rund 130.000 Brücken in Deutschland, viele in einem besorgniserregenden Zustand. Aktuelle Brückenprüfungen finden alle sechs Jahre statt und bewerten den Zustand auf einer Skala von 1,0 bis 4,0. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung ist die Rahmedetal-Brücke, die nach einer Sperrung zügig neu gebaut wurde. Man fragt sich: Warum nicht auch hier?
Für die Erhaltung der Autobahnbrücken wurden im Bundeshaushalt 2025 stolze 2,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Allerdings ist es entscheidend, wie diese Mittel priorisiert und verwendet werden. Ingenieure arbeiten an neuen Monitoring-Technologien mit Glasfaserkabeln, um Risse und Schäden frühzeitig erkennen zu können. Ein Brückenprognose-Tool wird entwickelt, um Städten und Kommunen bei der Instandhaltung zu helfen. Aber das alles braucht Zeit und Planung – und die hat man oft nicht, wenn es um die Verkehrssicherheit geht.
Die Lage ist angespannt und die Zukunft der Görlitzer Brücke sowie der dazugehörigen Infrastruktur bleibt ungewiss, während die Menschen in Treptow-Köpenick und Kreuzberg darauf warten, dass eine Lösung gefunden wird. Die Frage ist, wie lange sie noch warten müssen.