In Bergedorf, einem Stadtteil von Hamburg, steht die umstrittene Ditib-Gemeinde erneut im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das geplante Fest auf dem Frascatiplatz darf trotz aller Bedenken stattfinden, wie das Bezirksamt nach Gesprächen mit den Veranstaltenden entschied. Ursprünglich hatten die Organisatoren mit dem Auftritt von Hasspredigern geworben, was die Bergedorfer FDP zu scharfer Kritik veranlasste. Sonja Jacobsen von der FDP und der Islamismusexperte Eren Güvercin machten diese Werbung öffentlich, was schließlich zur Ausladung von sieben Gastrednern und Predigern führte. Das Bezirksamt unterstrich in diesem Zusammenhang, dass antisemitische oder islamistische Positionen auf dieser Veranstaltung nicht akzeptiert werden können.

Die Ditib-Gemeinde selbst versicherte, dass die kritisierten Personen nicht am Fest teilnehmen werden. Dennoch bleibt die Skepsis groß – insbesondere weil beim Fest ein Influencer auftreten soll, dem Hamas-Propaganda vorgeworfen wird. Die Bergedorfer FDP fordert weiterhin eine vollständige Absage des Festes. Für viele Beobachter ist die Situation symptomatisch für die Herausforderungen, die Hamburg in Bezug auf Islamismus und Antisemitismus zu bewältigen hat.

Kritik an den Kulturtagen der Ditib

Die Kulturtage der Ditib stehen nicht nur in Bergedorf in der Kritik. Auch in der breiteren Öffentlichkeit wird immer wieder über die Verbindungen des Verbands zur türkischen Religionsbehörde Diyanet diskutiert. Auf dem Veranstaltungsplakat wird mit dem Logo der YTB geworben, einer Behörde, die dem Präsidialamt in Ankara untersteht und für die Diasporapolitik der Türkei zuständig ist. Fedayi İleri, der Vorsitzende der Ditib Bergedorf, hat bereits als Assistent der Geschäftsführung des Landesverbands Ditib Nord für Aufsehen gesorgt.

Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass ein Protestcamp am Dammtor-Bahnhof eingerichtet wurde, was für die Jüdische Gemeinde in Hamburg Anlass zur Sorge gibt. Der frühere Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel äußerte, dass Antisemitismus in Hamburg relativiert werde. In diesem Zusammenhang fordert die Jüdische Gemeinde, das Protestcamp an einen anderen Ort zu verlegen. Die Versammlungsbehörde hat bereits die Nutzung der Moorweide untersagt und einen alternativen Standort im Sternschanzenpark vorgeschlagen.

Die Rolle von DITIB im deutschen Islam

DITIB ist der größte Moscheeverband in Deutschland, mit rund 980 Moscheen im ganzen Land. Die Verbindungen zur türkischen Religionsbehörde Diyanet stehen immer wieder in der Kritik. Das Bundesinnenministerium sieht die Zusammenarbeit mit DITIB als gefährdet an, insbesondere nach problematischen Äußerungen von Ali Erbaş, dem ehemaligen Vorsitzenden der Diyanet. Er hatte in der Vergangenheit Israel stark kritisiert und das „zionistische Regime“ beschuldigt, Völkermord zu begehen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Im Jahr 2023 wurde ein Abkommen zwischen der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser und DITIB geschlossen, das die Ausbildung von bis zu 100 Imamen pro Jahr in Deutschland zum Ziel hat. Dieses Projekt wird als Versuch gewertet, die türkisch entsandten Imame abzulösen. Das Innenministerium hat bereits über 450.000 Euro in dieses Vorhaben investiert und betont, dass die Zusammenarbeit nur dann weitergehen kann, wenn ein Bekenntnis zur Werteordnung des Grundgesetzes erfolgt, das auch gegen Antisemitismus und Islamismus gerichtet ist.

Die Diskussion um DITIB und das geplante Fest in Bergedorf wirft grundlegende Fragen auf. Fragen, die nicht nur die lokale Politik betreffen, sondern auch die gesamte Gesellschaft in Deutschland. Wie gehen wir mit extremistischen Tendenzen um? Wie schaffen wir es, eine offene und tolerante Gesellschaft zu leben, ohne dabei die Augen vor problematischen Entwicklungen zu verschließen? Diese Fragen werden auch die kommenden Tage und Wochen begleiten.