Am 27. April 2026 wurde in Hamburg eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: Teile des verschwundenen Paternosters, des ältesten Paternosters der Welt, wurden im Flüggerhaus am Rödingsmarkt gefunden. Diese Aufzüge aus dem Jahr 1908 sind nicht nur technische Relikte, sondern auch ein Stück Geschichte, das unter Denkmalschutz steht. Die gefundenen Teile, darunter Zahnräder und weitere Komponenten, wurden in Containern vor dem Flüggerhaus entdeckt, wie Fotos und Videos zeigen.

Die Polizei sowie die Denkmalschutzbehörde haben umgehend Ermittlungen aufgenommen, nachdem die Container am Sonntagabend geöffnet wurden. Bei einer Ortsbegehung am Montagnachmittag waren sowohl die Denkmalschutzbehörde als auch die Polizei anwesend. Restaurator Patric Wagner, der bereits zuvor mit der Aufbereitung des Paternosters beschäftigt war, erkannte Teile auf den Fotos und bemerkte, dass diese ordentlich eingelagert wurden und möglicherweise wieder einbaufähig sind.

Rechtsstreit um den Paternoster

Der Paternoster wurde offenbar rechtswidrig aus dem Flüggerhaus entfernt, wie der Eigentümer Harm Müller-Spreer zunächst behauptete, nichts mit dem Ausbau zu tun gehabt zu haben. In einem späteren Interview gab er jedoch zu, Teile, die nicht mehr in Betrieb waren, ausgebaut zu haben. Müller-Spreer behauptete, nur eine Paternoster-Ruine vorgefunden zu haben, was das Denkmalschutzamt und die Sanierungsfirma entschieden widersprechen. Diese haben den Zustand des Fahrstuhls bei früheren Begehungen in besserer Erinnerung.

Es ist bemerkenswert, dass es keinen Antrag auf den Ausbau des Paternosters gab. Dies führte dazu, dass das Denkmalschutzamt ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Eigentümer ankündigte. Juristisch könnte Müller-Spreer ein Bußgeld von bis zu 500.000 Euro drohen. Die Hamburger Polizei hat die Ermittlungen in diesem ungewöhnlichen Fall aufgenommen, in dem nicht nur historische Werte auf dem Spiel stehen, sondern auch rechtliche Konsequenzen für den Eigentümer.

Ein historisches Erbe in Gefahr

Der Paternoster war seit seiner Stilllegung im Jahr 1979 in Vergessenheit geraten. Erst 2018 wurde er von einem Kunsthistoriker hinter einer Verschalung wiederentdeckt. Restaurator Wagner und sein Team haben mehr als 2.500 Arbeitsstunden für die Sanierung des Aufzugs investiert, was die Bedeutung dieses historischen Erbes unterstreicht. Dennoch bleibt unklar, wer den Paternoster ausgebaut hat und was genau mit den Teilen geschehen ist.

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Besonders tragisch ist die Tatsache, dass ein Investor plant, Hamburg ein Haus für eine Ausstellung zum Gedenken an die von den Nazis deportierten Menschen zu schenken. Doch dieses Vorhaben kommt nicht wie zugesagt voran, was die ohnehin angespannte Lage in der Stadt weiter kompliziert.

Die Situation rund um den Paternoster wirft Fragen auf, die weit über die rechtlichen Aspekte hinausgehen. Es ist ein Beispiel dafür, wie historische Werte geschützt werden müssen, um sie für zukünftige Generationen zu bewahren. Die Hamburger Behörden stehen vor der Herausforderung, nicht nur das kulturelle Erbe zu sichern, sondern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die kommenden Monate könnten entscheidend für den Ausgang dieser Geschichte sein.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Berichterstattung des NDR.