Heute ist der 6.05.2026 und wir blicken auf das 2MR-Festival in Hamburg, wo Carsten Brosda, der Medienpolitiker der SPD, eine durchaus kontroverse Meinung zu den aktuellen Debatten rund um Social Media geäußert hat. Mit Nachdruck bezeichnete er ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche als eine Art politische Kapitulationserklärung. „Das Ausschließen dieser Altersgruppe von Social Media ist ein Zeichen dafür, dass die Plattformen nicht kindgerecht gestaltet werden können“, so Brosda. Es ist bemerkenswert, dass er die Schwierigkeiten älterer Generationen mit digitalen Technologien hervorhebt, während Kinder und Jugendliche oft als die Digital Natives gelten. Wer hätte gedacht, dass die Jüngeren in dieser Hinsicht die Vorreiter sein würden?

Brosda kritisiert die Zentralisierung des Internets durch den Kapitalismus, was die Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle zwar erleichtert, aber auch die Vielfalt der Inhalte gefährdet. Er vergleicht die heutigen Social-Media-Plattformen mit den alten, klassischen Massenmedien, stellt jedoch fest, dass deren Inhalte oft von geringerer Qualität sind. Ein aufmerksames Publikum kann hier sicher zustimmen. „Wir brauchen gemeinwohlorientierte, dezentrale Alternativen“, fordert Brosda, während er gleichzeitig auf die Notwendigkeit besserer Medienkompetenz und einer effektiveren Regulierung der großen Plattformen hinweist. Ein Punkt, den viele Experten teilen.

Medienkompetenz als Schlüsselkompetenz

Im Hintergrund dieser Diskussion wird auch die Rolle der Medienkompetenz immer wichtiger. Experten sind sich einig, dass Medienkompetenz als zentrale Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts angesehen werden sollte. In einer Umfrage des ifo Bildungsbarometers 2025 geben 62% der Deutschen an, dass sie die Eltern in der Pflicht sehen, ihren Kindern den Umgang mit sozialen Medien beizubringen. Das ist ein interessanter Punkt, denn viele Eltern haben selbst oft unzureichende Kenntnisse darüber, welche digitalen Inhalte ihre Kinder konsumieren.

Das Thüringer Schulportal hat einen Rahmenplan zur Medienkompetenz entwickelt, der speziell für die Sekundarstufe 1 (5.-10. Klasse) gedacht ist. Dabei wird Medienkompetenz in sechs Bereiche unterteilt: vom Suchen und Verarbeiten von Informationen über das Kommunizieren unter Berücksichtigung von Netiquette, bis hin zum Produzieren und Präsentieren von Medienprodukten. Auch das Verständnis von Algorithmen und die Reflexion der eigenen Mediengewohnheiten kommen nicht zu kurz. Es wird deutlich, dass eine strukturierte Medienbildung in Deutschland oft noch unzureichend umgesetzt wird.

Internationale Perspektiven

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Länder wie Finnland, Dänemark und die Niederlande in Sachen Medienkompetenz weit vorne liegen. Während Finnland Medienkompetenz bereits seit über zehn Jahren in den Schulalltag integriert hat, bleibt Deutschland auf Platz 11 im Media Literacy Index zurück. Das ist schon ein bisschen peinlich, wenn man bedenkt, dass die USA nicht einmal in der Spitzengruppe vertreten sind. In einigen südosteuropäischen Ländern hingegen ist die Gefahr von Desinformation besonders hoch – ein klarer Weckruf für alle, die sich um die digitale Zukunft kümmern.

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Brosda bedauert, dass soziale Medien ursprünglich öffentlich-rechtlich hätten aufgebaut werden sollen, was die Diskussion um eine schnellere Regulierung in Deutschland und Europa weiter anheizt. Eine international abgestimmte Regulierung scheint jedoch mit der aktuellen US-Regierung eher ausgeschlossen. „Ich hoffe auf bessere Gesprächspartner in zwei Jahren“, sagt er optimistisch. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier wirklich etwas bewegen lässt.

Die Herausforderungen sind zahlreich und die Diskussionen darüber, wie Kinder und Jugendliche im digitalen Zeitalter geschützt und gleichzeitig gefördert werden können, sind dringlicher denn je. Brosdas Forderungen und die Meinungen der Experten zeigen, dass es an der Zeit ist, aktiv zu werden. Es braucht mehr als nur leere Versprechen – die künftige Generation verdient eine sichere und kreative digitale Umgebung.