Heute ist der 16.05.2026 und in Hamburg sind die Landungsbrücken ein Ort des Geschehens. Dort startete am Nachmittag eine pro-palästinensische Demonstration, die anlässlich des Nakba-Tages, dem Gedenken an die Flucht und Vertreibung der Palästinenser, organisiert wurde. Die Veranstalter, ein Protest-Camp an der Moorweide, hatten mit rund 10.000 Teilnehmern gerechnet, die Polizei zählte jedoch nur bis zu 1.100. Unter den Demonstranten waren auch einige, die iranische Flaggen trugen, was die Stimmung noch weiter aufheizte. Parolen wie „Viva, viva Palästina“ und „Kriegsverbrecher vor Gericht“ hallten durch die Straßen, während die Polizei darauf vorbereitet war, linksextremistische Gruppen zu begegnen, die laut Verfassungsschutz erwartet wurden.
Die Abschlusskundgebung fand schließlich an der Moorweide statt, wo sich mehrere hundert Teilnehmer versammelten. Interessant war, dass es eine Gegenkundgebung am Jungfernstieg gab, die mit rund 40 Personen deutlich kleiner ausfiel. Diese hielten Israel-Fahnen und Transparente gegen Antisemitismus hoch. Um eine Konfrontation zwischen den beiden Lager zu vermeiden, trennte die Polizei die Demonstration von der Gegenkundgebung. Das war wohl auch gut so, denn Verkehrsprobleme durch die Fans des FC St. Pauli und andere Demonstrationen waren bereits in der Stadt zu spüren.
Protest mit kontroversen Hintergründen
Der Nakba-Gedenktag, der an die Flucht und Vertreibung von Palästinensern während des Palästinakriegs (1947-1949) erinnert, hat eine lange Tradition. In Berlin kam es bei ähnlichen Gedenkveranstaltungen zu Tumulten, die 56 Festnahmen und Verletzte, darunter zehn Polizeibeamte, nach sich zogen. In Hamburg hingegen verlief die Demonstration weitgehend friedlich, was von der Polizei auch so erwartet wurde.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Rote Flora in der Sternschanze, die auf der Route der Demonstration liegt. Diese hat sich in der Vergangenheit solidarisch mit Israel positioniert und die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 verurteilt. Die Flora forderte die Freilassung aller israelischen Geiseln aus dem Gazastreifen, was nicht gerade zur Beruhigung der Pro-palästinensischen Aktivisten beiträgt, die der Flora Ausgrenzung und Rassismus vorwerfen. Der Konflikt zwischen beiden Lagern spitzte sich im Mai 2022 zu, als Palästina-Aktivisten die Rote Flora besetzten. Die Rote Flora selbst äußerte sich kürzlich solidarisch mit Israel und hat auf ihrem Instagram-Account „flora_fuer_alle“ den Demo-Aufruf veröffentlicht.
All das zeigt, wie tief die Gräben zwischen den verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Lagern in Hamburg sind. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird, besonders in Anbetracht der aktuellen Spannungen im Nahen Osten.