Heute ist der 11.05.2026, und ich möchte euch eine Geschichte aus dem Vogelsbergkreis erzählen, die ganz besonders ist. Jens Kebernik, 50 Jahre alt, ist der einzige Tagesvater in dieser Region. Seit Januar 2024 arbeitet er in der „Villa Erna“, einer Großtagespflege, die er gemeinsam mit seiner Partnerin Tatjana Sych betreibt. Diese Einrichtung hat nicht nur eine wichtige Funktion, sondern auch eine persönliche Geschichte – sie gehörte früher Keberniks Großeltern. In der „Villa Erna“ können bis zu zehn Kinder betreut werden, was eine familiäre Atmosphäre schafft, die sowohl für die Kleinen als auch für die Erwachsenen von Bedeutung ist.

Kebernik ist ein ganz schöner Glücksfall für die Gemeinde. In der gesamten Region gibt es laut aktuellen Zahlen 42 Kindertagespflegepersonen, die insgesamt 166 Kinder betreuen (Stand: 1. März). Die Betreuung konzentriert sich überwiegend auf die Altersgruppe von ein bis drei Jahren, ist aber auch für Kinder bis 14 Jahre möglich. Eine Tagespflegeperson darf maximal fünf Kinder gleichzeitig betreuen, was die Arbeit von Kebernik und Sych umso bemerkenswerter macht.

Ein Mann in der Kindertagespflege

Es gibt nicht viele Männer in der Kindertagespflege, und genau das hat Kebernik während der Corona-Zeit dazu bewegt, in den Beruf zu wechseln. Er erlebte den Arbeitsalltag seiner Partnerin und entschloss sich, vollzeit in die Kindertagespflege einzusteigen. Jetzt kann man ihn als „Babynator“ bezeichnen – und das mit gutem Grund! Seine positive Erfahrung als männlicher Tagesvater ist ermutigend, zumal der aktuelle Anteil männlicher Erzieher in Deutschland bei nur 2,4% liegt. In Städten wie Bremen oder Hamburg ist der Anteil zwar höher, doch insgesamt ist der Beruf stark von Frauen geprägt.

Die beiden Partner arbeiten eng zusammen, teilen sich die Aufgaben flexibel und legen großen Wert auf eine enge Bindung zu den Kindern. Kebernik begleitet die Kleinen über mehrere Jahre und sorgt dafür, dass sie in einer Umgebung aufwachsen, die von Geduld, Einfühlungsvermögen und Freude geprägt ist. Morgens wird zusammen gefrühstückt, und die Kinder verbringen viel Zeit im Freien – auf dem großen Hof der „Villa Erna“. Auch Nachbar Dieter, 83 Jahre alt, bringt regelmäßig Obst und Gemüse oder selbst gebackene Plätzchen vorbei. Ein schöner Nachklang zu einem erfüllten Tag!

Ängste und Vorurteile

Natürlich gibt es auch Herausforderungen, die mit der Arbeit eines männlichen Erziehers verbunden sind. Während es Forderungen nach mehr männlichen Erziehern von Frühpädagogen und der Bundesregierung gibt, haben viele Eltern Bedenken. Besonders in Bezug auf mögliche Missbrauchsängste – eine Berliner Studie zeigt, dass jeder fünfte Elternteil über solche Themen nachdenkt. Experten warnen jedoch davor, in Panik zu verfallen, und betonen, dass nicht jeder Mann mit solchen Neigungen zum Täter wird. Offenheit zwischen Eltern und Kitas wird empfohlen, um Bedenken zu klären und Vertrauen aufzubauen.

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Die „Villa Erna“ ist ein Ort, an dem diese Ängste nicht im Vordergrund stehen. Kebernik selbst hat noch nie negative Rückmeldungen von Eltern erhalten. Er bringt eine gewisse Leichtigkeit in die Arbeit und zeigt, dass Männer in diesem Bereich auch besondere Qualitäten mitbringen können. Ein Beispiel ist Susanne, ein fünfjähriges Mädchen, das durch einen männlichen Erzieher positive Erfahrungen gemacht hat. Solche Geschichten sind wichtig, um das Bild der männlichen Erzieher in der Öffentlichkeit zu stärken.

Die Ansprüche an Tagesvater und Tagesmutter sind nicht zu unterschätzen. Eine Erlaubnis des Jugendamts, Qualifizierung, ein erweitertes Führungszeugnis und ein Erste-Hilfe-Kurs am Kind sind notwendig. Zudem ist ein vollständiger Masernschutz erforderlich, und die Räumlichkeiten müssen geeignet sein. Kebernik hat sich an die körperlichen Begleiterscheinungen gewöhnt, die mit der Arbeit in der Tagespflege einhergehen – häufige Erkältungen und andere Kita-Infekte gehören da dazu. Aber das ist es ihm wert.