In Mecklenburg-Vorpommern brodelt es! Die AfD plant, vor der Landtagswahl am 20. September ein internes Regierungsprogramm zu verabschieden. Ein zentrales Anliegen der Partei ist es, die traditionelle „Volkskunst“ zu fördern und ideologisch motivierte Projekte zu überprüfen. Hierbei wird besonders die „niederdeutsche Volkskunst“ und die plattdeutsche Sprache in den Fokus gerückt. Diese Bestrebungen sind nicht nur ein Ausdruck von politischem Ehrgeiz, sondern auch ein Versuch, die kulturelle Identität der Region zu stärken und historische Genauigkeit zu wahren. Thore Stein, der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion, äußerte sich kritisch über moderne Kunst und deren Verständnis in der Gesellschaft, was bei vielen Künstlern in der Region Sorgen auslöst. Sie befürchten, dass ihre Arbeit unter den neuen politischen Strömungen leiden könnte, insbesondere durch mögliche Kürzungen bei Fördergeldern.
Die Umfragen zeigen eine klare Tendenz: Die AfD kommt auf etwa 36 Prozent Zustimmung, gefolgt von der SPD mit 27 Prozent und der CDU mit nur 10 Prozent. Dies lässt die Möglichkeit einer AfD-Minderheitsregierung immer wahrscheinlicher erscheinen. Katharina Husemann von Schloss Bröllin weist darauf hin, wie wichtig Förderungen für kulturelle Projekte sind, während Birte Bernstein vom Landesverband Freie Darstellende Künste warnt, dass Kürzungen die Arbeit ihres Verbands erheblich beeinträchtigen würden. Auch Hans-Georg Wegner, Intendant des Mecklenburgischen Staatstheaters, hebt die Gefahr der Einschränkung der Kunstfreiheit durch die AfD hervor.
Ein Blick auf die Architektur
Ein weiteres Thema, das die Wellen schlägt, ist der architektonische Stil, den die AfD favorisiert. Sie lehnt modernen Baustil ab und fordert einen „architektonischen Heimatstil“ für öffentliche Bauten. Christoph Meyn, Präsident der Architektenkammer, kritisiert die politischen Zieldefinitionen in der Baukultur als einseitig und wenig zukunftsorientiert. Zudem wirft die AfD der rot-roten Landesregierung vor, die Gesellschaft durch Multikulturalismus ersetzen zu wollen. Diese Aussagen sind nicht ohne Brisanz, denn sie betreffen nicht nur die Kunst, sondern das gesamte kulturelle Klima in Deutschland.
Im Bildungsbereich fordert die AfD eine Rückkehr zu traditionellen Lehrinhalten und lehnt „Frühsexualisierung“ ab. Sandra Astarás von der GEW kritisiert diese Vorschläge als falsch und gefährlich für die Bildungslandschaft. Es ist ein ständiges Ringen um den richtigen Kurs in der Bildungspolitik, und die AfD scheint hier ein ganz anderes Bild von Bildung zu zeichnen. Ihre Sichtweise auf Diversität und Integration ist ebenfalls bemerkenswert: Die AfD betrachtet Integration als Bringschuld von Migrant*innen, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt durchaus strapazieren könnte.
Die Kulturpolitik der AfD
Die AfD strebt an, durch ihre Kulturpolitik Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen, ohne dass gesellschaftlicher Wandel die Kulturarbeit beeinflusst. In ihrem Wahlprogramm werden allerdings kaum Verbindungen zwischen Kultur und größeren gesellschaftlichen Entwicklungen wie Diversität und Nachhaltigkeit gezogen. Stattdessen wird ein starker Fokus auf nationale Identität und eine kritische Haltung gegenüber dem Klimawandel gelegt. Klimaschutzmaßnahmen werden abgelehnt, was die staatliche Unterstützung für Kultureinrichtungen in der Zukunft gefährden könnte. Zudem plant die AfD, die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) abzuschaffen, was auch Kultureinrichtungen betreffen könnte.
Die AfD sieht sich selbst als Hüterin der deutschen Kultur und möchte die kulturpolitischen Aktivitäten des Bundes begrenzen. Wenn man sich die verschiedenen Aspekte anguckt – von der Ablehnung moderner Kunst bis hin zur Ausrichtung auf eine nationalistische Identität – wird deutlich, dass die Partei nicht nur eine politische Agenda verfolgt, sondern auch tief in die kulturellen Strukturen der Gesellschaft eingreifen möchte. Kunst und Kultur werden nicht als eigenständige Werte betrachtet, sondern als Mittel zur Stärkung dieser nationalistischen Identität.
Unter dem Strich bleibt abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. Die Künstler in Mecklenburg-Vorpommern stehen vor einer ungewissen Zukunft. Die Möglichkeit, dass die AfD weiter an Einfluss gewinnt, könnte weitreichende Folgen für die kulturelle Landschaft und die Kunstfreiheit haben. Wer weiß, vielleicht wird das ein Wendepunkt in der Kulturpolitik, den man sich merken sollte. Für weitere Informationen zur AfD in Mecklenburg-Vorpommern, siehe auch die offizielle Webseite afd-mv.de.
