Ein Abend voller vergessener Meisterwerke und Celloklänge in Delmenhorst
In Delmenhorst, wo die Stadtkirche am Mittwochabend ein ganz besonderes Konzert beherbergte, erfüllte die Musik die Luft mit einem Hauch von Nostalgie. Das Kammerorchester der Städtischen Musikschule hatte sich auf die Fahnen geschrieben, vergessene Werke zu präsentieren. Unter der Leitung von Leonard Trommel, der das Konzert auch moderierte, erlebten die Zuhörer eine Aufführung, die ganz im Zeichen des Cellos stand – und das nicht ohne Grund!
Der Abend begann mit der „Ouverture à grand orchestre“ von Justus Johann Friedrich Dotzauer, einem Cellisten und Komponisten, der von 1783 bis 1860 lebte. Geboren in Häselrieth, nahe Hildburghausen, wurde Dotzauer durch seinen Vater, einen Pastor, frühzeitig in die Welt der Musik eingeführt. Er spielte viele Instrumente, doch seine große Liebe galt dem Cello. Nach seiner Ausbildung und einer beeindruckenden Karriere, die ihn u.a. ins Gewandhausorchester nach Leipzig führte, hinterließ er ein reichhaltiges Werk, das bis heute erklingt. Der Kreis schloss sich mit der Darbietung seiner Ouvertüre, die den Zuhörern die klanglichen Möglichkeiten des Cellos näherbrachte.
Ein Abend für vergessene Meisterwerke
Im Anschluss folgten zwei Sätze aus dem „Quartett Es-Dur“ von Paul Wranitzki. Der Komponist, der von 1756 bis 1808 lebte, war bekannt für seine eingängigen Melodien und geschickte Kompositionstechnik. Die Bratschen von Karin Barkewitz und Mareike Mitlmeier, sowie das Violoncello von Simon Broda, füllten den Raum mit einem melodisch fließenden, rhythmisch bewegenden Adagio. Die darauf folgenden Menuett- und Trio-Sätze sprühten nur so vor tänzerischer Lebensfreude und klanglicher Balance – man könnte fast sagen, sie luden zum Tanzen ein!
Nach diesen lebhaften Klängen folgte die „Symphonie in B-Dur“ von Daniel Gottlob Türk, einem Komponisten des galanten Stils, der von 1750 bis 1813 lebte. Türk war bekannt dafür, dass er die Bedürfnisse an spielbarer Hausmusik erfüllte. Das Schlussallegro dieser Sinfonie wurde mit einem starkem semiprofessionellen Anspruch dargeboten und war ein echter Ohrenschmaus. Trommel führte das Ensemble dynamisch durch die Sätze und sorgte für ein präzises Zusammenspiel.
Ein Hauch von Broadway
Als krönenden Abschluss des Abends gab es ein Medley aus Leonard Bernsteins „West Side Story“. In diesem Stück zeigte sich die Spielfreude der Musiker und vermittelte ein Gefühl von Sentiment, das das Publikum sichtlich berührte. Auch die Zuhörer in der Stadtkirche waren zahlreich erschienen und belohnten die Darbietungen mit begeistertem Applaus – so viel Leidenschaft, so viel Hingabe!
Das Cello spielte an diesem Abend eine zentrale Rolle. Es ist nicht nur ein Fundament in der Kammermusik, sondern auch eine Quelle für Lyrik und Expressivität. Die Klangpalette reicht von warmen, tiefen Tönen bis hin zu eindringlichen Melodien. Vom Barock über die Klassik bis zur Romantik hat sich das Cello immer wieder neu erfunden. Besonders in der Klassik begann es, gleichberechtigt mit anderen Instrumenten zu musizieren. Und auch heute noch ist es ein unverzichtbarer Teil der klassischen Musikszene, wie dieser Abend eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Leonard Trommel und sein Kammerorchester schafften es, die Zuhörer auf eine musikalische Reise durch die Zeit mitzunehmen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Musik die Menschen verbindet und Emotionen weckt. In Delmenhorst hat dieses Konzert einmal mehr gezeigt, dass die Wiederentdeckung seltener Werke ein wertvoller Beitrag zur Kultur ist. Man darf gespannt sein, welche Schätze die nächste Aufführung bereithält!
Neues Design, maximale Performance: Wie gefällt Ihnen unsere neue Website?
Ein modernes Nachrichtenportal muss für alle Menschen zugänglich sein. Deshalb haben wir unser Magazin mit VeloCore konsequent nach WCAG 2.1 und BITV 2.0 entwickelt - die barrierefreie Umsetzung verantwortete Daniel Wom und VeloCore.
