Am Sonntag, dem 6. Juni 2026, erlebte die Delmenhorster Stadtkirche ein ganz besonderes Konzert. Sechs von insgesamt 15 „Rosenkranz-Sonaten“ des Komponisten Heinrich Ignaz Franz von Biber wurden aufgeführt. Diese bedeutenden Violinkompositionen des Barock, auch als Mysterien-Sonaten bekannt, thematisieren die Lebensgeschichte Jesu Christi – von der Geburt bis zur Himmelfahrt. Es war ein Abend voller Musik und tiefgründiger Texte, der die Zuhörer in eine andere Zeit entführte.

Die Musiker, Carla Linné an der Barockgeige, Johannes Löscher am Violoncello und Jörg Hitz am Cembalo und der Orgel, sorgten für ein lebendiges und mitreißendes Erlebnis. Zwischen den gespielten Sonaten las Oliver Hitz Evangeliumstexte, darunter Passagen aus dem Johannes-Evangelium, sowie Zitate des Dichters Wilfred Owen, die sich mit den Themen Krieg und Frieden auseinandersetzen. Diese Kombination von Musik und Texten verlieh dem Konzert eine zusätzliche, nachdenkliche Dimension.

Ein Blick auf die Rosenkranz-Sonaten

Die „Rosenkranz-Sonaten“ sind nicht nur musikalisch wertvoll, sondern auch historisch interessant. Sie sind in einem undatierten, kalligraphierten Manuskript überliefert, dessen Herkunft umstritten ist. Heutige Forschungen lehnen mehrheitlich die Annahme ab, dass es sich um Bibers Autograph handelt. Die Sonaten wurden zu seiner Lebzeit nie veröffentlicht, gerieten danach in Vergessenheit und wurden erst 1905 von Erwin Luntz erstmals herausgegeben. Ein wirkliches Comeback erlebten sie erst im Rahmen der historischen Aufführungspraxis, die seit den 1990er Jahren einen neuen Blick auf alte Meisterwerke ermöglicht.

Besonders hervorzuheben war die Passacaglia für Violine solo, die als „Schutzengel-Sonate“ bekannt ist. Jörg Hitz bezeichnete sie als besonders schön und die Zuhörer konnten sich dem nicht entziehen. Die Virtuosität der Musik, die dissonanten Harmonien und die rhythmische Freiheit faszinierten die Anwesenden. Carla Linné kam mit fünf verschiedenen Geigen auf die Bühne, um den speziellen Anforderungen der Skordatur gerecht zu werden. Johannes Löscher und Jörg Hitz bildeten zusammen ein lebendiges Continuo, dessen farbiger Celloklang und die wechselnden Instrumente die Musik noch mehr zum Leben erweckten.

Die visuelle Dimension der Musik

Was viele nicht wissen: Biber illustrierte die Sonaten mit Kupferstichen, die die Ereignisse von Weihnachten bis zur Himmelfahrt darstellen. Jedes Stück hat ein Medaillon, das das jeweilige Rosenkranzgeheimnis illustriert. Diese Verbindung von Musik und bildender Kunst macht die „Rosenkranz-Sonaten“ zu einem ganzheitlichen Erlebnis, das weit über den Klang hinausgeht. Übrigens, die Herkunft der Kupferstiche wurde 2008 in einem Flugblatt der Salzburger Rosenkranzbruderschaft von 1678 festgestellt – ein spannendes Detail, das die Verbindung zwischen Musik und Geschichte noch verstärkt.

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Die Stadtkirche in Delmenhorst bot mit ihrem eindrucksvollen Ambiente den perfekten Rahmen für dieses Konzert. Die Klänge der Barockgeige, des Cembalos und des Cellos erfüllten den Raum und berührten die Herzen der Zuhörer. Ein Abend, der lange in Erinnerung bleiben wird, nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen der tiefen, spirituellen Botschaft, die durch die Kombination von Klängen und Worten vermittelt wurde.

Für die Zukunft ist zu hoffen, dass die „Rosenkranz-Sonaten“ weiterhin an Bedeutung gewinnen und mehr Menschen die Gelegenheit haben, in diese faszinierende musikalische Welt einzutauchen. Die Faszination für Barockmusik ist ungebrochen, und mit Konzerten wie diesem wird sie lebendig gehalten. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich nicht scheuen, solche Veranstaltungen zu besuchen – sie sind eine wahre Bereicherung für die Seele.

Die vollständige Berichterstattung über das Konzert finden Sie unter Weser-Kurier.

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