Im Delme Klinikum Delmenhorst sorgt ein bevorstehender Vortrag für Aufregung und Interesse. Am Donnerstag, dem 21. Mai, wird die Oberärztin Aleksandra Kasperkiewicz um 18 Uhr im Blauen Salon des DKD die vielbeachtete Thematik „Frauenherzen schlagen anders“ behandeln. In ihrer Recherche hat Kasperkiewicz herausgefunden, dass Frauen bei Herzerkrankungen ganz andere Symptome zeigen als Männer – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die medizinische Versorgung ist oft nicht ausreichend auf diese Unterschiede eingestellt, was zu gefährlichen Diagnoselücken führen kann.

Die Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie hat sich intensiv mit den Besonderheiten der weiblichen Herzgesundheit auseinandergesetzt. Ihre Erkenntnisse sind alarmierend: Frauen zeigen Symptome wie schlechtes Sehvermögen, Schlafstörungen, Husten und sogar Kopfschmerzen, die auf Herzkrankheiten hindeuten können. Diese Anzeichen können oft Wochen oder Monate vor dem tatsächlichen Auftreten einer Herzkrankheit auftreten und werden häufig übersehen. Bluthochdruck und Herzinsuffizienz bezeichnet sie als „wahre Killer“. Umso wichtiger ist es, dass die Anamnese bei Frauen anders gestaltet wird. Kasperkiewicz fordert mehr spezifische Fragen vonseiten der Ärzte, um Herzerkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Die anatomischen Unterschiede

Das ist allerdings nicht alles – auch die anatomischen Merkmale von Frauenherzen spielen eine entscheidende Rolle. Frauenherzen sind im Durchschnitt kleiner und schlagen schneller als die von Männern. Während das männliche Herz etwa 350 Gramm wiegt und im Schnitt 60 Mal pro Minute schlägt, bringt das weibliche Herz nur etwa 250 Gramm auf die Waage und schlägt rund 70 Mal pro Minute. Diese Unterschiede sind nicht nur akademischer Natur, sondern haben direkte Auswirkungen auf die Behandlung. So benötigen Frauen angepasste Therapien, um Gefahren wie Herzinfarkte zu vermeiden, da sie oft andere Symptome zeigen, die in der medizinischen Praxis nicht sofort als alarmierend wahrgenommen werden. Rückenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen – alles Symptome eines Herzinfarkts, die bei Frauen häufig übersehen werden.

Kasperkiewicz geht sogar so weit, zu betonen, dass Frauen in der Rehabilitationsphase nach einem Herzinfarkt oft weniger aktiv sind als Männer. Nur etwa 30% nehmen Reha-Maßnahmen in Anspruch. Ein ernstzunehmendes Problem, das sich auch in der aktuellen medizinischen Praxis zeigt: Frauen mit Herzschwäche werden insgesamt weniger intensiv behandelt. Telemedizinische Überwachung kann hier eine Lösung darstellen, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern.

Der Aufruf zur Veränderung

Ein weiterer Punkt, der nicht in Vergessenheit geraten sollte, ist die Bedeutung der psychischen Belastungen, die bei Frauen die Symptome eines Herzinfarkts hervorrufen können – das sogenannte „Broken Heart Syndrome“ ist ein faszinierendes, aber ernstzunehmendes Phänomen. In ihrer Ansprache wird Kasperkiewicz auch auf die Notwendigkeit hinweisen, dass Ärzte sich mit den speziellen Bedürfnissen von Frauen auseinandersetzen, insbesondere in Bezug auf Hormone und Erkrankungen in den Wechseljahren. Es ist höchste Zeit, dass das Gesundheitswesen ein Umdenken vollzieht und die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Herzgesundheit anerkennt.

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In diesem Kontext wird auch auf die neuesten Empfehlungen eingegangen, die im Jahr 2025 veröffentlicht wurden. Ein internationales Expert:innengremium unter der Leitung der MedUni Wien hat konkrete Maßnahmen empfohlen, um die Therapie bei Frauen an ihre biologischen und klinischen Besonderheiten anzupassen. Dazu gehört unter anderem die individuelle Berechnung der Dosierung von Heparin und Plättchenhemmern sowie der bevorzugte Zugang über die Arterie am Handgelenk bei Katheterinterventionen. Die Sensibilisierung für Geschlechterunterschiede in der Kardiologie ist unabdingbar, um die Behandlungsergebnisse für Frauen nachhaltig zu verbessern.

Der Vortrag von Kasperkiewicz könnte also der Beginn eines wichtigen Dialogs sein, der nicht nur das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede schärft, sondern auch als Ausgangspunkt für zukünftige Forschungen dient. Ihre Hoffnung auf neue Referenzwerte für Frauen in der Herzmedizin könnte letztlich dazu führen, dass Frauen in der medizinischen Versorgung die Aufmerksamkeit erhalten, die sie dringend benötigen. Vielleicht dürfen wir in zehn Jahren auf Fortschritte zurückblicken, die wir heute kaum für möglich halten.