Im Delme-Klinikum Delmenhorst hat der Muttertag, der für viele als ein Tag der Feierlichkeiten gilt, eine ganz andere Bedeutung. Annika Wartberg, eine erfahrene Krankenschwester, arbeitet an diesem besonderen Tag im Frühdienst. Sie ist nicht nur eine engagierte Pflegekraft, sondern auch dreifache Mutter. Ihre Sicht auf den Muttertag ist geprägt von der Realität ihrer Arbeit im Krankenhaus, wo Rituale wie Frühstück ans Bett oder Geschenke oft nicht möglich sind.

Wartberg plant, ihre Familie nach der Arbeit zu überraschen. „Wertschätzung für Mütter sollte nicht nur an einem Tag im Jahr gebunden sein“, betont sie. Ihr Mann bringt ihr zwar jeden Morgen Kaffee ans Bett, aber Blumen zum Muttertag hält sie für übertrieben teuer. Statt Geschenke zu erwarten, möchte sie mit ihrer Familie eine Fahrradtour zu einem Restaurant unternehmen. Die kleinen Gesten, wie wenn ihr Mann Brötchen für sie und ihre Kollegen bringt, sind für sie eine Form der Wertschätzung, die im Alltag oft zu kurz kommt.

Ein Muttertag im Krankenhaus

Im Krankenhaus bleibt der Muttertag oft unbemerkt. Patientinnen erhalten meist nur einen kleinen Schokoladengruß, während viele ältere Frauen resigniert wirken und an diesem Tag wenig Besuch bekommen. Wartberg hat im Laufe ihrer 21 Jahre im Pflegeberuf viele solcher Szenen erlebt. Die echte Zuwendung fehlt oft im hektischen Arbeitsalltag. „Der Sonntag ist immer arbeitsintensiver, mit zusätzlichen Aufgaben wie Essensausgabe und Krankentransport“, erklärt sie. Da bleibt kaum Zeit für persönliche Zuwendung, was sie sehr bedauert.

„Es ist schade, dass der Muttertag oft überfrachtet wird, während die wertvolle Care-Arbeit das ganze Jahr über Anerkennung verdient“, kritisiert Wartberg. Sie wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse von Müttern, nicht nur an einem bestimmten Tag. Die Realität sieht so aus, dass die meisten Mütter Wertschätzung durch kleine Gesten im Alltag erfahren, aber nicht immer durch große Feierlichkeiten oder Geschenke. Ihre Erfahrungen spiegeln sich auch in einer Umfrage des Müttergenesungswerks wider, in der 56 % der Mütter sich eine kontinuierliche Wertschätzung ihrer Care-Arbeit wünschen.

Forderungen der Mütter

Die Umfrage des Müttergenesungswerks, die vom 15. März bis 15. April 2024 durchgeführt wurde, zeigt noch weitere interessante Ergebnisse. 89 % der Mütter fordern mehr Familienfreundlichkeit, während 51 % eine Gleichstellung zwischen Müttern und Vätern einfordern. Die Realität sieht oft anders aus: Viele Mütter fühlen sich in ihrer Rolle allein gelassen, und es mangelt an Unterstützung durch den Staat und die Gesellschaft. 80 % der Befragten wünschen sich mehr Anerkennung für ihre Sorgearbeit.

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Das Müttergenesungswerk, 1950 gegründet von Elly Heuss-Knapp, setzt sich für die Gesundheit von Müttern, Vätern und pflegenden Angehörigen ein. Unter der Schirmherrschaft von Elke Büdenbender, der Frau des Bundespräsidenten, wird auf die Bedeutung der Stimme für Sorgearbeitende hingewiesen. Das MGW bietet nicht nur Informationen zur Wertschätzung von Müttern, sondern organisiert auch Spendenaktionen zu Ehren des Muttertags. Diese Initiativen sind wichtig, um auf die Bedürfnisse von Müttern aufmerksam zu machen und um für eine gerechtere Verteilung der Care-Arbeit zu kämpfen.

Wartbergs Alltag im Krankenhaus und die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen, dass der Muttertag nicht nur ein Tag für Geschenke und Blumen ist, sondern auch eine Gelegenheit, über die Herausforderungen und Bedürfnisse von Müttern nachzudenken. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft mehr Wertschätzung jenseits des Muttertags geübt wird und dass die gesellschaftlichen Forderungen Gehör finden.