Fliegerhorst Goslar: Vom Militärstandort zur lebendigen Erinnerungskultur
Heute ist der 17.06.2026 und in Goslar gibt es Neuigkeiten, die Geschichte und Gegenwart auf faszinierende Weise verbinden. Der Fliegerhorst, der seit den 2010er Jahren zu einem neuen Quartier umgestaltet wird, spielt dabei eine zentrale Rolle. Am 8. Juni 2021 beschloss der Rat der Stadt, die „historische Dimension“ dieses ehemaligen Bundeswehrstandorts aufarbeiten zu lassen. Eine ehrenamtliche Arbeitsgruppe mit dem Namen Fliegerhorst wurde ins Leben gerufen, bestehend aus Experten und Geschichtsinteressierten, die sich der Aufgabe verschrieben haben, die Geschichte des Geländes lebendig zu halten. Die Stadt Goslar begleitet diese Gruppe, was zeigt, wie wichtig das Thema Erinnerungskultur hier ist.
Die Arbeitsgruppe hat bereits eine Informationstafel an der Haltestelle „Fliegerhorst“ auf der Marienburger Straße entwickelt. Diese Tafel bietet nicht nur historische Etappen, sondern auch architektonische Besonderheiten des Geländes. Ein QR-Code auf der Tafel ermöglicht es Passanten, über eine ausführlichere Internetpräsenz noch tiefer in die Geschichte einzutauchen. Es ist spannend zu sehen, wie die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft wird und wie sich das Bewusstsein für die Geschichte der Region weiterentwickelt.
Ein bisschen Geschichte
Aber was steckt eigentlich hinter dem Fliegerhorst? Der Standort wurde 2010 stillgelegt und war zuvor ein wichtiger Militärflugplatz in Niedersachsen. Die Suche nach einem geeigneten Gelände begann bereits 1925, und die ersten Flugbewegungen fanden 1926 statt. Am 19. Juni 1927 wurde der „Goslarer Flughafen“ offiziell eröffnet. Im ersten Halbjahr 1931 gab es über 200 Landungen – was für die damalige Zeit eine beachtliche Zahl war. Der Platz diente nicht nur als regionaler Verkehrsflughafen, sondern auch als Notlandeplatz für internationale Strecken. Doch die zivile Nutzung endete fast vollständig ab 1936.
Von 1934 bis 1937 wurden zahlreiche Gebäude errichtet, und 1937 zogen die ersten Luftwaffensoldaten ein. Bis 1945 war der Fliegerhorst mit verschiedenen Einheiten belegt, darunter auch berühmte Flugzeugtypen wie die Messerschmitt Bf 110 und die Heinkel He 111. Im August 1944 traf der schwerste Luftangriff auf das Gelände ein, was die damaligen Geschehnisse in ein düsteres Licht taucht. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt Goslar von amerikanischen und später britischen Truppen besetzt.
Der Wandel zum Wohnquartier
Ab 1948 setzte sich die Stadt Goslar für eine Bebauung des Rollfeldes mit Wohngebäuden ein. 1958 wurden die Gebäude erneut von Luftwaffeneinheiten der Bundeswehr belegt. Die Zeit verging, und der Fliegerhorst durchlebte viele Veränderungen. 2009 wurde der letzte Ausbildungsbataillon außer Dienst gestellt, und bis zum 30. Juni 2010 war noch ein Nachkommando vor Ort. Im Jahr 2016 begann die Stadt schließlich, das Fliegerhorstgelände teilweise zu verkaufen, was zur Entstehung der neuen Siedlung Fliegerhorst führte.
Die Umgestaltung des Fliegerhorsts ist also mehr als nur ein architektonisches Projekt. Es ist ein bedeutender Schritt in der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte und der Errichtung eines neuen Lebensraums. Die Menschen in Goslar können nun nicht nur in einem modernen Quartier leben, sondern auch die Vergangenheit würdigen.
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