Heute ist der 28.04.2026 und der Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette erreicht einen kritischen Punkt. Klette, die im Februar 2024 in Berlin festgenommen wurde, steht vor dem Landgericht Verden wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an mehreren Überfällen auf Geldtransporter. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen die 67-Jährige wegen versuchten Mordes, versuchtem und vollendetem schweren Raub sowie unerlaubtem Waffenbesitz. In einer dramatischen Wendung wird Klette als federführend bei diesen Überfällen angesehen, die von 1999 bis 2016 in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein stattfanden.
Der Überfall auf einen Geldtransporter in Stuhr nahe Bremen im Juni 2015, bei dem mehrere Schüsse abgegeben wurden, ist nur einer von 13 Überfällen, die Klette mit ihren mutmaßlichen Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg begangen haben soll. Auch wenn die Geldboten unverletzt blieben, bezeichnete Staatsanwältin Annette Marquardt die Tat als hochgradig gefährlich. Die Täter operierten „arbeitsteilig und äußerst konspirativ“, verkleideten sich mit Perücken und falschen Schnurrbärten, und mieteten Fahrzeuge unter falschen Namen, um nicht aufzufallen.
Umfangreiche Beweisaufnahme
Die Beweise gegen Klette sind erdrückend. In ihrer Wohnung fanden Ermittler eine Panzerfaust-Attrappe, mehrere Waffen, Munition, über ein Kilogramm Gold und 240.000 Euro Bargeld. Dazu kommen belastende Fotos, Skizzen und Aufzeichnungen von Geldtransportern und Polizeiwachen, die möglicherweise als Planungsunterlagen für die Überfälle dienten. Zudem gibt es DNA-Mischspuren in den Fluchtautos, die Klette zugeordnet werden könnten, obwohl ihre Anwälte die Qualität dieser Ermittlungen in Frage stellen.
Das Gericht stellte nach über einem Jahr die Beweisaufnahme ein. Der Verfahrensablauf war von strengen Sicherheitsvorkehrungen geprägt, da Klette seit mehr als zwei Jahren in Untersuchungshaft sitzt. Die nächste Phase des Prozesses sieht vor, dass Nebenklage und Verteidigung ihre Sicht der Dinge schildern. Klette wird die Möglichkeit erhalten, das letzte Wort zu ergreifen. Ein Urteil wird frühestens Ende Mai 2025 erwartet.
Die Folgen einer Verurteilung
Klette drohen bei einer Verurteilung mindestens drei Jahre Freiheitsstrafe für schweren Raub und bis zu zehn Jahre für unerlaubten Waffenbesitz. Es ist jedoch zu beachten, dass die Zeit in Untersuchungshaft angerechnet wird, laut Landgericht Verden jedoch keinen entscheidenden Einfluss auf die Strafe haben wird. Auch die Möglichkeit weiterer Verfahren wegen ihrer Beteiligung an RAF-Anschlägen zwischen 1990 und 1993 schwebt über ihr. Die Bundesanwaltschaft hat bereits Anklage erhoben, die die Beteiligung an zweifachem versuchten Mord, erpresserischen Menschenraub und schwerer Raub umfasst.
Der Prozess gegen Daniela Klette ist nicht nur ein weiterer Kriminalfall, sondern wirft auch ein Schlaglicht auf die dunkle Geschichte der RAF und deren Nachwirkungen. Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main muss über die Verfahren entscheiden, und die Umwandlung einer Reithalle in einen Gerichtssaal, mit Kosten von rund 3,6 Millionen Euro, unterstreicht die Ernsthaftigkeit und den öffentlichen Stellenwert dieses Falles.