Die Träume der Auswanderer: Geschichten von Brigitte Mannert und der deutschen Auswanderung in die USA
Heute ist der 27.06.2026, und im Donnersbergkreis erinnern sich viele an die Geschichten von Auswanderern, die einst ihre Heimat verließen, um in Amerika ein neues Leben zu beginnen. Eine besonders bewegende Erinnerung stammt von Brigitte Mannert aus Bayerfeld-Steckweiler. In ihrer Kindheit stellte sie sich Amerika als ein Traumland vor – ein Bild, das durch eine Schulfreundin noch lebendiger wurde. Diese Freundin hatte Verwandte in den USA, die ihr Spielzeug und Süßigkeiten schickten. Ein Koffer voller Süßigkeiten, den der Bruder des Opas dieser Freundin aus der Pfalz nach Deutschland brachte, schürte die Träume von Brigitte weiter.
Ein einprägsames Erlebnis war das Gespräch mit diesem Mann, der in den 1920er-Jahren in die Vereinigten Staaten auswanderte. Er erzählte von den schwierigen Bedingungen seiner Reise: Sein Vater hatte einen Ochsen verkauft, um ein besseres Schiffsticket zu kaufen. Mit nur wenig Geld musste er per Anhalter nach Hamburg reisen. In New York angekommen, wurde er von seinen Verwandten erwartet – oder besser gesagt, er wartete vergeblich auf sie. Mittellos und ohne Englischkenntnisse fand er sich in einem fremden Land wieder, fand jedoch letztlich seine Verwandtschaft und erlebte trotz der Herausforderungen, einschließlich der Weltwirtschaftskrise, immer wieder Heimweh nach den USA.
Eine Freundschaft über den Atlantik
1991, viele Jahre später, traf Brigitte Mannert mit ihrem Mann ein amerikanisches Paar auf einem Weingut. Dieses Paar war auf Hochzeitsreise in Deutschland und übernachtete bei den Mannerts. Die spontane Begegnung führte zu einer jahrelangen Freundschaft, die über den Atlantik hinweg Bestand hatte. Zwei Jahre später reisten die Mannerts selbst in die USA, begannen ihre Reise in Seattle am Lake Washington und besuchten zahlreiche Orte, darunter atemberaubende Canyons, San Diego und San Francisco. Verwandte und Freunde waren dabei stets hilfreiche Fremdenführer, die ihnen halfen, die Vielfalt der amerikanischen Kultur zu entdecken.
Diese persönlichen Geschichten sind nicht nur individuelle Erlebnisse, sondern stehen auch symbolisch für eine größere Bewegung. Die Geschichte der deutschen Auswanderer in die USA ist gut dokumentiert, etwa in der Deutschen Auswandererbriefsammlung der Forschungsbibliothek Gotha. Diese Sammlung, die über 12.000 Briefe von deutschen Auswanderern umfasst, bietet faszinierende Einblicke in das Leben und die Herausforderungen der Menschen, die zwischen 1820 und 1990 nach Nordamerika gingen. Die Briefe, oft auf einfachem, verschmutztem oder eingerissenem Papier verfasst, erzählen von den Schwierigkeiten der Überfahrt, dem Ankommen in der neuen Heimat und den sich einstellenden Erfolgen – oder auch Misserfolgen.
Ein kultureller Schatz
Ein bemerkenswerter Aspekt dieser Sammlung ist, dass über 80 % der Briefe bereits transkribiert wurden, was den Zugang zu diesen historischen Dokumenten erleichtert. Forscher können auf diese Weise sozial-, wirtschafts- und sprachgeschichtliche Fragestellungen untersuchen. Die Briefe sind nicht nur persönliche Zeugnisse, sondern auch wertvolle historische Quellen, die einen Blick auf die Veränderungen in den Kommunikationsbedingungen, insbesondere während des Ersten Weltkriegs, erlauben. Die Gothaer Auswandererbriefsammlung entstand in zwei großen Sammlungskampagnen und wird bis heute kontinuierlich erweitert.
Der Austausch zwischen den Kulturen, der in den Briefen und den Geschichten von Menschen wie Brigitte Mannert dokumentiert ist, zeigt uns, wie tief verwurzelt die Verbindungen zwischen Deutschland und den USA sind. Die Träume und Hoffnungen der Auswanderer, ihre Kämpfe und Erfolge – all das ist nach wie vor Teil einer lebendigen Geschichte, die uns bis heute berührt.
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