Heute ist der 8.05.2026 und in Schleswig-Holstein beginnt die Erdbeersaison. Am 7. Mai 2026 haben die Erdbeerlandwirte offiziell die ersten Früchte geerntet. Nann Kühl, ein Landwirt aus Garding im Kreis Nordfriesland, hat es sich nicht nehmen lassen, die ersten Erdbeeren des Jahres zu pflücken. Mit rund 30 kg am ersten Tag ist das ein ordentlicher Start. In der Hochsaison könnten seine Gewächshäuser bis zu 300 kg pro Tag abwerfen. Das klingt doch vielversprechend, oder? Doch der Preis für Erdbeeren ist nicht ohne: Aktuell liegt er zwischen 6,00 und 6,60 Euro pro halbem Kilo. Das ist eine gewaltige Preissteigerung von rund 70 Prozent seit 2015. Der Grund dafür? Höhere Personalkosten, die durch den steigenden Mindestlohn und die gesamtwirtschaftliche Lage bedingt sind.
Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein zeigt sich optimistisch. Die Witterungsbedingungen sind günstig, und die Pflanzen tragen viele große Blüten. Das lässt auf eine ertragreiche Ernte hoffen. Immer mehr Landwirte setzen auf neue Anbautechniken, wie den Einsatz von Folientunneln. Diese schützen nicht nur die Pflanzen vor schlechtem Wetter, sondern beschleunigen auch das Wachstum. Manchmal sind die Erdbeeren schon bis zu drei Wochen früher erntereif. Dennoch bleibt der Einsatz von Folientunneln nicht ohne Herausforderungen. Die Baukosten für eine solche Anlage belaufen sich auf zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Nann Kühl entscheidet sich vorerst, auf klassische Felder zu setzen, wohl auch aus Kostengründen.
Wachstum unter Schutzabdeckungen
Der geschützte Erdbeeranbau nimmt in Deutschland stetig zu. Im Jahr 2025 wuchsen Erdbeeren auf 2.081 Hektar unter Schutzabdeckungen wie Folientunneln, was etwa einem Sechstel der gesamten Erdbeeranbaufläche entspricht. Zehn Jahre zuvor waren es gerade einmal drei Prozent. Das bedeutet, die Erntesicherheit und die gleichbleibend hohe Qualität der Früchte steigen. Schließlich sind die Erdbeeren so besser vor Wetterrisiken geschützt. Auf geschützten Flächen ist die Produktivität mehr als doppelt so hoch wie im Freilandanbau. Im Jahr 2025 stammten 37 Prozent der gesamten Erdbeerernte aus diesen geschützten Anbausystemen.
Doch die Erdbeerernte in Deutschland steht vor Herausforderungen. Die Zahl der Erdbeeranbauer ist seit 2015 um 24,1 Prozent gesunken, und die Anbaufläche hat sich um 28,4 Prozent verringert. Selbst der Selbstversorgungsgrad hat sich reduziert: Von 68 Prozent ist er auf 50 Prozent gefallen. Immer mehr Erdbeeren werden importiert – insbesondere aus Spanien und Griechenland. Die heimischen Produzenten müssen sich warm anziehen, wenn die Preise weiterhin steigen. Die aktuellen Preisdaten für 2025 sind noch nicht veröffentlicht, aber die Tendenz ist klar: Die Preise werden weiterhin hoch bleiben – ein Umstand, der auch durch einen möglichen Anstieg des Mindestlohns auf 15 Euro in der Zukunft noch verstärkt werden könnte.
Ein Blick in die Zukunft
Die Erdbeerernte 2025 belief sich auf 128.410 Tonnen, was gut 38 Prozent der heimischen Nachfrage nach frischen Erdbeeren deckte. Knapp 183.000 Tonnen wurden netto importiert. Wenn man bedenkt, dass die Preise für deutsche Erdbeeren in den letzten zehn Jahren um fast 70 Prozent gestiegen sind – von 3,94 Euro pro Kilogramm im Jahr 2015 auf 6,65 Euro im Jahr 2024 – dann kann man sich gut vorstellen, dass die Verbraucher aufmerksam werden. Die Produktionskosten sind gestiegen, da die Personalkosten inzwischen 50 bis 60 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Die Einführung des Mindestlohns 2015 hat hier den entscheidenden Anstoß gegeben.
Die Zukunft der Erdbeerernte in Deutschland hängt also von vielen Faktoren ab. Der Klimawandel bringt häufigere Extremwetterereignisse mit sich, die die Ernte gefährden können. Daher setzen viele Anbauer zunehmend auf geschützte Anbausysteme. Diese ermöglichen nicht nur eine längere Erntezeit bis in den Oktober, sondern auch eine bessere Ertragsquote – 20,4 Tonnen pro Hektar im geschützten Anbau im Vergleich zu 9,3 Tonnen im Freiland. Die Umstellung auf geschützten Anbau ist jedoch kostspielig und kann bis zu 100.000 Euro pro Hektar kosten. Da bleibt nur abzuwarten, wie sich die Lage weiterentwickelt und ob die Verbraucher bereit sind, die steigenden Preise zu akzeptieren.
Für jetzt bleibt uns nur, die ersten frischen Erdbeeren des Jahres zu genießen, auch wenn der Preis dafür etwas höher ist als gewohnt. Aber hey, das Leben ist zu kurz, um auf Erdbeeren zu verzichten!
